Zugunglück in WarendorfRegionalbahn rammt Sattelschlepper

Die Schranken schließen sich, die Bahn naht: Doch quer auf den Schienen versperrt ein großer Lkw-Auflieger die Strecke. Beim Aufprall bohren sich Stahlstangen durch die Außenhaut des Zuges. Nur durch Zufall kommen nicht mehr Menschen zu Schaden.
Beim Zusammenstoß eines Regionalzugs mit einem Lastwagen sind im Münsterland acht Menschen leicht verletzt worden. Ersten Erkenntnissen der Polizei zufolge war der Lkw-Fahrer im Stadtgebiet von Warendorf beim Wenden mit seinem Fahrzeug an einem Bahnübergang auf die Schienen geraten.
Der Sattelauflieger des 40-Tonners stand offenbar noch dort, als sich am Montagabend die Schranken schlossen und eine Regionalbahn des privaten Schienenverkehrsanbieters Keolis auf das Hindernis zufuhr. Der Lokführer der Eurobahn konnte sein tonnenschweres Schienenfahrzeug nicht mehr bremsen: Der Zug erfasste den Auflieger und schleuderte das Führerhaus des Lkw herum. Die Unfallstelle liegt in einer Kurve.
An Bord der Eurobahn von Münster Richtung Bielefeld sollen sich nach Informationen lokaler Medien zum Unfallzeitpunkt nur noch zwölf Passagiere befunden haben. Auch sie wurden von der Kollision vollkommen überrascht: "Ich saß vorne, bemerkte ein starkes Abbremsen, dann knallte es und Glasscherben flogen in die Kabine", zitieren die in der Region erscheinenden "Westfälischen Nachrichten" die Schilderungen einer Insassin.
Ladung aus sperrigen Stahlstangen
Der Lastwagen-Fahrer und sein Beifahrer erlitten bei dem Unfall Verletzungen, die im Krankenhaus versorgt werden mussten. Auch der Lokführer wurde leicht verletzt. Polizei und Rettungskräfte waren mit einem umfangreichen Aufgebot vor Ort.
Nur dem Zufall ist es offenbar zu verdanken, dass niemand ernstlich zu Schaden kam: Der Lkw hatte dem Bericht der "Westfälischen Nachrichten" zufolge Baustahl geladen. Teile der Ladung sollen sich durch die Scheiben und die Außenhaut des Zuges in den Fahrgastraum gebohrt haben. Ein Großteil der Passagiere soll kurz vor dem Unglück am Bahnhof Warendorf ausgestiegen sein.
Fünf Bahn-Fahrgäste erlitten einen Schock. Die Bergungsarbeiten dauerten nach Auskunft der Polizei am Morgen noch an. Zeitweise musste die Bundesstraße B64 teilweise gesperrt werden. Zwar sei die Fracht des Lasters umgeladen und der Sattelzug geborgen worden, teilte die Polizei mit. Der Zug habe sich aber zunächst noch nicht bewegen lassen, schilderte ein Polizeisprecher die Lage.
Bahnbetreiber Eurobahn rechnet eigenen Angaben zufolge mit einer Streckenfreigabe im Lauf des Vormittags. Zwischen Rheda-Widenbrück und Münster wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Die Höhe des Sachschadens ist noch unklar.