Maler, Lehrer, SammlerWerner Tübke wäre 80
Werner Tübke war einer der bekanntesten Maler in der ehemaligen DDR. Viele warfen ihm eine zu große Staatstreue vor. Denn für seine Werke bekam er viele Preise.
"Ich durfte die Bilder erst sehen, wenn sie fertig waren", blickt Brigitte Tübke-Schellenberger zurück. Ihr Mann, der Maler Werner Tübke, habe immer von früh bis abends im Atelier gestanden - abgesehen von der Mittagspause. Mit zugeknöpftem weißen Kittel samt Stiften und Spitzer in der Brusttasche schuf er bis kurz vor seinem überraschenden Tod vor fünf Jahren ein gewaltiges Oeuvre. Dazu zählen tausende Zeichnungen und rund 400 meist riesige Gemälde, die sich durch Detailverliebtheit auszeichnen. Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bezeichnete Tübke vor einigen Jahren als "sensiblen, bildgewaltigen Künstler, in dessen Werk Realismus, Fantastik und magische Verfremdung virtuos ineinander verwoben sind". Am 30. Juli wäre der Maler 80 Jahre alt geworden.
Begründer der "Leipziger Schule"
Schon als Zehnjähriger wusste der Kaufmannssohn: "Ich will Maler werden!". Der Weg des studierten Psychologen und Kunsterziehers in den DDR-Kunstbetrieb verlief relativ geradlinig. Er setzte politische Stoffe im Stil der Alten Meister um und begründete mit seinen Kollegen Bernhard Heisig und Wolfgang Mattheuer (1927-2004) die Malrichtung "Leipziger Schule". Berühmt machte ihn das weltweit größte mit Pinsel und Palette hergestellte Rundgemälde zum deutschen Bauernkrieg auf dem einstigen Schlachtfeld hoch über Bad Frankenhausen; geschaffen in zwölfjähriger Arbeit, im Auftrag der SED, aber nach Art der alten Meister.
Sein Werk war unter den SED-Kulturideologen nicht unumstritten, seine Staatsnähe brachte ihm ebenfalls Kritik ein. "Wenn er seine Bekenntnisse als Parteigenosse im Feuilleton, dass seine Kunst nur im Dienste des Auftraggebers - der Arbeiterklasse und ihrer Partei - wachsen und gedeihen könne, auch im Unterricht gebrauchte, und sich dazu noch völlig zusammenhanglos in Tiraden gegen jegliche Moderne erging, war es schwer für mich, Achtung und Respekt zu wahren", schildert sein einstiger Schüler Hans-Hendrik Grimmling im Katalog zur aktuellen Tübke-Retrospektive. Sie ist im Leipziger Bildermuseum noch bis zum 13. September zu sehen.
Sah sich nicht als "Staatsdiener"
Nach der Wende hatte Tübke seine DDR-Staatspreise zurückgegeben, das damit verbundene Geld gespendet und sich gegen sein Image als "Staatsdiener" gewehrt. Im Gegensatz zum DDR-"Normalbürger" durfte er aber schon lange vor dem Fall der Mauer auch nach Italien, Frankreich und Westdeutschland reisen. 1982 wurde er Mitglied der Königlichen Akademie der Künste Schwedens. Seine Werke waren auch im "Westen" zu sehen. Tübkes Bleistiftzeichnungen, Aquarelle und Druckgrafiken erlangten schnell Wert auf dem internationalen Kunstmarkt.
Kaufinteressenten konnten in der Leipziger Villa der Tübkes auch einen unfreundlichen Meister erleben. "Wenn mal jemand kam und sagte 'Haben Sie nicht etwas Grünes, das passt so gut zu unserer Polstergarnitur' - da war es aus", berichtet die Witwe. "Mein Mann war ziemlich unnahbar, aber als Ehemann pflegeleicht." Der Pfeifenraucher sammelte auch Tabakspfeifen und Aschenbecher und trug mehr als 3000 Feuerzeuge zusammen. Tübke-Schellenberger pflegt und bewahrt sein künstlerisches Erbe und sein Privatarchiv in der Villa - mit einer auf Wunsch des Malers posthum gegründeten Stiftung. In den Tübke-Wohnräumen befindet sich nun eine Dauerausstellung.