Panorama

Streit um eine Wildwest-LegendeWird Billy the Kid rehabilitiert?

01.12.2010, 13:54 Uhr

Jung, verwegen und geschickt hielt Billy the Kid Ende des 19. Jahrhunderts den Südwesten der USA in Atem, bevor er von dem Sheriff Pat Garrett erschossen wurde. Und auch jetzt sorgt der noch für Streit: Der Gouverneur von New Mexiko prüft eine posthume Begnadigung der Wildwest-Legende.

AP06051001970
Ist zur Legende geworden: Billy the Kid. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Im Wilden Westen war seine Gesetzlosigkeit Legende. Unter den vielen Halunken der damaligen Zeit stach Billy the Kid ganz besonders heraus. Jung, verwegen und geschickt hielt der Revolverheld vor 130 Jahren den Südwesten der USA in Atem. Bis heute sorgt er für Streit: Im Bundesstaat New Mexico läuft eine Debatte, ob die Wildwest-Legende nicht posthum begnadigt werden soll. Gegenüber stehen sich in dem Streit die selbsternannten Nachkommen von Billy the Kid - sowie die Nachfahren des Sheriffs, der ihn erschossen hatte.

Im Juli 1881 hörte Billys Herz nach einer Schussverwundung auf zu schlagen, doch seine Legende wird bis heute in dutzenden Filmen und Büchern weitergestrickt. New Mexikos Gouverneur Bill Richardson könnte die Begnadigung aussprechen, und er hat zugesagt, die Angelegenheit ernsthaft zu prüfen. "Der Gouverneur erwägt, eine Anhörung zu dem Fall einzuberufen", sagt sein Sprecher Eric Witt. "Eine Entscheidung gibt es aber noch nicht." Richardson hat sich bereits mit Vertretern beider Streitparteien getroffen: Gegnern und Befürwortern einer Begnadigung.

Billy the Kid - eine Art Robin Hood?

Dass Billy the Kid ein Gauner war, steht außer Frage. Auch einige Morde sind ihm mit großer Sicherheit zuzuschreiben. Und doch hat er bis heute eine Fangemeinde, die seine jugendliche Kühnheit bewundert und in ihm eine Art Robin Hood des Wilden Westens sieht, der den Reichen genommen und den Armen gegeben hat. Sein Grabstein in Fort Sumner, wo der 21-Jährige im Juli 1881 hingerichtet wurde, ist mehrfach gestohlen worden und wird inzwischen durch eine Metallverankerung gesichert.

AP90010104247
Sheriff Garrett erschoss Billy the Kid aus dem Hinterhalt. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Gegen die Begnadigung machen vor allem die Nachfahren von Sheriff Pat Garrett mobil, der den flüchtigen Billy erschossen hatte. "Dies wäre eine Rechtsverirrung und die Diffamierung eines großen Mannes", schrieben Garretts Enkel Jarvis Patrick Garrett und Susan Floyd Garrett in einem offenen Brief. Ihr Großvater würde in die Nähe des Mordes gerückt, wenn der Revolverheld von damals heute als unschuldig eingestuft werden würde. Für die Begnadigung macht seit vielen Jahren Elbert Garcia aus Santa Rosa mobil, der nach eigenen Angaben der Urenkel von Billy the Kid ist. Er behauptet, viele Vorwürfe gegen seinen Vorfahren seien haltlos.

Bereits im März 1881 hatte Billy the Kid, der als William H. Bonney geboren wurde, aus dem Gefängnis heraus beim damaligen Gebietsgouverneur um Begnadigung nachgesucht. Er könne bei der Aufklärung einiger Mordfälle helfen, wenn dafür die Mordvorwürfe gegen ihn fallengelassen würden. Das Schreiben blieb ohne Antwort. Ein Richter verurteilte Billy the Kid zum Tod durch den Strang, der Verurteilte erschoss daraufhin zwei Gefängnisaufseher und floh. Wenige Wochen später wurde er von Sheriff Garrett gestellt und selbst erschossen.

Quelle: Tom Sharpe, AFP