Panorama

Zwei Drittel unzufrieden Vertrauen in den Staat sinkt auf historisches Tief

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Nur noch 29 Prozent der Deutschen sind der Meinung, der Staat könne seine Aufgaben erfüllen, ergibt eine Umfrage des Deutschen Beamtenbundes.

(Foto: IMAGO/Sven Simon)

Energieversorgung, Klimaschutz, Rente: Während zu Beginn der Pandemie noch mehr als die Hälfte der Deutschen an die Handlungsfähigkeit ihres Staates glaubt, bröckelt dieses Vertrauen laut einer Umfrage zunehmend. Besonderes Ansehen genießt hingegen wie im Vorjahr ein bestimmter Berufszweig.

Das Vertrauen in den Staat ist einer Umfrage zufolge auf einem historischen Tiefstand. Wie der Deutsche Beamtenbund mitteilte, sind nur noch 29 Prozent der Befragten der Meinung, der Staat sei handlungsfähig und könne seine Aufgaben erfüllen. Das ist ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, als noch 45 Prozent in die Handlungsfähigkeit des Staats vertrauten.

Im Sommer 2020 - nach den ersten Monaten der Coronapandemie - war es mit 56 Prozent sogar mehr als die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger. Zwei Drittel oder 66 Prozent der Umfrageteilnehmer meinen aktuell, dass der Staat überfordert sei. Noch häufiger als der Durchschnitt aller Befragten vertreten die Anhänger der Linkspartei, der FDP und insbesondere der AfD diese Ansicht.

17 Prozent derjenigen, die den Staat für überfordert halten, sehen dies der Befragung zufolge vor allem bei der Bereitstellung einer sicheren und bezahlbaren Energieversorgung so. 15 Prozent empfinden den Staat beim Klima- und Umweltschutz, 13 Prozent im Bereich der Schul- und Bildungspolitik und zwölf Prozent bei den sozialen Sicherungssystemen beziehungsweise der Rente als überfordert.

Abgefragt wurde auch die Meinung zur Leistungsfähigkeit des öffentlichen Diensts. Nur wenige Befragte - 13 Prozent - glauben demnach, dass diese im Vergleich zu den zurückliegenden Jahren zunahm. Deutlich größer wurde mit 46 Prozent der Anteil der Bürgerinnen und Bürger, die glauben, sie sei geringer geworden. Im vergangenen Jahr waren nur 38 Prozent dieser Meinung gewesen. 33 Prozent sehen hingegen keine Veränderung bei der Leistungsfähigkeit. Dass diese abnahm, meinen laut Umfrage in überdurchschnittlichem Maß die Anhängerinnen und Anhänger der AfD. Diese finden zudem überdurchschnittlich häufig, dass der öffentliche Dienst zu viel Geld kostet.

Feuerwehrleute und Ärzte beliebt

Für die Erhebung befragte das Institut Forsa im Juli mehr als 2000 Bürgerinnen und Bürger online und repräsentativ. Erhoben wurde außerdem, welches Ansehen einzelne Berufsgruppen in der Bevölkerung genießen. Das Ranking führen wie im Vorjahr Feuerwehrleute an - sie haben bei 93 Prozent der Befragten ein hohes oder sehr hohes Ansehen. Es folgen Krankenpflegerinnen und -pfleger mit 88 Prozent, Ärztinnen und Ärzte mit 86 Prozent sowie das Personal in der Altenpflege mit 85 Prozent. Beamtinnen und Beamten haben der Umfrage zufolge derzeit bei 31 Prozent der Befragten ein hohes Ansehen.

Die geringste Wertschätzung erfahren, wie bereits in den vergangenen Jahren, Mitarbeiter von Telefongesellschaften mit zwölf Prozent, das Personal von Werbeagenturen mit acht Prozent sowie Versicherungsvertreter mit sieben Prozent. "Einmal mehr zeigen die Zahlen, dass die Bürgerinnen und Bürger grundsätzlich zwischen ausbleibender beziehungsweise schlechter politischer Führung auf der einen Seite und engagierten Menschen im öffentlichen Dienst auf der anderen Seite unterscheiden", erklärte der DBB-Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach. So seien unter den beliebtesten Berufsgruppen ganz überwiegend Jobs aus der Daseinsvorsorge vertreten.

Quelle: ntv.de, lno/AFP

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