Panorama

Eklat an Düsseldorfer TheaterRassismus-Vorwürfe gegen Schauspielhaus

22.03.2021, 19:02 Uhr
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Kämpft gegen Rassismus in der Theaterbranche: Ron Iyamu gehe es nicht um einen Shitstorm gegen seinen Arbeitgeber. (Foto: dpa)

Ein Schauspieler beklagt zunächst intern rassistische und sexistische Strukturen am Düsseldorfer Schauspielhaus. Als nichts passiert, macht er die Vorfälle öffentlich. Das Schauspielhaus gerät im Internet unter Beschuss, Stadt und Land fordern Aufklärung - und anders als intern reagiert die Leitung dieses Mal deutlich schneller.

Nach Rassismus-Vorwürfen gegen das Düsseldorfer Schauspielhaus haben die nordrhein-westfälische Landesregierung und die Landeshauptstadt eine konsequente Aufarbeitung der Vorfälle gefordert. "Dass ein Schauspieler am Schauspielhaus rassistisch behandelt und diskriminiert wird, ist nicht tolerierbar", erklärten die parteilose NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen und der Düsseldorfer Oberbürgermeister Stephan Keller von der CDU in einer gemeinsamen Mitteilung. "Es ist notwendig, dass das Schauspielhaus die Vorfälle konsequent aufarbeitet, entsprechende Konsequenzen zieht und Maßnahmen ergreift, dass sich dies nicht wiederholen kann." Die Bühne wird vom Land und der Stadt getragen.

Der Schauspieler Ron Iyamu, der seit 2019 Ensemblemitglied ist, hatte die Vorwürfe im WDR öffentlich gemacht. Konkret warf Iyamu dem Intendanten Wilfried Schulz vor, im Schauspielhaus weiterhin Regisseure arbeiten lassen, obwohl ihm bekannt sei, dass diese "rassistische und sexistische Sprüche" über Mitarbeiter machten. Unter anderem habe ihn ein Regisseur mit dem "N-Wort" beleidigt, schrieb Iyamu später auf Facebook und Instagram. Seit zweieinhalb Jahren erlebe Iyamu demnach im Schauspielhaus immer wieder Rassismus. "Rassistische und sexistische Strukturen" seien am Schauspielhaus ein Dauerzustand. "Immer wieder wurden mir Versprechungen gemacht wie 'Wir reden darüber in der Produktion' und 'Ich rede darüber mit den Regisseuren', aber bis heute ist nichts passiert." Daher habe er sich entschieden, an die Öffentlichkeit zu gehen. "Es geht mir dabei nicht darum einen Shitstorm heraufzubeschwören. Es geht mir darum, dem Düsseldorfer Schauspielhaus zu zeigen, dass Rassismus keine Empfindlichkeit ist, die so hingenommen werden kann." Er wolle das Gespräch in die Öffentlichkeit ziehen, "da ich mich hinter den Fassaden des Schauspielhauses allein gelassen und machtlos fühle".

Intendanz will Verhaltenskodex einführen

Schulz und das Leitungsteam entschuldigten sich in einer öffentlichen Stellungnahme bei Iyamu. "Wir bedauern sehr, dass wir den Vorfällen nicht konsequenter begegnet sind. Das war ein Fehler." Das Haus habe die persönliche Betroffenheit Iyamus, das Ausmaß der Verletzungen und vor allen Dingen die Aufarbeitung falsch eingeschätzt. "Wir bitten um Entschuldigung für die entstandenen Verletzungen und hoffen auf die Fortführung der persönlichen Gespräche." Das Schauspielhaus engagiere sich seit vielen Jahren gegen Rassismus - auf und jenseits der Bühne, schrieb Schulz. Es gebe auch seit 2019 einen Diversity-Beauftragten und Anti-Rassismus-Fortbildungen. Die Vorfälle zeigten aber eindeutig, "dass wir noch sehr viel mehr an unseren internen Strukturen arbeiten müssen, um Missstände zu erkennen und zu beseitigen (...)." Das Schauspielhaus werde daher einen Verhaltenskodex einführen, "mit dem wir unsere Haltung, Werte und unser Handeln innerhalb unserer Institution beschreiben". Künftig werde es auch Ansprechpartner geben, an die sich Betroffene unmittelbar wenden könnten.

Der in Hannover geborene Iyamu studierte am Mozarteum Salzburg. Der 29-jährige Schauspieler mit nigerianischen Wurzeln gehört aktuell zum Ensemble des Jungen Schauspielhauses. Iyamu ist außerdem Musiker und hat sich den Künstlernamen Ron Nox gegeben. Er schrieb über seine Rassismus-Erfahrungen in der Schauspielszene 2020 auch seine Diplomarbeit.

Quelle: ntv.de, joh/dpa

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