Nach 13 Tagen verdurstetTerri Schiavo ist tot
Die amerikanische Koma-Patientin Terri Schiavo ist tot. Sie starb im Woodside-Hospiz in Florida. Schiavo überlebte etwa 13 Tage ohne Zufuhr von Flüssigkeit oder Nahrungsmittel.
13 Tage nach Abbruch ihrer künstlichen Ernährung ist die amerikanische Komapatientin Terri Schiavo am Donnerstag in Florida gestorben. Der erbitterte Familienstreit um ihr Schicksal begleitete sie bis in den Tod: Ehemann Michael Schiavo war in den letzten Minuten an der Seite der 41-Jährigen, aber nicht die Eltern oder Geschwister der Frau.
Wie der Anwalt des Ehemanns, George Felos, mitteilte, kam es sogar noch kurz vor dem Tod zu einer Zuspitzung. Danach weigerte sich Terri Schiavos Bruder Bobby Schindler, der die Sterbende zusammen mit seiner Schwester noch am Donnerstagmorgen besucht hatte, das Krankenzimmer im Hospiz in Pinellas Park zu verlassen. Felos deutete an, dass es dabei zu einer Konfrontation zwischen dem jungen Mann und einem Polizisten kam. Der Anwalt stellte zudem klar, dass sich die Eltern zum Zeitpunkt des Todes nicht in der Nähe des Hospizes aufgehalten hätten. Den Tod von Terri Schiavo schilderte er als "friedlich, ruhig und sanft". Sie sei in Würde gestorben, so, wie es ihren Wünschen entsprochen habe, und darum sei es Michael Schiavo auch einzig und allein gegangen.
Kurz nach dem Ableben hatte der Geistliche und rechtskonservative Aktivist Frank Pavone, ein Freund der Schindlers, erklärt, Michael Schiavo habe es den Eltern verwehrt, rechtzeitig von ihrer Tochter Abschied zu nehmen. Mutter und Vater hätten Terri erst nach dem Ableben umarmen dürfen. Dies sei der "Gipfel herzloser Grausamkeit", sagte Pavone, der das Sterben zugleich als "Mord" bezeichnete.
US-Präsident George W. Bush und sein Bruder, Floridas Gouverneur Jeb Bush, die für das Leben der Kranken gekämpft hatten, sprachen den Angehörigen der Toten ihr Beileid aus. Die Gesellschaft müsse darauf hinarbeiten, diejenigen zu schützen, die der Gnade anderer ausgeliefert seien, sagte der Präsident in Anspielung auf Michael Schiavo. Jeb Bush erklärte, der Kampf der Eltern sei nicht vergeblich gewesen: Er habe die Frage von Leben und Tod stärker ins Bewusstsein der Menschen gerückt. Im Abgeordnetenhaus von Florida wurde nach Bekanntwerden des Todes eine Schweigeminute eingelegt.
Der Führer der republikanischen Mehrheit im US-Abgeordnetenhaus, Tom DeLay, nannte Schiavos Tod ein "moralisches Armutszeugnis und eine rechtliche Tragödie". Terri Schiavo sei gestorben, "weil unserer Rechtssystem die Menschen nicht geschützt hat, die unseren Schutz am meisten brauchen, und das wird sich ändern."
Terri Schiavo hatte seit 1990 in einem Wachkoma gelegen. Seit 1998 bemühte sich Michael Schiavo darum, seine Frau sterben zu lassen, während sich die Eltern verzweifelt dagegen wehrten. Am 18. März war schließlich auf Wunsch des Ehemannes der Nahrungsschlauch aus dem Magen entfernt worden, der Terri Schiavo all die Jahre lang am Leben erhalten hatte.
Noch am frühen Donnerstagmorgen hatten Mutter und Vater ihren Schwiegersohn über einen Sprecher aufgefordert, ihnen zu gestatten, die letzten Stunden bei ihrer Tochter zu sein. Die Eltern äußerten sich nach dem Tod zunächst nicht persönlich. Sie wollten erst "etwas Zeit zum Trauern", sagte ihr Anwalt David Gibbs. "Es ist ein unheimlich schwerer Tag für sie." Das Fernsehen zeigte Bilder der Eltern beim Verlassen des Hospizes: eine weinende Mutter und einen völlig erschöpft und betäubt aussehenden Vater. Auch Michael Schiavo, der seit dem 18. März im Hospiz gewohnt hatte, weinte nach Schilderungen, als er seinen Angehörigen und Freunden telefonisch die Nachricht vom Tod seiner Frau übermittelte.
Die Eltern hatten bis zuletzt darauf beharrt, dass ihre Tochter nicht so schwer hirngeschädigt sei, wie von der Gegenseite behauptet. Sie sei bei Bewusstsein, und ihr Zustand könne sich durch geeignete Therapie verbessern. Dem hatten allerdings neben Michael Schiavo auch zahlreiche unabhängige Gutachter widersprochen.
Der Ehemann argumentierte, seine Frau habe ihm vor ihrer Erkrankung gesagt, sie wolle im Fall eines Siechtums nicht künstlich am Leben erhalten werden. Freunde stützten seine Version.
Terri Schiavo hatte 1990 im Alter von 26 Jahren plötzlich einen Herzanfall erlitten. Ihr Gehirn war Minuten lang ohne Sauerstoffversorgung. Die meisten Ärzte kamen im Laufe der Zeit zur Überzeugung, dass die junge Frau an einer Essstörung litt, die zu einem extremen Kaliummangel und als Folge dann zur Herzattacke führte.