Rehabilitation plus FamilieSchumacher kämpft um kleine Fortschritte

Schon länger ist klar, dass Michael Schumacher nicht so schnell wieder gesund wird. Doch mit der Verlegung in die Schweiz beginnt eine neue Phase für den Formel 1-Star.
Michael Schumacher wird "seine lange Phase der Rehabilitation fortsetzen". Das ist alles, was Managerin Sabine Kehm dazu sagt, wie es um den 45-Jährigen steht. Schumacher ist nicht mehr im Koma, aber es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass er nach seiner schweren Schädelverletzung noch weit davon entfernt ist, der Michael Schumacher zu sein, den die Welt und seine Familie vor dem Skiunfall kannte.
Wahrscheinlich ist es ein Erfolg, dass der frühere Ausnahmeathlet nicht mehr auf Maschinen oder lebenserhaltende Maßnahmen angewiesen ist. Doch wenn man bedenkt, dass Schumacher am 29. Dezember beim Skifahren verunglückte und die Narkosemittel schon seit Januar reduziert wurden, lässt sich ahnen, wie schwierig die Genesung wird.
Komapatienten verlieren durch das monatelange Liegen sehr viel Gewicht. Dass der Körper Muskelmasse abbaut, die er scheinbar gerade nicht braucht, weiß jeder, der sich schon mal ein Bein gebrochen hat. Doch um wieder stehen, vielleicht sogar gehen zu können, wird es in der Rehabilitation darauf ankommen, möglichst viele Muskeln wieder aufzubauen.
Große Anstrengung
Schon als Schumacher noch im Koma lag, hatten die Ärzte mit Physiotherapie begonnen. So sollte Schumachers Körper beweglich gehalten und die Muskeln immer wieder angesprochen werden. Im Laufe der Zeit wird es darum gehen, die Muskulatur gemeinsam mit Schumacher zu aktivieren.
Schumacher reagiert offenbar auf Stimmen und auf Berührungen. Außerdem öffne er die Augen, vor allem, wenn seine Familie da ist. Sprechen könne Schumacher noch nicht, heißt es. Der Aufbau einer aktiven Kommunikation gilt als Voraussetzung für eine effektive Rehabilitation. So beschrieb es Dr. Friedrich Weber, Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie in Köln-Merheim, bei RTL. Der Euphorie, die nach der Nachricht zu spüren war, dass Schumacher nicht länger im Koma ist, verpasste der Experte einen Dämpfer. Die Genesungsphase könne sich über Monate hinziehen, so Weber. "Komplikationen können den Gesamtprozess verzögern."
Mit der Verlegung nach Lausanne ist Schumacher nun deutlich näher bei seiner Familie, die in Gland lebt. Der Rückhalt in der Familie, bei den vertrauten Menschen, gilt für die Genesung als gar nicht hoch genug einzuschätzender Faktor. Von Gland nach Lausanne dauert die Autofahrt nur noch eine halbe Stunde, das könnte den Ausschlag für die Reha im Universitätsklinik "Centre hospitalier universitaire vaudois" (CHUV) gegeben haben.
Konkrete Informationen zum Gesundheitszustand des siebenmaligen Weltmeisters wird es in den kommenden Wochen wohl kaum geben. Schumachers Managerin Sabine Kehm betont jedenfalls in ihrem kurzen Statement: "Für die Zukunft bitten wir um Verständnis, dass seine weitere Rehabilitation außerhalb der Öffentlichkeit erfolgen soll."
Nach dem Wirbel um Schumachers Verlegung veröffentlichte die Familie auf der Webseite des Formel 1-Stars nur zwei Sätze: "Wir möchten uns bei all den Menschen, die Michael Gutes wünschen, für ihre positive Energie bedanken. Wir sind sicher, dass ihm das bereits geholfen hat."