Panorama

Flucht vor Zwangsheirat? Vermisste Berlinerin in Pakistan gefunden

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Menschenrechtler beklagen noch immer zahlreiche Zwangsheiraten in Pakistan.

(Foto: REUTERS)

Tagelang ist eine 19-Jährige in Pakistan verschwunden. Die Familie meldet sie als vermisst. Doch womöglich ist die junge Frau, die in Berlin zu Hause ist, auf der Flucht, weil sie gegen ihren Willen heiraten soll.

Knapp eine Woche nach ihrem Verschwinden ist eine junge Frau aus Deutschland in Pakistan wiedergefunden worden. Die 19-Jährige sei am späten Samstag im rund 300 Kilometer entfernten Lahore entdeckt worden, sagte die Polizei aus Islamabad. Ihre Familie hatte der Polizei am vergangenen Sonntag in Islamabad gesagt, die junge Frau sei entführt worden.

Sie sei in Begleitung eines jungen Mannes gewesen, der festgenommen wurde, erklärte Tanveer Magsi von der Polizei Islamabad. Auch die junge Frau befindet sich demnach in Gewahrsam, da sich die Polizei laut Magsi um ihre Sicherheit sorge. "Der Ausgang dieses Falls hängt von der Aussage des Mädchens ab", sagte er. Die junge Frau dürfe wählen, ob sie in die deutsche Botschaft oder zum Wohnsitz ihres Onkels in Islamabad gebracht werden solle. Nach einem Bericht der Berliner BZ war der Fall der Deutschen Botschaft bereits bekannt.

Die Polizei vermutet, dass sie nicht entführt wurde, sondern selbst geflüchtet sein könnte, um einer möglichen Zwangsverheiratung mit einem Cousin zu entfliehen. Sie hatte unter anderem ihren deutschen Pass bei sich.

Die 19-Jährige hat nach Polizeiangaben die deutsche Staatsbürgerschaft und lebte in den vergangenen drei Jahren bei Verwandten in Pakistan. Ihre aus dem Land stammenden Eltern leben demnach in Berlin.

In Pakistan gibt es immer wieder Berichte über Eltern, die von den USA oder Europa aus ihre Töchter zur Heirat gegen deren Willen in das vorwiegend muslimische Land schicken, wie Aktivistin Rakhshinda Perveen berichtet. 2018 hatte der Mord an einer italienischen Frau durch ihren pakistanischen Vater und Verwandte international Empörung ausgelöst.

Quelle: n-tv.de, sba/dpa

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