Panorama

Kritik des NabuWal-Rettung beginnt von vorn - neues Konzept erforderlich

22.04.2026, 20:59 Uhr
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Helfer-sind-direkt-am-festliegenden-Buckelwal-vor-der-Insel-Poel-im-Einsatz-Der-bei-Wismar-vor-drei-Wochen-gestrandete-Buckelwal-liegt-weiterhin-auf-einer-Sandbank-fest-Eine-private-Initiative-versucht-seit-Tagen-den-Wal-zu-retten
Die Helfer schauen, der Wal erträgt es. (Foto: picture alliance/dpa)

Alles zurück auf Anfang? Ein Anheben des gestrandeten Wals ist offenbar vom Tisch. Das Konzept muss überarbeitet werden. Denn: Das Tier wolle und könne schwimmen, fasst Minister Backhaus zusammen.

Im Drama um den Buckelwal vor der Ostseeinsel Poel hält die private Hilfsinitiative trotz Kritik und Rückschlägen an der geplanten Rettung des Tiers fest. Es gebe die "reale Chance", es zu befreien, sagte der federführend an der Rettung beteiligte Walschutzaktivist und Ratgeber-Autor Sergio Bambaren auf Poel. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus zufolge wird das Rettungskonzept derzeit überarbeitet. "Wer nichts macht, macht auch keine Fehler", sagte er. "Aber wir können gemeinsam sagen: Wir haben es versucht. Und der Versuch macht klug." 

"Diese Rettung ist so schwierig, dass wir jeden Tag so nehmen müssen, wie er kommt", sagte Bambaren. Seiner Auffassung nach habe der Wal eine Überlebenschance von "50 zu 50". Zur Rettung benötigte Pontons stünden weiterhin ebenso bereit wie Schiffe für den Schleppverband. Experten, Tierärzte und Ingenieure würden immer wieder alles beraten. Das Tier sei inzwischen wieder stabilisiert worden, sagte der Vertreter der von den Behörden geduldeten Rettungsinitiative. Laut deren ursprünglichem Konzept sollte der seit etwa drei Wochen in einer flachen Bucht bei Poel festliegende Wal mit einem System aus Luftkissen und Pontons angehoben und in die Nordsee geschleppt werden.

Backhaus zufolge ist dieses Konzept nach dem erneuten Freischwimmen und Stranden des Meeressäugers jedoch "nicht mehr aktuell". Das Tier habe gezeigt, dass er schwimmen wolle und könne. "Wir brauchen jetzt einen neuen Plan. Daran wird gearbeitet", betonte der SPD-Minister. Die Zusammenarbeit mit der Initiative laufe gut, diese habe weiterhin Rückendeckung. "Wir dulden alles, was möglich ist." Tierschutz und Sicherheit der Helfer müssten beachtet werden.

Derweil reißt die Kritik an der Aktion nicht ab. Der Wal scheine "zu geschwächt und krank", erklärte die Umweltschutzorganisation Nabu. Der "Drang des Menschen", ihm zu helfen, sei nachvollziehbar. Dabei drohe "das Wohl des Tieres" aber aus dem Blick zu geraten. Auch andere Experten lehnen die geplante Befreiung ab.

Der laut Fachleuten in besorgniserregendem Zustand schwebende Wal war wochenlang vor der Ostseeküste umhergeirrt und hatte sich mehrfach in Fischernetzen verfangen. Er strandete wiederholt, kam aber selbst frei oder wurde befreit. Seit Ende März liegt er in einer seichten Nebenbucht bei Poel vor Wismar in Mecklenburg-Vorpommern auf Grund.

Bambaren bezeichnete die Strandung vom Montag als eine Panikreaktion des rund 15 Tonnen schweren Tiers nach einer fahrlässigen Annäherung durch ein Begleitboot. Die Situation sei zunächst "sehr gefährlich" gewesen, weil das Tier schräg auf der Sandbank gelegen und sich bei sinkenden Pegelstand größtenteils über dem Wasser befand, was unter anderem zu Atemproblemem geführt habe. Als Notfallreaktion sei eine Kuhle freigespült worden. Mittlerweile liege das Tier darin sicher.

Die Behörden begleiten und überwachen die private Rettungsaktion mit eigenen Fachleuten, unterstützt werden die Arbeiten unter anderem von Einheiten der Rettungsorganisation DLRG. Die Privatinitiative machte derweil auch durch mutmaßliche internen Streit von sich reden, einige Beteiligte warfen sich gegenseitig Fehler und Unprofessionalität vor.

Quelle: ntv.de, jwu/AFP/dpa