Panorama

Akute Lawinengefahr in den AlpenTragödie am Montblanc

10.01.2012, 13:04 Uhr
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Langläufer und Spaziergänger spazieren in Oberstdorf durch den Schnee. (Foto: dpa)

Viele Gemeinden in den Alpen sind besorgt. Der Grund: Immer wieder lösen sich Lawinen selbst aus. Etliche Straßen und Winterwanderwege in Bayern sind gesperrt, ebenso zwei Grenzübergänge nach Österreich. In Tirol sind nach wie vor mehrere Skiorte nicht erreichbar. Ein Paar am Montblanc, das kurz vor Silvester zum Gipfel aufgebrochen war, kann nur noch tot geborgen werden.

In den bayerischen herrscht weiterhin große Lawinengefahr. Nicht mehr für die Höhenlagen, sondern für Lagen unterhalb von 1800 Metern gab der Lawinenwarndienst Bayern vom Allgäu bis nach Garmisch-Partenkirchen sowie in den Berchtesgadener Alpen die Gefahrenstufe vier auf der fünfstufigen Skala aus. Auch im übrigen bayerischen Alpenraum und oberhalb der Waldgrenze ist die Lawinengefahr noch erheblich (Stufe drei).

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In Bayern wird vor Lawinen gewarnt. (Foto: dapd)

Der Grund: Durch Regen und Temperaturanstieg kommt Bewegung in die Schneedecke. Dadurch steigt nach Angaben des Lawinenwarndienstes im Lauf der Zeit die Gefahr von Selbstauslösungen auch größerer Lawinen in steilem und triebschneebeladenem Gelände. Davon könnten auch hangnahe Verkehrswege und Wanderwege betroffen sein.

In Oberstdorf, Mittenwald, Lenggries, Schliersee und Reit im Winkl sind bereits einige Straßen und Winterwanderwege wegen akuter Lawinengefahr gesperrt. Auch für Mittwoch rechnen die Experten noch mit vielen Lawinen.

Wegen der Lawinengefahr blieben zwei Grenzübergänge nach Österreich gesperrt. Das betraf die Bundesstraße B 2 bei Scharnitz und die Bundesstraße zwischen Lenggries und Achenpass.

Entspannung in Österreich

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Ein Hubschrauber der österreichischen Armee befreit Bäume von Schnee. (Foto: dpa)

In den österreichischen Alpen entspannt sich indes die Lage wieder. Die Lawinengefahr wurde in vielen Gebieten von der zweithöchsten Warnstufe vier auf drei herabgesetzt. Weiterhin waren aber viele Straßen und Zugstrecken im Westen Österreichs wegen umgestürzter Bäume oder Lawinengefahr gesperrt.

Die bekannten Skiorte Ischgl und Galtür in Tirol sind wegen der Gefahr abrutschender Schneemassen weiterhin nicht erreichbar. In Kürze soll entschieden werden, ob die Straße dorthin wieder freigegeben wird. Im kleinen Bundesland Vorarlberg ganz im Westen Österreichs sind inzwischen wieder alle Orte zugänglich. Experten des Lawinenwarndienstes warnten Skifahrer vor der Gefahr. In sehr steilem Gelände könnten Lawinen bereits durch geringe Belastung ausgelöst werden.

Erneut sind viele Alpenpässe für den Verkehr gesperrt worden. Inzwischen sind 53 der rund 200 meist befahrenen Passstraßen nicht nutzbar. Damit ist jede vierte Alpenquerung wegen Tiefschnees geschlossen. In der vergangenen Woche lag die Zahl noch bei 44 Pässen.

Im Zelt erfroren

Im französischen Montblanc-Massiv wurde indes ein russisches Paar, das seit Tagen vermisst wurde, tot aufgefunden. Die Bergwacht entdeckte die Leichen der beiden erfahrenen Bergsteiger erfroren in einem Zelt neben der Haltestelle des kleinen Zugs, der Alpinisten zum Ausgangspunkt für den Aufstieg zum Montblanc bringt. Die beiden hatten eine erste Etappe bis zu dem Gebirgsbahnhof in 2300 Metern Höhe zu Fuß bewältigt, da der Zug im Winter nicht fährt.

Das Ehepaar war an Heiligabend in Chamonix eingetroffen. Am 29. Dezember wurden sie an der Seilbahnstation Bellevue zum letzten Mal gesehen, als sie sich auf den Weg zum 4810 Meter hohen Gipfel des Montblanc machten. Die etwa 30 Jahre alten Bergsteiger, die bereits 2010 den höchsten Berg Europas bezwungen hatten, brachen trotz den Warnungen der Bergwacht vor Lawinen und starken Schneefällen auf. Rettungsteams begannen erst am Samstag mit der Suche nach den beiden, nachdem Familienangehörige in Russland sie als vermisst gemeldet hatten.

Quelle: dpa/AFP