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Nutzung "schlicht zu niedrig" Zweifel an Nutzen der Corona-App

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Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Treffen eines Infizierten mit einer weiteren Person beide die App nutzen, liegt nur bei 6 Prozent.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die deutsche Corona-Warn-App gilt als Erfolg. Millionen Nutzer luden die App innerhalb weniger Tage herunter. Doch renommierten Ökonomen zufolge reicht das bei weitem noch nicht aus. Auf freiwilliger Basis sei eine hohe Wirksamkeit nicht zu erreichen, sagt die Wirtschaftsweise Veronika Grimm.

Berechnungen von Ökonomen zufolge ist die Corona-Warn-App derzeit weitgehend wirkungslos. "Damit die Corona-Warn-App wirklich etwas bringt, sollte sich die Zahl der Downloads verdoppeln", sagte Gert Wagner, Mitglied des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen, der "Welt am Sonntag". Dann sei man auf eine zweite Welle viel besser vorbereitet. Bisher haben mehr als 17 Millionen Menschen die App heruntergeladen; ob sie diese auch nutzen, ist ungewiss.

"Rein rechnerisch liegt bei einem Kontakt eines Infizierten mit einem Unbekannten die Wahrscheinlichkeit, dass beide Personen die App haben, bei 6 Prozent", rechnet Wagner vor. Und auch wenn sich die Zahl der Nutzer verdoppeln würde, sei deren Einfluss begrenzt: Nur 25 Prozent der Infektionen würden so aufgedeckt. Vorausgesetzt, dass sich alle Betroffenen über die App auch melden.

Laut den Berechnungen von Veronika Grimm, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, ist eine Kontaktverfolgung über Apps erst dann ohne weitere Maßnahmen erfolgversprechend, wenn 80 Prozent der Bevölkerung die Anwendung wirklich nutzen. "Dahin können wir mit einer freiwilligen Lösung nicht kommen", sagte Grimm.

Aktuell ist nicht nur die Verwendung der App freiwillig, sondern auch die Meldung einer Corona-Infektion. Die Menschen müssten verstehen, dass eine fehlende Warnung durch die App nicht bedeutet, dass sie keinem Risiko ausgesetzt waren. "Der Nutzungsgrad der App ist schlicht zu niedrig, um diese Schlussfolgerung zu erlauben", erklärte Grimm.

Quelle: ntv.de, mbo/DJ