Panorama

"MSC Luciana" läuft auf GrundSchlepper retten Riesenfrachter

20.09.2011, 10:42 Uhr
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Festgefahren in der Westerschelde. (Foto: dpa)

Die Nordseeküste ist möglicherweise nur knapp einer Öl-Katastrophe am Eingang zum Ärmelkanal entkommen: Nach dramatischen Stunden inmitten einer stark befahrenen Wasserstraße kann eine Flotte von Schleppschiffen die "MSC Luciana" von ihrer unglücklichen Lage auf einer Sandbank befreien.

Vor der niederländischen Küste haben Schifffahrtsexperten ein auf Grund gelaufenes Containerschiff nach mehreren Bergungsversuchen wieder flott gemacht. Der Frachter sei zur Untersuchung in den nahe gelegenen belgischen Hafen Zeebrügge gebracht worden, sagte eine Sprecherin der Rettungskräfte.

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Der Bug liegt deutlich höher. (Foto: dpa)

Das Schiff war am Vortag in der vielbefahrenen Westerschelde auf Grund gelaufen. Nach Informationen von Vesseltracker.com waren zuvor Probleme mit dem Antrieb aufgetreten. Der an Bord befindliche Lotse habe noch versucht, das Schiff aus dem Fahrbereich zu manövrieren.

Ein erster Versuch, die 360 Meter lange und 46 Meter breite "MSC Luciana" zu befreien, war nach Behördenangaben zunächst fehlgeschlagen. Es wurde befürchtet, dass sich die Lage mit Einsetzen der Ebbe verschlechtern könnte. Eine Umweltgefährdung bestand den Angaben zufolge jedoch zunächst nicht. Der nahezu voll beladene Frachter mit dem Rufzeichen "3FTY3" saß offenbar mit der gesamten vorderen Rumpfpartie auf Grund auf. Für die weiteren Bergungsversuche mussten Kapitän und Einsatzkräfte die nächste Flut abwarten.

Gefährliche Gewässer in der Schelde-Mündung

Nach der erfolgreichen Bergung reagierten Beobachter erleichtert: Bei einer längeren Ruhezeit auf der Sandbank hätte durch die Gezeitenströmung die Gefahr von Unterspülungen bestanden. Schlimmstenfalls wäre dadurch das Heck weiter abgesackt, was zu einem größeren Bruch in der Schiffsstruktur hätte führen können. Dann wären wohl auch Verschmutzungen durch austretenden Treibstoff kaum noch zu vermeiden gewesen.

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Mehrere zehntausend PS Leistung setzen an. (Foto: dpa)

Die "MSC Luciana" fährt unter panamaischer Flagge und zählt mit einer Kapazität von mehr als 11.000 Standardcontainern (TEU) zu den größten Frachtern der Welt. Der Tiefgang beträgt rund 15 Meter. Eigner ist die Mediterranean Shipping Company (MSC) mit Sitz in Genf.

Um den riesige Containerfrachter zu befreien, mussten die zuständigen Behörden eine ganze Flotte von Hilfsschiffen zum Einsatzort auf dem Cadsand in der Nähe des Städtchens Vlissingen beordern. Insgesamt zehn Schlepper waren nötig, um die "Luciana" schließlich mit Hilfe der einsetzenden Flut aus dem Schlick zu bugsieren.

Die Westerschelde, ein breiter Meeresarm, ist eine der meistbefahrenen Schifffahrtsstraßen der Welt und verbindet Antwerpen mit der Nordsee. Das Navigieren dort wird durch zahlreiche, teilweise unter Wasser liegende Sandbanken und den großen Gezeitenunterschieden erschwert. Durch den Schlickeintrag der Schelde und dem Gezeitenstrom können sich die Untiefen in ihrer Lage und Ausdehnung verändern.

Quelle: mmo/AFP