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Vorsicht: Lustig Wann ist ein Aprilscherz "okay"?

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Ein Witz ist lustig, wenn die Leute lachen. So einfach ist das in Deutschland nicht. Zum 1. April verraten Medienforscher, was Scherzbolde beachten müssen.

Das kürzeste Buch der Welt? Das ist eins über deutschen Humor, sagen Spötter aus dem Ausland gern. Dafür sind hierzulande die Debatten um Witze umso länger. Die Frage ist dabei nicht, ob ein Witz lustig ist, sondern: Ob er "okay" ist. Das gilt natürlich auch für Aprilscherze.

Für Witzemacher und Hobby-Humoristen kommen zum 1. April harte Zeiten. Annegret Kramp-Karrenbauers Toiletten-Gag und Bernd Stelters Pointe über AKKs Doppelnamen haben heftige Debatten darüber ausgelöst, was geht und was man lieber lassen sollte. Wer beim Aprilscherz-Ausdenken nun verunsichert ist, sollte zwei Dinge beachten: Je öffentlicher ein Scherz gemacht wird, desto größer das Shitstorm-Potenzial. Und je größer der Tabubruch, desto eher sollte man die Finger davon lassen.

Am 1. April - so will es der Brauch - versuchen Scherzbolde, andere Leute hinters Licht zu führen. Mal sind die Finten sehr offensichtlich. Mal gerät der eine oder andere allerdings ins Stutzen. Ziel sollte bestenfalls sein, dass am Ende alle lachen. Doch seit Karneval stellt sich verschärft die Frage: Welcher private Schabernack ist politisch noch korrekt und mit welcher Neckerei bürde ich mir einen Shitstorm auf?

AKKs Spruch über Toiletten für das dritte Geschlecht und Männer, die schon nicht mehr oder noch im Stehen pinkeln, erwies sich in der öffentlichen Wahrnehmung als Griff ins Klo. Stelter erntete für seinen Doppelnamen-Gag zulasten der CDU-Chefin nicht nur Pfiffe - eine Zuschauerin kam sogar auf die Bühne, um dem Komiker die Leviten zu lesen. Stelter sagte danach in den "Tagesthemen": "Ich wüsste nicht, welche Witze man dann überhaupt noch machen darf, wenn schon ein Witz über einen Doppelnamen nicht mehr geht." Muss der Schelm in Deutschland zum Lachen in den Keller gehen, ausgerechnet vorm 1. April?

Medienforscher: Grenze verschiebt sich

Diese wichtige Frage beschäftigt natürlich auch Medienforscher. Für Mario Anastasiadis von der Universität Bonn minimiert ein Rückzug ins Private das Risiko. Ein Aprilscherz als Zeitungs-Ente oder via Pressemitteilung eines Unternehmens habe natürlich ein hohes Verbreitungspotenzial. Wer aber nur ein Familienmitglied, einen Freund oder Kollegen foppen will, lebt auf sichererem Terrain. "Selbst wenn man sich beim Aprilscherz verhebt, kriegen es meistens nicht viele mit", sagt Anastasiadis.

Die Sprücheklopfer an Karneval seien absichtlich undiplomatisch und provokativ - zelebriert auf offener Bühne, sagt der Forscher, der sich unter anderem mit Internet und Social Web sowie Politischer Kommunikation und Partizipation befasst. "Der Aprilscherz ist zumeist Alltagspraxis, die nicht im medialen Kontext aufgeführt wird. Niemand mietet dafür ja eine Halle." Zudem seien sie meist harmlose Täuschungen im kleinen Kreis und ohne größere Konsequenzen.

Eine Liste zu meidender Tabuthemen ist laut Anastasiadis schwer zu erstellen. Es gebe einen Grundkonflikt zwischen Satire, Spott und Kunstfreiheit einerseits und andererseits Political Correctness und Interessen von Minderheiten, die geschützt werden müssen. "Da sehen wir zuletzt Verschiebungen: Vertreter von Partikularinteressen gehen eher in die Gegenoffensive und verwehren sich des Spotts." Hier gebe es eine doppelte Dynamik: Minderheiten werde stärker bewusst, dass sie sich öffentlich einbringen können. Und mit den sozialen Medien hätten sie den nötigen Raum, um sich Gehör zu verschaffen. Daher setzen sich Scherzbolde immer häufiger in die Nesseln.

"Aprilscherze sind keine Tabubrüche"

Wer das nicht will, muss aus Sicht von Anatol Stefanowitsch von der Freien Universität Berlin Themen wählen, die nicht kontrovers sind. Stefanowitsch rät, Minderheiten nicht aus Jux zu diskriminieren. "Ich sollte nicht wie ein Rassist kommunizieren, wenn ich nicht rassistisch bin", sagt er. Wer etwas gegen Schwule, Ausländer oder Behinderte habe, könne das im Sinne der Meinungsfreiheit zwar sagen - dann sei es aber eben kein Witz. Der Aprilscherz taugt aus seiner Sicht aber nicht zum Tabubruch.

Stefanowitsch, der 2018 das Buch "Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen" veröffentlichte, sagt: "Kunstfreiheit heißt noch lange nicht, dass man die Verantwortung abgibt." Bei Satire sei die künstlerische Leistung ein Tabu zu brechen, damit andere nachdenken. "Das kann ich mir beim Aprilscherz nicht vorstellen. Das ist ein Scherz um seiner selbst willen."

Georg Kamphausen, Professor für Politische Soziologie an der Uni Bayreuth, sieht das etwas lockerer: Grundlage von Humor sei, eine Sache extrem verkürzt auf den Punkt zu bringen. "Man muss die Grenzen kennen. Aber man muss auch mal einen Satz sagen, der über die Grenze hinausgeht." Ein Problem beim Witze machen sei mangelnde Differenzierung beim Publikum: "Die Welt ist bunt. Ich kann doch nicht immer alles nur aus meiner Perspektive betrachten und meinen, die ist die einzig richtige." Karneval sei doch nicht der Prüfstand für Korrektheit. Ob ein Gag funktioniert, sei auch rollen- und situationsabhängig, sagt Kamphausen: "Männerwitze sind was anderes an der Bar in einer Kneipe, als wenn Frauen dabei sind. Trotzdem sollten Frauen wissen, dass es Männerwitze gibt."

Das Fazit: Ob Witze "okay" sind, lässt sich mit ein wenig Sorgfalt vorhersagen. Ob sie dann auch noch lustig sind, entscheidet das Publikum. Nicht mit einer Debatte, sondern indem es lacht. Oder auch nicht.

Quelle: ntv.de, Marco Krefting, dpa

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