Panorama

Gondelunglück von Sölden Zeuge belastet Pilot

Das Seilbahnunglück von Sölden (Österreich) Anfang September ist nach Zeugenaussagen möglicherweise anders abgelaufen als bislang dargestellt. Ein Augenzeuge, der bei dem Unglück aus einer Gondel geschleudert wurde und zunächst nicht vernehmungsfähig war, macht den Piloten des Helikopters für das Unglück mit neun Toten verantwortlich. "Der Hubschrauber ist so tief geflogen, dass der Betonkübel noch am Haken hängend in das Gondelseil gekracht ist", sagte der Zeuge Harald Huber am Donnerstag und bestätigte damit einen Bericht des Südwestrundfunks (SWR).

Das österreichische Verkehrsministerium hatte am Montag mitgeteilt, dass ein technisches Problem das Gondelunglück ausgelöst habe. Ein Sprecher des Hubschrauber-Unternehmens Knaus Helicopter betonte am Donnerstag: "Es gab nicht nur einen Augenzeugen." Zu dem Unfall seien viele Zeugen über mehrere Tage gehört worden.

Am vergangenen 5. September hatte ein Lastenhubschrauber beim Flug über das Skigebiet in Tirol einen 750 Kilogramm schweren Betonkübel verloren, der auf eine der Gondeln stürzte und sie in die Tiefe riss. Aus einer zweiten Gondel wurden durch die Schwingungen des Seils sechs Skifahrer hinausgeschleudert und getötet. Bei dem Unglück starben neun Deutsche, darunter sechs Kinder im Alter zwischen 12 und 14 Jahren. Sieben Menschen wurden verletzt, einige schwer.

Nach Darstellung des Wiener Ministeriums war ein Eisenspänchen, das durch Abrieb am Auslösemechanismus des Hubschraubers entstand, die Ursache für den Unfall. Dieses habe einen elektrischen Impuls ausgelöst, der die Aufhängevorrichtung unter dem Helikopter öffnete. Der Betonkübel sei danach aus geringer Höhe beim Überflug auf das Seil und die Gondel gestürzt. Sowohl den Piloten als auch den Besitzer des Hubschrauber-Transportunternehmens treffe keine Schuld.

Augenzeuge Harald Huber, der mit zwei Töchtern im Gletschergebiet von Sölden trainiert hatte, widerspricht dieser Darstellung. "Der Pilot ist höchstens zehn bis zwölf, aber niemals 150 Meter über uns hinweg geflogen", sagte der 51-jährige der dpa. Huber hatte in der Gondel direkt unterhalb der Kabine gesessen, die von dem Betonkübel getroffen wurde und abstürzte. Er war aus dem Fenster geschleudert und schwer verletzt worden. Lange Zeit lag er im künstlichen Koma. Dasselbe hatte Huber dem SWR zufolge bei der Kriminalpolizei Karlsruhe ausgesagt. Kurz nach dem Unglück hatte schon ein anderer Zeuge dem Piloten vorgeworfen, den ganzen Tag "knapp über das Seil hinweggeflogen" zu sein.

Dagegen sagte der Sprecher von Knaus Helicopter, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hätten ergeben, dass der Pilot in einer Höhe von 150 Metern über die Seilbahn geflogen sei. "Diese Version ist unstrittig", betonte er.

Quelle: n-tv.de