Politik

Demonstration in Paris eskaliert 1000 Festnahmen bei "Gelbwesten"-Protest

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Wasserwerfer und Tränengas sind die Antwort an die Demonstranten.

(Foto: REUTERS)

Zehntausende Polizisten im Einsatz können eine erneute Eskalation der "Gelbwesten"-Proteste nicht verhindern. In Paris gibt es heftige Zusammenstöße. Viele Hundert Menschen werden festgenommen. Durch die Straßen der Hauptstadt wabern Rauch und Tränengas.

Schwarze Rauchwolken über Paris: Bei neuen Protesten der "Gelbwesten" ist es abermals zu Ausschreitungen in Frankreichs Hauptstadt gekommen. Demonstranten zündeten in der Innenstadt Barrikaden an, schlugen Fensterscheiben ein und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Beamten waren mit gepanzerten Fahrzeugen im Einsatz und drängten gewaltbereite Demonstranten mit Tränengas zurück.

Unklar ist jedoch gerade in Paris, wer sich von den randalierenden Demonstranten tatsächlich den politischen Zielen der Proteste verpflichtet fühlt und wer stattdessen nur aus Sensationslust im Zentrum unterwegs ist. Zumindest sind viele junge Männer, mutmaßlich aus den ärmeren Vororten, unter den Randalierenden zu sehen, vor allem bei den vereinzelten Plünderungen.  "Die Regierung benutzt die Randalierer, um die Gelbwesten zu diskreditieren", empöret sich ein 50-jähriger Demonstrant, der von Anfang an bei den Protesten dabei ist. Innenminister Christophe Castaner hatte von einem "Monster" gesprochen, das seinen Schöpfern entgleitet, und hat damit viele Aktivisten empört.

Landesweit beteiligten sich nach Regierungsangaben rund 77.000 Menschen an den Kundgebungen, fast tausend Demonstranten wurden vorläufig festgenommen.

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Viele Demonstranten blieben friedlich. Sie bestimmen aber nicht das Bild.

(Foto: AP)

Nach einem vergleichsweise ruhigen Auftakt der Demonstrationen wurden die Proteste der "Gelbwesten" in Paris im Verlauf des Tages zunehmend von Gewalt bestimmt. In der Nähe des Prachboulevards Champs-Elysées bewarfen Demonstranten die Polizei am Vormittag mit Knallkörpern und anderen Gegenständen.

Brennende Barrikaden und bewaffnete Demonstranten

Mehrere Demonstranten versuchten, das Luxuskaufhaus "Publicis" in Brand zu stecken, wie AFP-Reporter berichteten. Die Protestteilnehmer - einige von ihnen in gelben Westen - entzündeten eine Tanne, die sie gegen die Fassade des Kaufhauses drückten. Die Polizei drängte die Demonstranten unter Einsatz von Tränengas ab. Eine junge Frau wurde mit einer Kopfverletzung zur Behandlung fortgebracht.

Auch an anderen Orten in Paris gab es Ausschreitungen. Nahe der Metro-Station Grands Boulevards setzten die Demonstranten eine Straßenbarrikade in Flammen. In der Avenue de Friedland schlugen sie Fensterscheiben ein. Die Beamten antworteten mit Tränengas und vereinzelt auch Wasserwerfern. Zudem waren erstmals gepanzerte Räumfahrzeuge der Militärpolizei im Einsatz.

Als Reaktion auf den "Schwarzen Samstag" in der vergangenen Woche war das Polizeiaufgebot vor den vierten Massenprotesten der "Gelbwesten" massiv aufgestockt worden. Landesweit wurden 89.000 Sicherheitskräfte mobilisiert, allein in Paris waren es 8000. Dies war rund ein Drittel mehr als am vorangegangenen Samstag, als in der Hauptstadt zeitweilig bürgerkriegsähnliche Zustände herrschten.

Landesweit wurden mehr als 950 Menschen vorläufig festgenommen, der Großteil davon in Paris, wie aus Polizeikreisen verlautete. Viele von ihnen trugen nach Behördenangaben Masken, Steinschleudern, Hämmer und Pflastersteine bei sich.

Behinderungen auf den Autobahnen

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Das Pariser Zentrum glich am Samstag einer Geisterstadt. Touristen-Attraktionen wie Eiffelturm und Louvre sowie zahlreiche Geschäfte bleiben aus Furcht vor Chaos und Plünderungen geschlossen. Zudem blieben 36 Stationen der U-Bahn und der Vorortbahnen RER geschlossen. Rund 50 Buslinien wurden unterbrochen oder umgeleitet.

Mehrere hundert Demonstranten blockierten am Morgen zeitweise die wichtige Ringautobahn Périphérique. Die Polizei löste die Blockade auf, ohne dass es zu Zusammenstößen kam. Eine örtliche "Gelbwesten"-Sprecherin betonte den friedlichen Charakter der Autobahn-Blockade: "Wir wollen uns Gehör verschaffen, keine Randale machen", sagte Laetitia Dewalle.

Auch in anderen französischen Städten, darunter Marseille und Grenoble, gingen wieder "Gelbwesten" auf die Straße. Vielerorts verursachten die "Gelbwesten" Behinderungen auf den Autobahnen. Aus Städten wie Lyon, Bordeaux und Toulouse werden Zusammenstöße mit der Polizei gemeldet, dort flogen auch Molotow-Cocktails.

Proteste in Brüssel

Moderate Vertreter der "Gelbwesten" hatten ihre Anhänger aufgerufen, den Kundgebungen in Paris fernzubleiben, um in den Augen der Öffentlichkeit nicht mit den Randalierern in einen Topf geworfen zu werden. Einzelne Aktivisten riefen dagegen zur Einnahme des Elysée-Palasts in Paris auf, des Amtssitzes von Präsident Emmanuel Macron.

Die Protestbewegung fordert den Rücktritt Macrons sowie allgemeine Steuersenkungen, höhere Renten und Löhne. Die bisherigen Zusagen der Regierung reichen den Aktivisten nicht aus.

Die Proteste weiteten sich inzwischen auch auf das Nachbarland Belgien aus. Bei einer "Gelbwesten"-Demonstration in der Hauptstadt Brüssel wurden am Samstag etwa hundert Menschen festgenommen, viele von ihnen bei Kontrollen vor Beginn des Protestzugs am Rande des von der Polizei abgeriegelten Europaviertels. Einige Teilnehmer griffen die Polizei mit Wurfgeschossen an. Nach den Festnahmen habe sich die Lage aber schnell beruhigt, erklärte eine Polizeisprecherin.

Quelle: n-tv.de, shu/sba/AFP

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