Keine Belohnung für StradivariV-Mann scheitert mit Forderungen
Es war ein spektakulärer Diebstahl: Vom Rittergut Bennigsen bei Hannover wurde eine wertvolle Stradivari-Geige geraubt. Ein auch als V-Mann für die Polizei arbeitender Mann beschafft sie und fordert eine Belohnung von der Polizei. Das Landgericht Hannover lehnt ab.
Ein V-Mann der Polizei hatte 30 Jahre lang gestohlenes Diebesgut erfolgreich wiederbeschafft. Sein letzter Coup war besonders spektakulär: Er fädelte den Verkauf einer vom Rittergut Bennigsen bei Hannover gestohlenen wertvollen Stradivari-Geige ein. Das für 1,5 Millionen Euro versicherte Instrument wurde sichergestellt, die Täter festgenommen. Von der Versicherung erhielt er dafür 160.000 Euro. Jetzt scheiterte der Mann mit seiner Forderung, von der Polizei zusätzlich 150.000 Euro für seine Dienste zu bekommen. Das Landgericht Hannover wies die Klage ab.
"Einen Anspruch auf Belohnung gibt es nur dann, wenn eine konkrete Absprache getroffen wurde. Dies war hier nicht der Fall", begründete ein Gerichtssprecher die Entscheidung der 3. Zivilkammer. Weder die Polizei noch der Kläger waren zu der Verkündung erschienen.
Der Mann, der weder seinen Namen noch sein Alter nennen will, hatte sich auf eine Tarifordnung zur Bezahlung von V-Leuten berufen. Danach hätten ihm fünf Prozent des Wertes der Geige zugestanden. "Ich habe nie eine Belohnung gefordert, aber ich bin hinterher immer entlohnt worden", hatte der Mann zum Prozessauftakt gesagt. Die Richtlinie für V-Männer regele nur die Höhe der Belohnung, betonte der Gerichtssprecher. Da es aber keine Vereinbarung zwischen der Polizei und dem Kontaktmann gab, stelle sich diese Frage nicht.
Ermittler boten Scheingeschäft an
Beim dem Raubzug waren im Oktober 2008 aus dem Rittergut neben der Stradivari ein Ölgemälde, alte Familienorden, Schmuck und eine weitere Geige gestohlen worden. Monate später boten sich die Ermittler über das Internet als Ansprechpartner an - für alle, denen das Instrument möglicherweise zum Kauf angeboten würde. Der jetzige Kläger meldete sich und bot seine Hilfe an. Die Ermittler bereiteten ein Scheingeschäft vor, insgesamt wurden 500.000 Euro für die gesamte Beute geboten. Bei der Übergabe griffen die Beamten zu, als zwei Männer in Hannover das Diebesgut in einen Transporter verstauen wollten.
Schlossherr Roderic von Bennigsen ist Cellist und Dirigent. Seine Ehefrau hatte die Geige aus dem Jahr 1721 gespielt. Die Instrumente des italienischen Geigenbauers Antonio Giacomo Stradivari haben einen unvergleichlichen Klang.