Panorama

Mississippi-BrückeUngehörte Warnungen

03.08.2007, 06:49 Uhr

Einen Tag nach dem Brückeneinsturz in Minneapolis werden Bedenken über die Sicherheitsvorkehrungen laut. Offenbar gab es schon 1990 Zweifel hinsichtlich der großen Spannweite der Brücke über den Mississippi.

Einen Tag nach dem katastrophalen Brückeneinsturz in Minnsota sind Bedenken über die Einhaltung der notwendigen Sicherheitsvorkehrungen laut geworden. Wie bekannt wurde, gab es schon 1990 Bedenken hinsichtlich der großen Spannweite der Brücke über den Mississippi. Die Ingenieure hätten jedoch letztlich der Konstruktion vertraut. Nun sollen alle Brücken in den USA verstärkt auf ihre Sicherheit überprüft werden.

Verkehrsministerin Mary Peters unterzeichnete eine entsprechende Anordnung an die zuständigen Behörden der einzelnen US-Staaten. Vor allem Brücken eines ähnlichen Konstruktionstyps wie die eingestürzte Brücke zwischen Minneapolis und St. Paul sollen inspiziert werden. Einem Ministeriumssprecher zufolge gibt es davon in den USA 756. Die Bundesbehörde für die Verwaltung von Schnellstraßen kam in einem Bericht aus dem Jahre 2006 allerdings zu dem Schluss, dass von den rund 600.000 Brücken im ganzen Land 75.422 gewisse Strukturmängel aufwiesen.

Weniger Tote als befürchtet

Die Zahl der Opfer des Unglücks wird vermutlich deutlich niedriger sein als zunächst befürchtet. Am Donnerstagabend hatten Taucher den Polizeiangaben zufolge den fünften Toten geborgen. Es würden aber nur noch acht Menschen vermisst - ursprünglich war von 30 Vermissten die Rede. Der Einsatz der Taucher von Polizei und Militär werde vermutlich noch das ganze Wochenende dauern, berichtete ein Polizeisprecher. Die Suche nach weiteren Opfern gestalte sich als sehr schwierig, weil das Wasser des Mississippi sehr trüb sei und es zudem eine heftige Strömung gebe. Die Zahl der Verletzten wurde mit 79 angegeben. Es kann nach Angaben von Sheriff Richard Stanek noch Tage dauern, bis es Klarheit über die Zahl der Opfer gibt.

Über die Ursache des Unglücks herrschte noch immer Unklarheit. US-Verkehrsministerin Mary Peters bestätigte, dass die 40 Jahre alte Brücke bei einer Inspektion 2005 als "strukturell mangelhaft" eingestuft worden sei. Das habe aber nicht bedeutet, dass das Bauwerk unsicher gewesen sei, sagte die Ministerin.

Untersuchung statt Reparatur

Auf einer Skala von eins bis 100 landete die nunmehr eingestürzte Brücke in puncto strukturelle Stabilität auf Platz 50. Laut Ministerin Peters bedeutet dies allerdings nicht, dass die Brücke als grundsätzlich unsicher galt und nicht mehr hätte befahren werden sollen. Der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow, betonte allerdings, dass der Staat Minnesota für eine Behebung der bei der Inspektion festgestellten Mängel verpflichtet gewesen sei.

Die Verkehrsbehörden Minnesotas haben nach einem Bericht der Regionalzeitung "Star Tribune" bereits im vergangenen Winter erwogen, Stahlplatten an die Brücke zu schrauben, um Risse in den brüchigen Materialien zu verhindern. Die Behörden hatten sich dann aber für weitere Untersuchungen anstatt für sofortige Reparaturen entschieden.

Am Mittwochabend war die Autobahnbrücke im abendlichen Berufsverkehr eingestürzt. Etwa 100 Fahrzeuge und acht Bauarbeiter wurden mitgerissen. Rund die Hälfte der Autos versank im Fluss, die anderen Fahrzeuge blieben zum Teil beschädigt auf Brückentrümmern im Fluss stehen. Dazu zählte ein Schulbus mit rund 60 Kindern im Alter zwischen fünf und 14 Jahren, von denen die meisten aber unversehrt aus dem Fahrzeug gerettet werden konnten.