Präpariert und präsentiert"Problembär" ist wieder da
Das Münchner Museum Mensch und Natur präsentiert den ausgestopften Bären Bruno. Der einstige "Problembär" ist zwischen Gras und Sträuchern zu sehen und wirkt, als würde er beim Ausplündern eines Bienenstocks ertappt.
An der Schnauze klebt der Rest einer Honigwabe, Bienen sitzen auf seiner Nase: Der in Bayern abgeschossene Braunbär Bruno bleibt der Nachwelt als Honigdieb erhalten. Wie gerade beim Naschen überrascht dreht er - neben geplünderten Bienenkästen stehend - dem Besucher seinen Kopf zu. Das Münchner Museum Mensch und Natur präsentierte den ausgestopften Bären erstmals den Medien.
Die Ausstellung zeige das junge Tier bei einer seiner Lieblingsbeschäftigungen, sagte Museumsleiter Michael Apel. Bruno war im Sommer 2006 aus Italien eingewandert. Er war nach 171 Jahren der erste Bär in Freiheit, der seine Tatzen auf deutschen Boden setzte. Doch die Freude über den Gast währte nicht lange. Ohne jede Scheu tappte der Bär durch Ferienorte, erschreckte Urlauber, riss Schafe, knackte Hühnerställe - und raubte Honig. Seine Dreistigkeit wurde ihm zum Verhängnis, die Behörden sahen ein zu hohes Risiko. Mehrere Fangversuche scheiterten, er wurde zum Abschuss freigegeben. Am 26. Juni 2006 erschossen Polizisten, die über einen Jagdschein verfügten, den Bären mit dem offiziellen Namen JJ1 - Erstgeborener von Mutter Jurka und Vater Jos - im Spitzingseegebiet.
Reale Szene nachgestellt
Die Szene mit dem Bienenstock hat in Brunos Leben tatsächlich stattgefunden: Am 16. Juni 2006 räuberte der Bär im oberbayerischen Kochel am See einen Bienenstock. "Der Besucher nähert sich dem Bären so, als ob er zufällig an dem Abend vorbeigekommen wäre", sagt Apel. Akribisch haben Präparator Dieter Schön und die Museumsmitarbeiter recherchiert, den "Tatort" von damals besichtigt, den Imker befragt und danach die riesige Glasvitrine ausstaffiert.
Rund 1000 echte präparierte Bienen sind zwischen Waben und hölzernen Bienenkästen zu sehen, einige davon sind auf Brunos Fell festgeklebt. Zwischen Gras und Sträuchern kriechen Schnecken. "Die Landschaft war mehr Arbeit als der Bär", gibt Schön zu. Rund drei Monate hat er an dem Präparat gearbeitet, 1400 Arbeitsstunden geleistet. An Ostern hat Schön letzte Details arrangiert - und das Fell des Bären noch einmal gekämmt.
Keinesfalls sollte das Tier als bedrohliche Bestie oder knuddeliger Teddy gezeigt werden, sondern möglichst natürlich. "Wir hatten auch einige blutigere Varianten überlegt, aber wir wollten niemanden erschrecken", räumt Schön ein. Die Idee, Bruno mit einem gerissenen Schaf darzustellen, habe man schnell wieder verworfen.
Mahnwache für den toten Bären
Denn noch immer erhitzt der tote Bär die Gemüter. Am Donnerstag wird das Tier erstmals für die Öffentlichkeit zu sehen sein, das Museum rüstet sich für einen Riesenandrang. Zugleich haben Gegner der Jagd zu einer Mahnwache aufgerufen. Sie sprechen vom "Mord" an einem "unschuldigen, nicht einmal ausgewachsenen Braunbären". Verschwörungstheorien machen weiter die Runde.
Der Bär ist eingebunden in eine Schau, die den "Fall Bruno" mit Fotos und Zeitungsausschnitten dokumentiert. Fan-Artikel sind zu sehen, darunter ein Bruno-Solidaritäts-T-Shirts und ein Stoff-Bär mit Trauerflor. Zudem gibt es allgemeine Informationen über Bären.
Man hofft jetzt, dass das neue Bärenmanagement und die internationale Zusammenarbeit das nächste Mal einen Abschuss überflüssig machen. "JJ1 war nicht der letzte Bär, sondern der erste Bär", sagt der bayerische Wildtierbeauftragte Manfred Wölfl. In diesem Jahr werden drei junge Bären aus Italien auf Wanderschaft gehen, im nächsten Jahr könnten es zehn Jungbären sein. Gut möglich, dass noch einmal einer sein Glück in Bayern sucht. "Es wird sicher eine spannende Zeit werden", sagt Wölfl. Er hoffe, dass die Menschen das Tier dann in Ruhe lassen könnten und nicht "halb München leer ist", weil Städter den Bären suchen. "So machen wir jeden Bären zu einem Sicherheitsrisiko."