Amoklauf in LörrachPolizei sucht Erklärung
Vier Menschen sind tot, weil eine Frau offenbar nach einer Trennung den Boden unter den Füßen verlor. Doch was ging genau in Sabine R. vor? Die Ermittler sind noch immer ratlos.
Was ging in der Amokläuferin von Lörrach vor? Nach der Tragödie mit vier Toten am Sonntag suchen die Ermittler weiter mit Hochdruck nach Hinweisen auf die Hintergründe. "Es geht weiter um das Motiv der Tat", sagte ein Polizeisprecher. "Außerdem wollen wir die Tat weiter dokumentieren. Es ist wichtig, um der Sache ein rundes Bild zu geben." Die Ermittler wollen heute weitere Spuren auswerten und suchen dringend nach Zeugen.
Die Öffnung von zwei Tresoren in Wohnung und Kanzlei der Amokläuferin hatte am Dienstag keine neuen Erkenntnisse zu den Hintergründen der Tat gebracht. "Wir haben nichts gefunden, was von Bedeutung wäre für den Fall", sagte ein Polizeisprecher. Beide Safes in Wohnung und Kanzlei der 41-Jährigen seien geöffnet und durchsucht worden. Die Ermittler hatten gehofft, darin Hinweise auf das Motiv sowie auf mögliche Probleme und die Persönlichkeit von Sabine R. zu finden.
Trennung im Sommer
Bis zum Sommer lebte die Täterin mit ihrer Familie in dem kleinen Schwarzwaldort Häg-Ehrsberg. Die Anwältin trennte sich im Juni von Mann und Kind und zog in die 30 Kilometer entfernte Stadt Lörrach. Nach der Trennung bahnte sich ein Sorgerechtsstreit an. Sie litt auch unter einer Fehlgeburt, die sie 2004 hatte - in der Klinik, in der sie bei ihrem Amoklauf mit mehr als 300 Schuss Munition in der Tasche schießend durch die Gänge zog und einen Pfleger tötete.
In ihrer Lörracher Rechtsanwaltskanzlei, die sie im Dezember bezogen hatte, hatte sich die Frau notdürftig ein Zimmer eingerichtet. Privater Raum war einzig eine Matratze, beschreiben es Ermittler. In dem Büro hatte der Sohn die Mutter am Sonntag besucht. Als der Vater ihn abholen wollte, kam es zu der tödlichen Tragödie und dem anschließenden Amoklauf im gegenüberliegenden St. Elisabethen- Krankenhauses. Die Bilanz: vier Tote und 18 Verletzte.
Lange im Schützenverein
Die aus Ludwigshafen stammende Frau hatte sich bis 1996 im nordbadischen Mosbach in einem Schützenverein engagiert. Zuletzt hatte sie die Berechtigung für vier Waffen. Eine davon war die Tatwaffe. Ob sie auch nach ihrem Umzug in den Schwarzwald in einem Schützenverein aktiv war, ist unklar.
Staatsanwalt Dieter Inhofer nannte die Frau "psychisch angespannt". In psychiatrischer Behandlung sei sie aber nicht gewesen. Anzeichen für einen drohenden Amoklauf habe es nicht gegeben. Als Rechtsanwältin trat die Frau in der Öffentlichkeit nicht in Erscheinung. Sie war selbst den meisten Nachbarn ihrer Kanzlei nicht bekannt. Streit gab es, so berichten es Nachbarn, mit dem früheren Arbeitgeber der Frau, einem Privatunternehmen.
Ein mögliches Motiv für den Amoklauf nannte der Mediziner Kurt Bischofberger, seit 1994 Chef der Gynäkologie an dem Lörracher Krankenhaus: Eine Fehlgeburt könne Auslöser für große psychische Belastungen und Schäden sein. "Es ist ein Trauma, das verarbeitet werden muss und mit dem jede Frau unterschiedlich umgeht." Ob dies die Tat ausgelöst habe, werde sich jedoch nie klären lassen.