Spot mit GänsehautfaktorPotts wirbt für Telekom
Seine Darbietung bei "Britain's Got Talent" im Juni 2007 hat viele zu Tränen gerührt. Und auch ein Jahr danach begeistert Paul Potts mit seinem legendären Auftritt in einem Werbespot für die Deutsche Telekom ein weltweites Publikum.
Eigentlich hatte Paul Potts den Job eines Handy-Verkäufers nach seinem Durchbruch zum Opernstar an den Nagel gehängt. Doch jetzt sorgt der mollige Waliser mit Kultstatus und Silberblick, der eine deutsche Zeitung "an einen gequält dreinschauenden Welpen" erinnerte, wieder für Mobilfunk-Umsätze. Mit seinem legendären Auftritt bei der britischen Variante von "Das Supertalent" begeistert Potts derzeit in einem Werbespot für Telekom-Handys ein weltweites Publikum.
Millionenfach wurde der Spot mit dem Telekom-Motto "Erleben, was verbindet" bereits beim Videoportal YouTube angeklickt. Zuschauer äußern sich begeistert und gerührt zugleich. Eine Reaktion, die nach Schlagzeilen über Umsatzeinbußen und die Bespitzelungsaffäre, bei Europas größtem Telekommunikationsunternehmen sehr willkommen ist. "Wir freuen uns riesig über die positive Resonanz", sagt Telekom- Sprecherin Marion Muhr. "Viele Zuschauer schildern, dass sie bei dem Werbespot eine Gänsehaut bekommen."
Underdog-Typ mit großer Stimme
Kein Wunder, denn Potts Auftritt hatte im Juni 2007 viele zu Tränen gerührt. Da kommt ein 37-jähriger auf die Bühne, der erkennbar einen schlechten Friseur und keinen Zahnarzt hat. Sein Doppelkinn schwabbelt ebenso wie der Bauch. Was glaubt dieser Underdog-Typ bei der Show "Britain's Got Talent" wohl gewinnen zu können?
Das gefürchtete Jury-Mitglied Simon Cowell, gegen den Dieter Bohlen wie ein Pfleger im Kinderkrankenhaus wirkt, rollt abfällig mit den Augen. Was für ein Versager, scheint er zu denken, als Potts auch noch erklärt: "Ich singe Oper". Doch dann ertönt eine sagenhaft klare, saubere und eindringliche Stimme. Schöner hat vielleicht nur Potts großes Vorbild Luciano Pavarotti die Arie "Nessun Dorma" (Keiner schlafe!) aus Puccinis Oper "Turandot" gesungen.
Überstunden als Regalpacker
Und da ist er, der Gänsehaut-Effekt. Die Jury-Mitglieder blicken erstaunt auf. Lautstarke Ovationen des Publikums. Der Handy-Verkäufer mit dem birnenförmigen Gesicht aus dem tristen Landkreis Bridgend, der gerade durch eine ungewöhnlich hohe Zahl von Selbstmorden unter Jugendlichen in die Schlagzeilen geraten war, singt sich in die Herzen von Millionen.
Für den Erfolg hat der Sohn einer Supermarktkassiererin jahrelang beharrlich gearbeitet. Das Geld für den Gesangsunterricht hat er neben dem Verkäuferjob mit Überstunden als Regalpacker verdient. Selbst eine Operation wegen eines Nierentumors sowie ein Schlüsselbeinbruch und Schulden von umgerechnet mehr als 40.000 Euro, die er für seine Ausbildung zum Opernsänger anhäufte, konnten Potts nicht niederringen. "Ich war manches Mal verzweifelt, aber ich habe immer gehofft, dass mein Lebenstraum in Erfüllung geht", sagte er.
Kaum wiederzuerkennen
Wer nur den Spot mit dem Talentshow-Auftritt vor einem Jahr gesehen hat, würde Potts heute kaum wiederkennen. Die Zähne sind gerichtet, die Frisur sitzt, er wirkt sportlicher. Die Stylisten haben ganze Arbeit geleistet. Doch sein legendärer Durchbruch bleibt unvergessen. "Große Momente kennen kein Verfallsdatum", sagt Telekom-Marketing-Chef Hans-Christian Schwingen. "Und bislang war noch niemand auf die Idee gekommen, diesen Moment in der Werbung zu nutzen."
Auf die Zusatzeinnahmen aus dem Spot ist Potts freilich nicht angewiesen. Sein Debütalbum "One Chance" ist mehr als zwei Millionen Mal verkauft worden. Die erste "Goldene Schallplatte" überreichte ihm Premierminister Gordon Brown. Mit seiner Frau Julie-Ann - die beiden hatten sich bei einem Internet-Chat kennengelernt und vier Jahre vor dem Talentshow-Sieg geheiratet - reist der Star zu Opernauftritten in der ganzen Welt. Talkshow-Gastgeber wie Oprah Winfrey laden ihn ein. Und nun soll die moderne Aschenputtel-Geschichte vom singenden Handy-Verkäufer auch noch verfilmt werden - ausgerechnet in der Regie von Talente-Richter Simon Cowell.