Panorama

Winter beherrscht EuropaSchnee stürzt Paris ins Chaos

08.12.2010, 17:33 Uhr
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Winter in Paris. (Foto: Reuters)

Mehrere Menschen kommen durch Unwetter in ganz Europa ums Leben. In Freiburg wird ein Mann von Fluten mitgerissen, in Baden-Württemberg stürzt ein Mensch tödlich. In Paris sorgt der Winter für ein Verkehrschaos, der Eiffelturm muss schließen, tausende Passagiere sitzen an den Flughäfen fest.

Ungewöhnlich starker Schneefall hat im Großraum Paris zu chaotischen Szenen auf Straßen und Flughäfen geführt. Am Airport Roissy-Charles de Gaulle wurden für etwa anderthalb Stunden alle Flüge abgesagt, etwa hundert Starts mussten ausfallen. Von Orly, dem zweiten Flughafen in Paris, hob ebenfalls eine halbe Stunde lang kein Flugzeug ab, es folgten Verspätungen von bis zu zwei Stunden. Tausende Passagiere saßen fest.

Schnellzüge durften die Hauptstadt nur mit stark verminderter Geschwindigkeit anfahren, was ebenfalls zu Verspätungen führte. Nach Angaben des französischen Wetterdienstes fielen im Laufe des Tages elf Zentimeter Schnee, so viel wie seit dem Jahr 1987 nicht mehr. Im Pariser Umland brach der Busverkehr völlig zusammen, keine der 350 Buslinien fuhr nach Angaben der Betreiber mehr. Die Behörden verboten auch den Lkw-Verkehr auf den schneeglatten Straßen der Ile-de-France rund um Paris. Das französische Innenministerium setzte landesweit 5000 Polizisten und Soldaten zur Bewältigung des Chaos ein, davon allein 2000 in Paris und Umgebung.

Der Eiffelturm wurde geschlossen, weil der Besuch der schneeglatten Plattformen ohne Streusalz zu gefährlich war. Salz kann am Wahrzeichen der französischen Hauptstadt nicht eingesetzt werden, weil es das Eisen angreift. Im Dezember besuchen täglich rund 12.000 Menschen den 324 Meter hohen Turm.

Mehrere Tote in Europa

Auch im Rest Europas führten Schnee und Unwetter zu teils chaotischen Zuständen und Unfällen – mehrere Menschen kamen dabei ums Leben, auch in Deutschland. In Freiburg wurde ein Mann vom Hochwasser der Dreisam mitgerissen. Seit Dienstagabend sei er unauffindbar und sehr wahrscheinlich tot, teilte die Polizei mit. Zudem starb ein Mann auf eisglatter Fahrbahn in Baden-Württemberg. Der 85-Jährige stürzte in Leinzell und erlag seinen schweren Kopfverletzungen.

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Alles ruht: Wie hier in Plau am See frieren die Binnenseen und Boddengewässer in Norddeutschland langsam zu. (Foto: dapd)

In Deutschland führten Schnee und Glatteis zudem wieder zu etlichen Unfällen. In Thüringen stießen am Morgen ein Auto und ein Lastwagen im Schneematsch frontal zusammen. Dabei wurde ein 37-Jähriger so schwer verletzt, dass er später im Krankenhaus starb. Nahe Kirburg (Rheinland-Pfalz) starb eine Frau, die auf schneeglatter Straße mit ihrem Wagen verunglückte.

Autofahrer rettet Verletzten

Auch im Saarland und in Hessen behinderten Schnee und Regen am Mittwoch den Verkehr massiv. Am Frankfurter Flughafen gab es zahlreiche Verspätungen, einige Flüge wurden annulliert. In Leipzig brach am frühen Abend der Straßenbahnverkehr komplett zusammen. Wegen vereister Oberleitungen fuhr im gesamten Stadtgebiet seit 17.00 Uhr keine einzige Straßenbahn mehr.

In Oberfranken beschäftigten umgestürzte Bäume und überflutete Keller Polizei und Feuerwehr. Zahlreiche Straßen vor allem im Fichtelgebirge und in der Fränkischen Schweiz waren blockiert. In Nordrhein-Westfalen schneite es heftig. In Baden-Württemberg rettete ein Autofahrer einen 23-Jährigen. Der Mann war nach einer Zechtour auf dem Heimweg gestürzt und liegengeblieben. Der 24-jährige Autofahrer sah ihn und rief den Notarzt. Der 23-Jährige war stark unterkühlt und hatte bereits das Bewusstsein verloren.

Frieren in Schottland

In Schottland waren in der Nacht hunderte Autofahrer in ihren Wagen eingeschlossen, weil eis- und schneeglatte Straßen unpassierbar waren. Einige Straßen konnten zwar geräumt werden, auf vielen Autobahnen blieb die Situation jedoch unverändert. Schon am Dienstag war es zu ähnlichen Szenen gekommen, zudem waren etwa hundert Schüler, Eltern und Lehrer wegen der eisigen Temperaturen in einer Schule eingeschlossen.

In Portugal richtete ein Tornado im Zentrum des Landes schwere Verwüstungen an und löste unter den Bewohnern der betroffenen Orte eine Panik aus. Unter den Verletzten seien auch 19 Kinder, teilten die Behörden am Mittwoch in einer Bilanz mit. Der Sturm war am Dienstag 150 Kilometer nordöstlich von Lissabon über mehrere Gemeinden hinweggefegt. Mindestens 200 Häuser, zahlreiche Schulen, Hunderte Fahrzeuge und eine Fabrik wurden zerstört. Viele Menschen seien obdachlos geworden, aber die meisten seien von Angehörigen oder Nachbarn aufgenommen worden, teilte der Zivilschutz mit.

Viele Tote in Polen

Im Süden Spaniens in der Gegend von Ciudad Real riss der Fluss Alcudia, der nach heftigem Regen Hochwasser führte, einen Geländewagen mit drei Menschen mit. Ein neunjähriger Junge wurde tot geborgen. Sein Vater und ein 16-jähriger Bruder hatten sich in Sicherheit bringen können. In der Gegend von Jaén erschlug der Blitz einen Mann. In Andalusien traten mehrere Flüsse über die Ufer. Teile der Kleinstadt Ecija standen unter Wasser, 3000 Bewohner mussten ihre Wohnungen verlassen.

In Norditalien erschlug ein vom Sturm umgerissener Baum eine 43- jährige Polizistin. In der Region Emilia drohten Flüsse über die Ufer zu treten. In Polen stieg unterdessen die Zahl der Kältetoten auf 68 seit November. Allein in der ersten Dezemberwoche erfroren 53 Menschen, teilte die Polizei in Warschau mit.

Quelle: dpa/AFP