Panorama

"Pate des Multikulturalismus" Stuart Hall ist tot

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Besonders Stuart Halls Arbeiten der 1970er Jahre werden als bahnbrechend angesehen (Bild: Hall im Jahr 2012).

(Foto: Promo / Media Ed)

Ob Gedanken zum Rassenbegriff, zu Gender und Identität, zu den Medien und der postmodernen Welt - Stuart Hall, der britische Sozialwissenschaftler, war Vorreiter für viele Forscher, Denker und Konflikte in der Politik. Nun ist der Brite gestorben.

Einer der einflussreichsten Forscher der westlichen Welt ist tot: Stuart Hall, der bekannte britische Sozialwissenschaftler, ist im Alter von 82 Jahren in London gestorben. Besonders bekannt ist Hall wegen seiner Beiträge zu den Cultural Studies. Er verstand Kultur nicht im Sinne einer elitären Ausprägung und des "Besten, was je gedacht und geschrieben wurde", sondern als etwas Gewöhnliches, das im Alltag geschieht.

Seine Betrachtungen bewegen sich zumeist im Bereich der Kultur, der Machtausübung und der Identität des Menschen. Dabei befasste er sich auch mit der Rolle der Medien in der Gesellschaft, wie sie Ereignisse darstellen und an Zuschauer, Hörer oder Leser weitergeben. Er sah das Publikum in seinem "Encoding-Decoding"-Modell nicht mehr als passive Masse, sondern als Personen, die Nachrichten individuell je nach kulturellen Voraussetzungen anders deuten und sich zunutze machen.

Konstruktion von Rasse und Geschlecht

Die Überlegungen des Farbigen Hall über den Rassenbegriff, Gender und Identität werden als bahnbrechend angesehen. So war er etwa überzeugt, dass Ethnie ein rein soziales Konstrukt ist. Mit soziologisch-philosophischen Gedanken zur Identität in der Postmoderne wurde er zu einem Vorreiter.

Hall verwendete den Begriff "Ethnizität" bewusst, um der politischen Rechten die Deutungshoheit zu entziehen. Die Medien sah er als Mitverursacher von Diskriminierung. Auch das machte ihn zum Vordenker der Neuen Linken.

Das Wort Ethnizität hat Hall zufolge nichts zu tun mit natürlichen Gegebenheiten, sondern dass "wir alle von einer bestimmten gesellschaftlichen Position aus sprechen, aus einer bestimmten Geschichte heraus, aus einer bestimmten Erfahrung, einer bestimmten Kultur". Darüber definiere sich die ethnische Identität des einzelnen Menschen.

Wohl auch daher kommt die Bezeichnung Halls als "Pate des Multikulturalismus".

Quelle: ntv.de, rpe

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