Panorama

Kronzeugenprozess in KielPolizei fürchtet neuen Rockerkrieg

14.06.2012, 12:02 Uhr
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Polizisten bewachen rund um die Uhr die Berliner Virchow-Klinik, wo ein schwer verletzter Hells-Angels-Chef behandelt wird. (Foto: dpa)

Der einst beigelegte Rockerkrieg bereitet der Polizei neue Sorgen. In Berlin wird nach dem Attentat auf einen Hells Angels sogar eine eigene "Task Force" gegründet. Der brisante Prozess gegen einen Rocker in Kiel, der den Chef des größten deutschen Hells-Angels-Chapters schwer belastet, steht vor dem Abschluss.

Nach den Durchsuchungen von Rocker-Heimen und den Schüssen auf einen Berliner Hells-Angels-Chef befürchtet die Berliner Staatsanwaltschaft weitere schwere Straftaten. "Aufgrund der jüngsten Entwicklungen im Rockermilieu befürchten wir, dass es zu einer ganzen Serie erheblicher Straftaten kommt. Das gab es in dieser Form vorher noch nicht", sagte der Leiter der neu gegründeten Task Force "Rocker", Jörg Raupach, der "Berliner Morgenpost".

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Prozess in Kiel: Das Urteil gegen den Präsidenten der inzwischen aufgelösten Rockergruppe "Legion 81" soll an diesem Donnerstag fallen. (Foto: dpa)

Die Berliner Taskforce war für alle Fälle mit Bezug zur Rockerszene gebildet worden. Sie führe auch intensive Gespräche mit den Behörden in Brandenburg, erklärte Raupach. Derweil ist der Zustand des angeschossenen 47-Jährigen nach wie vor kritisch. Nach mehreren Polizeischlägen gegen die Hauptstadt-Rockerszene hatte ein Unbekannter in der Nacht zum Sonntag mehrfach auf den Boss der kürzlich aufgelösten Hells Angels Nomads geschossen.

Prozess in Kiel vor Abschluss

Unter starken Sicherheitsvorkehrungen wird derweil in Kiel der Hells-Angels-Prozess gegen den früheren Chef der inzwischen aufgelösten Rockerbande "Legion 81" fortgesetzt. Der Angeklagte ist inzwischen Hauptbelastungszeuge der Staatsanwaltschaft gegen die Hells Angels. Zunächst wollen Staatsanwalt und Verteidiger ihre Plädoyers halten. Das Urteil soll möglicherweise noch im Laufe des Tages verkündet werden.

Der 40-jährige Ex-Rocker muss sich seit November 2011 wegen Zuhälterei, gefährlicher Körperverletzung und weiterer Delikte verantworten. Auf die Straftaten stehen bis zu zehn Jahre Haft. Wegen seiner Aussagen hofft der 40-Jährige aber auf Strafmilderung.

Nach Angaben des Angeklagten war die "Legion 81" Hilfstruppe für die Hells Angels im Drogen- und Waffengeschäft, bei Prostitution, Schutzgelderpressungen und Gewaltdelikten. Den Chef der hannoverschen Hells Angels, Frank Hanebuth, beschuldigte der Angeklagte, einen Mord an einem Türken in Auftrag gegeben zu haben. Der Mann wird seit zwei Jahren vermisst. Die Polizei sucht dessen Leiche in einer Lagerhalle in Altenholz bei Kiel - bislang ohne Erfolg.

Quelle: ntv.de, dpa