Panorama
Freitag, 28. August 2009

Messerattacke in Lübeck: Sieben Jahre Haft für 14 Stiche

Schon die Ehe war ein Martyrium, die selbst im Frauenhaus nicht endete: Weil ein Mann seiner Frau auflauerte und 14 Mal auf sie einstach, muss er nun sieben Jahre ins Gefängnis. "Er weint um sich selbst", kommentiert die Frau die Tränen ihres Ehemannes vor Gericht.

lübeck.jpgWegen einer Messerattacke auf seine Ehefrau muss ein Mann für sieben Jahre ins Gefängnis. Das Lübecker Landgericht verurteilte den 44-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung. Der Mann hatte nach Überzeugung des Gerichts seinem Opfer im Januar vor einem Lübecker Frauenhaus aufgelauert und mit einem großen Messer 14 Mal zugestochen. Die Frau, die sich nach siebenjähriger Ehe von ihm getrennt hatte, wurde lebensgefährlich verletzt und leidet noch immer unter den Folgen.

Der Angeklagte hatte die Tat vor Gericht als Streit geschildert, der eskaliert sei. Er habe seine Frau nicht töten wollen, hatte er erklärt. Das Gericht sah das anders: Der Angeklagte habe den Tod seiner Frau zumindest billigend in Kauf genommen, als er voller Wucht mit einem Messer auf sie einstach, sagte der Richter. Der Angeklagte habe nicht wahrhaben wollen, dass seine Frau einen Schlussstrich unter die Ehe gezogen hatte; er habe die Angelegenheit auf seine Weise regeln wollen.

Täter bricht vor Gericht in Tränen aus

Während der Urteilsverkündung brach der Angeklagte, wie schon während der zwölf Verhandlungstage zuvor, immer wieder in Tränen aus und raufte sich die Haare. "Er weint um sich selbst", hatte seine Frau dieses Verhalten bei ihrer Zeugenaussage vor Gericht kommentiert. Die 42-Jährige, die wie ihr Mann aus dem Kosovo stammt, hatte ihre Ehe mit dem Angeklagten als einziges Martyrium geschildert. Obwohl sie sich bemüht habe, ihrem Mann eine gute Ehefrau zu sein, habe er sie wegen Kleinigkeiten angeschrien und auch regelmäßig geschlagen, hatte sie ausgesagt.

Daher war sie im vergangenen November mit ihrer sechsjährigen Tochter aus ihrem Wohnort Scharnebeck in Niedersachsen zunächst in das Frauenhaus in Lüneburg und dann in ein Frauenhaus nach Lübeck gezogen. Dort hatte der Mann ihr an einem dämmrigen Januarnachmittag aufgelauert und sie von hinten angegriffen. Die Tochter, die den Angriff des Vaters auf die Mutter mit ansehen musste, war geistesgegenwärtig zum Frauenhaus gelaufen und hatte Hilfe geholt.

Mit dem Urteil blieb das Gericht knapp unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die siebeneinhalb Jahre Haft gefordert hatte. Die Verteidigung hatte vier Jahre Haft beantragt. Die Anwältin, die die Ehefrau als Nebenklägerin vertrat, hatte dagegen eine Verurteilung zu mindestens zehn Jahren Haft wegen versuchten Mordes verlangt.

Quelle: n-tv.de

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