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1320 statt 1230 Kilometer Zahlendreher macht Rhein länger

Der Rhein ist viel kürzer als bislang angenommen. Ein Zahlendreher hat ihn seit den 1960er Jahren um 90 Kilometer länger gemacht.

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Sie haben jetzt alle Chancen, die Ticketpreise nachzuverhandeln.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Vor der Erfindung des Computers waren Buchhalter bisweilen gezwungen, lange Zahlenkolonnen zu addieren, um die Gleichheit von Soll und Haben zu überprüfen. Auch bei Verwendung einer Rechenmaschine gab dies bei zweimaligem Rechnen in der Regel zwei unterschiedliche Ergebnisse. Oft vermutet der Buchhalter sofort: Ein Zahlendreher.

Die deutsche Sprache ist für Zahlendreher sehr anfällig. Man möchte 39 eingeben und denkt neun und dreißig – schon hat man als Erstes die 9 eingegeben und dann die 3. So wird aus der Zahl 39 die Zahl 93.

Ein brisanter Zahlendreher der jüngeren Zeitgeschichte führte zur sogenannten "Pizza-Connection": Aus Versehen hatte der Anwalt des Fernsehmoderators Michel Friedman die Ermittlungsakten an einen Pizzabäcker gefaxt. So gelangten belastende Ermittlungsergebnisse an die Öffentlichkeit.

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Die Schönheit des Rheins kommt dabei nicht kürzer weg.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ein weiterer Zahlendreher schaffte es sogar bis in den Weltklimabericht: Viele Gletscher im Himalaya würden bis zum Jahr 2035 schrumpfen, hieß es dort. Tatsächlich gilt diese Prognose eines russischen Forschers für das Jahr 2350.

Jetzt macht erneut ein Zahlendreher von sich reden: Aufgedeckt hat ihn der Kölner Universitätsprofessor Bruno Kremer, als er für eine Arbeit über den Rhein dessen genaue Länge nachschlagen wollte. Im großen Brockhaus wie im nautischen Handbuch für Rheinsportschiffer steht es schwarz auf weiß: Der Rhein ist 1320 Kilometer lang. Auch ein Hinweis am Tomasee, der als Ursprung des Rheins gilt, bestätigt: 1320 Kilometer.

Auf der Suche nach der Wahrheit

"Mit dieser Zahl habe ich mich auch zunächst zufrieden gegeben", erzählt der Biologieprofessor. Bis er in älteren Publikationen aus den Jahren vor 1960 auf eine andere Angabe stieß: Nicht 1320, sondern 1230 Kilometer sei der Rhein lang, hieß es da. Auf der Suche nach der Wahrheit machte sich Bruno Kremer selbst daran, die Rheinlänge anhand topographischer Karten genau nachzumessen - und kam auf eine Länge von 1233 Kilometern – plus minus ein Paar Kilometerchen. Wahrscheinlich handelt es sich also um einen simplen Zahlendreher, der einmal übernommen und immer wieder kopiert wurde. Der Rhein wuchs somit ganz offiziell und unbemerkt um 90 Kilometer in die Länge.

Bei der Frage nach dem Sinn der Erkenntnis gelangt man sehr schnell in touristische Bereiche: Eine Kreuzfahrt auf dem Rhein dürfte in Zukunft viel billiger werden.

Quelle: n-tv.de, ppo

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