Panorama

Unsichere WirtschaftszukunftTourismusbranche rüstet sich

16.11.2008, 08:00 Uhr

2009 wird ein schwieriges Jahr, auch für die Tourismusbranche. Die Reiseanbieter erwarten nur ein seichtes Plus, wollen aber keine Abstriche an der Profitabilität machen.

Die Unsicherheit ist groß. Konjunkturabschwung, Finanzkrise und Bankencrashs stellen die Reisewirtschaft vor neue Herausforderungen. Niemand weiß genau, wie sich das Geschäft mit Sommer, Sonne und Erholung im nächsten Jahr entwickeln wird. Doch trotz der ungewissen Zukunft demonstriert die Branche Zuversicht. Die Turbulenzen nutzen, um Neues zu wagen, war die Botschaft des Deutschen ReiseVerbandes (DRV) bei seiner Jahrestagung in Budapest. Dabei könnten auch die Reisebüros wieder stärker punkten, Vertrauen und Sicherheit vermitteln in einer Zeit der großen Verunsicherung. Und wieder einmal ist von einer Renaissance der so oft totgesagten Pauschalreise die Rede - ganz nach dem Motto "Da weiß man, was man hat".

Unbestritten ist, dass es ein schwieriges Jahr 2009 werden wird. Die Gästezahlen werden aller Voraussicht nach schrumpfen. Und wenn die Reiseindustrie nicht auf ihrem Angebot sitzen bleiben oder es am Schluss zu Schleuderpreisen auf den Markt werfen will, muss sie darauf reagieren. Kontraproduktiv dürften in dieser Lage die Preiserhöhungen zwischen vier und sieben Prozent wirken, die alle großen Veranstalter angekündigt haben. Steigende Energie- und Lebenshaltungskosten verteuerten Transporte ebenso wie Hotelzimmer, heißt es zur Begründung.

Branche macht sich selber Mut

Vorerst aber zeigen sich die Urlaubsanbieter optimistisch, dass es sie nicht allzu schwer trifft. Die Branche macht sich selber Mut. Die Urlaubsreise sei das letzte, an dem ein Haushalt spare, sagt Thomas Middelhoff, Chef des Handels- und Touristikkonzerns Arcandor, zu dem Thomas Cook mit der Hauptmarke Neckermann-Reisen gehört. Die Präferenzen der Kunden würden monatlich abgefragt und dieses Ergebnis sei bis zuletzt bestätigt worden.

"Wir werden mit der Krise fertig werden, auch ohne Abstriche an der Profitabilität machen zu müssen", ist Middelhoff überzeugt. In der Touristik lasse sich immer noch gutes Geld verdienen, auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten. Voraussetzung sei aber eine intelligente und präzise Steuerung der angebotenen Kapazitäten.

Teure Reisen laufen besser

Branchenprimus TUI setzt darüber hinaus auf eine vergleichsweise kaufkräftige Kundschaft, die in der Krise nicht so schnell und existenziell betroffen sei wie andere. Deshalb macht der Konzern bisher auch keine Abstriche bei den Erwartungen für das jüngste Baby: das TUI-Cruises-Schiff, das im Mai 2009 in See stechen soll. Auch andere hochpreisige Urlaubsangebote bei der TUI laufen gut, holten zuletzt zweistellige Zuwächse.

TUI-Chef Michael Frenzel verweist zudem auf die lukrative Hotelsparte. Die Geschäftsmodelle müssten weiterentwickelt werden. Große Chancen sieht Frenzel dabei in außereuropäischen Reisemärkten, vor allem in Russland, aber auch in Indien oder Brasilien. "Das große Wachstum findet außerhalb Europas statt", sagt er. "Die eigentliche Herausforderung für die Branche ist, global zu werden."

Schwaches Plus erwartet

DRV-Präsident Klaus Laepple erwartet für die Branche 2009 nur noch ein "seichtes Plus". Genauere Prognosen seien kaum möglich. Die Verunsicherung bei den Konsumenten sei groß. Und von der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung könne sich auch die Ferienindustrie nicht abkoppeln. Laepple zeigt sich zwar zuversichtlich, spricht von stabiler Nachfrage beim organisierten Urlaub. Aber ob eine zweite oder dritte Reise neben dem Haupturlaub auch im wirtschaftlichen Abschwung noch unternommen werde, sei fraglich.

Damit aber würde ein wichtiges Wachstumsfeld der Branche getroffen. Denn die Städtereise am Wochenende, die Wellness-Woche zwischendurch oder der Kurzurlaub zum Sonnetanken und Verschnaufen haben wie wenig andere Trends die Kassen in der Vergangenheit zusätzlich klingeln lassen.

Eva Tasche, dpa