Panorama
Mittwoch, 26. Dezember 2007

Sarkozys "Reality-Show": Urlaub auf Milliardärskosten

Offenes Hemd, schwarze Sonnenbrille und glitzernde Rolex: Betont lässig posiert Nicolas Sarkozy in Ägypten mit seiner neuen Eroberung Carla Bruni vor den Fotografen. In Anspielung auf die Rapper, die mit ihren glitzernden schweren Goldketten und schönen Geliebten ihren Reichtum zur Schau stellen, nennt ihn die Zeitung "Libration" den "Bling-Bling-Präsidenten". Bis zum Sommer hatte Sarkozy noch öffentlich seiner Frau Ccilia ewige Liebe geschworen. Doch seit das Ex-Model ihn sitzen ließ, umgibt Sarkozy sich wie ein Latin Lover mit schönen Frauen. Im fernen Frankreich kommt indes selbst in den Reihen von Sarkozys Partei Kritik am Stil des Präsidenten auf.

Im Sommer ließ Sarkozy sich im Urlaub mit nacktem Oberkörper neben der leicht bekleideten Justizministerin Rachida Dati fotografieren. Dann erstritt die fotogene TV-Journalistin Laurence Ferrari nach Berichten über eine angebliche Liaison mit Sarkozy eine Entschädigung. Die Gerüchte über Sarkozys Affären nahmen kein Ende - bis Carla kam, und die Klatschzeitschriften in Sonderseiten über jedes Detail berichteten.

Irritationen über Sarkozys Stil

In einer Umfrage erklärten zu Weihnachten 89 Prozent der Franzosen, Sarkozys Idylle mit der Sängerin Bruni sei sein Privatvergnügen. Allerdings mehren sich bis tief in die Reihen von Sarkozys konservativer Partei UMP hinein die Irritationen über dessen Stil, der den Starregisseur Claude Chabrol "an Reality-Shows im Fernsehen erinnert". Sarkozy mache die Politik zum Fernsehereignis, kritisiert Franois Goulard, der als Forschungsminister lange neben Sarkozy im Kabinett gesessen hat. "Alle Präsidenten (zuvor) waren kultiviert, selbst Chirac."

Die Opposition kritisiert zudem, dass Sarkozy sich sein eigenes Präsidentengehalt fast verdreifachte und dann schamlos auf Kosten von Milliardären Urlaub mache. Nach Luxor flogen Sarkozy, Bruni und Begleitung in einer Falcon 900 des französischen Multi-Unternehmers Vincent Bollor. Schon nach seinem Wahlsieg war Sarkozy mit Bollors Privatjet nach Malta geflogen, um auf Bollors Privatjacht ein paar Tage auszuspannen - damals noch mit Ccilia. In Scharm el Scheich residiert Sarkozy in der Privatvilla des Scheichs von Abu Dhabi. Auch zu seinem Sommerurlaub in Wolfeboro (USA) hatte Sarkozy sich einladen lassen: von Agns Cromback, der Präsidentin des Juweliers Tiffany-France, und Mathilde Agostinelli, der PR-Chefin von Prada France.

Franzosen von Alltagssorgen ablenken

Der lysepalast erklärt kurz angebunden, Sarkozys Privatleben gehe niemanden etwas an. "Wenn der Präsident sich in die Lage bringt, von der Gunst von Milliardären abhängig zu sein, gibt es zwangsläufig eine Gegenleistung", hält der sozialistische Abgeordnete Arnaud Montebourg dagegen. Bollor baut neben seinem Afrikageschäft derzeit ein Medienimperium rund um eine Werbeagentur, ein Meinungsforschungsinstitut, Zeitungen und einen TV-Sender auf. Jetzt will er den französischen Dienst der US-Nachrichtenagentur AP übernehmen. Und der Herrscher von Abu Dhabi will sich am Bau von Airbus-Flugzeugen beteiligen und braucht dazu die Zustimmung von Paris.

Andere Kritiker meinen, die "Sarko-Show" solle einfach die Franzosen von ihren Alltagssorgen ablenken. Denn der als "Kaufkraft- Präsident" angetretene Sarkozy musste jüngst angesichts leerer Kassen erklären, er sei nicht der Weihnachtsmann. Wichtiger als die Aktivität sei am Sarkozysmus der Aktivismus, der niemandem Zeit lasse, sich umzudrehen und zu schauen, was aus den ganzen Ankündigungen geworden ist, analysiert die Zeitschrift "Canard enchain"

Von Hans-Hermann Nikolei, dpa

Quelle: n-tv.de