Panorama

Böller und Nebeltöpfe gezündet Polizisten bei Mai-Demo in Berlin verletzt

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Vermummte Demonstranten in Berlin.

(Foto: dpa)

Den 1. Mai nutzen Menschen in vielen Städten Europas, um auf die Straßen zu gehen. Auch in Berlin ziehen Tausende durch die Stadt. Dabei wird auch Pyrotechnik eingesetzt, drei Polizisten werden verletzt. In Paris kommt es zu zahlreichen Festnahmen. In Istanbul schreitet die Polizei massiv ein.

Bei der sogenannten revolutionären 1. Mai-Demonstration durch Berlin-Neukölln sind nach Angaben der Polizei bislang drei Polizisten verletzt worden. Aus dem Aufzug heraus seien Nebeltöpfe gezündet und vereinzelt Böller auf Einsatzkräfte geworfen worden, teilte die Polizei bei Twitter als vorläufigen Stand mit. Dabei seien die drei Polizisten verletzt worden. Tausende Menschen zogen am Abend durch Berlin-Neukölln. Die Polizei sprach von bislang rund 5000 Teilnehmern. Beobachter gingen aber von weit mehr Teilnehmern aus. Linke und linksradikale Gruppen hatten zu dem Protest aufgerufen.

Die Straßen waren zum Teil abgesperrt, viele Mannschaftswagen der Polizei waren postiert. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Etwa 5600 Beamte sicherten bereits seit dem Vormittag Demonstrationen. Tagsüber verlief nach Einschätzung der Polizei alles friedlich. Knapp 60 Anzeigen seien bis zum Nachmittag erstattet worden, vorwiegend wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz. Polizeipräsidentin Barbara Slowik hatte im RBB angekündigt, bei Verstößen gegen die Corona-Regeln würden Demonstrationen schnell aufgelöst. Auch gewalttätigen Ausschreitungen werde sofort begegnet.

Innensenator Andreas Geisel teilte per Twitter mit, Berliner und Berlinerinnen hätten bislang weitgehend friedlich und verantwortungsvoll demonstriert. "Der 1. Mai ist ein politischer Tag, Gewalt hat keinen Platz." In der RBB-Abendschau sagte der Senator, wenn die Corona-Regeln bei der abendlichen Demonstration nicht eingehalten würden oder es zu Gewalttätigkeiten komme, sei die Auflösung der Demonstration eine Option.

Fensterscheibe geht zu Bruch

Am Rathaus Neukölln wurden schwarz gekleidete Demonstranten von dem restlichen Protestzug isoliert. In der Sonnenallee beschimpfte ein Bewohner eines Hauses die Demonstranten. Daraufhin flogen Farbbeutel, Bananen und ein Stein, der eine Fensterscheibe durchschlug. In Kreuzberg war die Polizei seit dem Nachmittag mit einem großen Aufgebot vertreten. In langen Reihen parkten die Mannschaftswagen. Die Einsatzkräfte sind laut Senator Geisel darauf eingestellt, dass es nach Einbruch der Dunkelheit zu Konfrontationen mit Demonstranten kommen könnte.

Der Start der Demonstration hatte sich zunächst verzögert, weil Corona-Mindestabstände nicht eingehalten wurden. In der riesigen Menge schwenkten Teilnehmer Fahnen, Transparente waren zu sehen. Auf einem roten Banner stand in weißen Buchstaben: "Gemeinsam streiken! Gegen ihre Krise". Zu sehen war auch ein Plakat mit der Aufschrift "Kein Stück vom Kuchen - Baklava für alle". Frauen mit roten Masken tanzten vor Beginn der Demo. Aus Lautsprecherwagen erklang laute Musik und die Bitte der Veranstalter, Masken zu tragen und Abstand zu halten. "Seid solidarisch miteinander", hieß es. Zu hören waren aber auch Rufe gegen die Polizei.

Zahlreiche Festnahmen in Paris

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In Paris setzt die Polizei Wasserwerfer gegen Demonstranten ein.

(Foto: AP)

Auch in Frankreich gingen Menschen auf die Straße. Bei den Demonstrationen für mehr soziale Gerechtigkeit kam es zu zahlreichen Festnahmen. In der Hauptstadt Paris nahm die Polizei nach eigenen Angaben 34 Personen in Gewahrsam. Zuvor waren Mülleimer in Brand gesetzt und Fensterscheiben einer Bank eingeworfen worden. Die Polizei war in Paris mit 5000 Kräften im Einsatz.

Auch in zahlreichen anderen französischen Städten gab es Demonstrationen. Insgesamt waren rund 300 Kundgebungen angemeldet, unter anderem in Lyon, Nantes, Lille und Toulouse. Über die genaue Zahl der Teilnehmer gab es zunächst keine Angaben. Die Menschen waren für soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit und gegen geplante Änderungen bei der Arbeitslosen-Unterstützung auf die Straßen gegangen.

Türkische Polizei greift hart durch

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In Istanbul geht die Polizei mit aller Härte gegen Protestanten vor - wegen der Corona-Pandemie gilt ein Versammlungsverbot.

(Foto: REUTERS)

Bei einer Mai-Demo in der türkischen Metropole Istanbul hat die türkische Polizei mehr als 200 Menschen festgenommen, die sich trotz eines Corona-Versammlungsverbots getroffen hatten. Nach Berichten von AFP-Korrespondenten wurden die Menschen in Gewahrsam genommen als sie versuchten, auf den symbolträchtigen Taksim-Platz oder die angrenzende Istiklal-Straße zu gelangen. Die Stadtverwaltung gab die Zahl der Festnahmen mit 212 an.

Die Beamten gingen teilweise gewaltsam gegen die Demonstranten vor. Immer wieder drängten sie die Menge mit ihren Schilden zurück oder schleppten einzelne Teilnehmer gewaltsam fort.

Der Taksim-Platz ist seit Jahrzehnten alljährlicher Schauplatz von 1. Mai-Demonstrationen. Immer wieder gibt es dort gewalttätige Zusammenstöße, seitdem am Tag der Arbeit 1977 dort 34 Menschen getötet wurden. Der Platz ist bereits seit Jahren für Kundgebungen zum Tag der Arbeit gesperrt, immer wieder werden Demonstranten festgenommen, die dem Verbot trotzen.

Quelle: ntv.de, kst/dpa/rts/AFP

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