Politik

Überläufer: C-Waffeneinsatz steht bevor Assad startet Gegenoffensive

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Homs steht noch immer unter Dauerbeschuss der syrischen Armee.

(Foto: AP)

Präsident Assad gibt sich nicht geschlagen. Landauf, landab lässt er seine Truppen mit aller Macht gegen die Aufständischen anrennen. Rebellen wollen jetzt die Chemiewaffen des Assad-Regimes sichern. Die USA haben nach eigenen Angaben "ein Auge drauf". Derweil schließt die Türkei wegen Plünderungen einen Grenzübergang nach Syrien.

Mit Beginn des Fastenmonats Ramadan hat das syrische Militär eine massive Gegenoffensive gegen die Aufständischen gestartet. Nach Angaben der Opposition überrannten die Regierungstruppen einen Vorort von Damaskus. Nördlich der Stadt Homs seien Truppen zusammengezogen worden. Die Handelsmetropole Aleppo war den zweiten Tag in Folge heftig umkämpft.

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In der Hauptstadt Damaskus.

(Foto: AP)

Die Rebellen kündigten an, sie wollten die gefürchteten Chemiewaffen des Assad-Regimes unter ihre Kontrolle bringen. "Wir haben eine Gruppe, die die Chemiewaffen sichern soll", sagte General Adnan Silou, ein ranghoher Überläufer zur Freien Syrischen Armee, der britischen Zeitung "Daily Telegraph". Silou, der unter Assad selbst für die Waffen zuständig war, sprach von zwei Lagerstandorten für Giftgas - einer östlich von Damaskus, einer nahe Homs.

Nach den Worten des Überläufers General Mustafa Scheich hat die syrische Militärführung die Chemiewaffen bereits aus den Lagern geholt, um sie für den Einsatz vorzubereiten. "Sie haben sie aus dem Lagern geholt und an andere Standorte verlegt", sagte Scheich, der bereits im Januar desertiert ist und sich derzeit in der Türkei befindet. "Sie wollen das Land in Brand setzen. Das Regime kann nicht stürzen, ohne ein Blutbad anzurichten", fügte der General hinzu. Seine Angaben können nicht von unabhängiger Seite überprüft werden. Die syrische Regierung bestreitet die Verlegung der C-Waffen. Das Land soll größere Mengen der Kampfstoffe Sarin und Senfgas besitzen.

Nach Angaben des US-Präsidialamtes beobachten die USA sehr genau die syrischen Chemiewaffen-Lager. "Wir glauben, dass sich die Lager weiterhin unter Kontrolle der syrischen Regierung befinden", teilte Regierungssprecher Tommy Vietor mit. Angesichts der Eskalation der Gewalt und den zunehmenden Angriffen der Anhänger von Machthaber Baschar al-Assad auf die eigene Bevölkerung seien die USA sehr besorgt wegen dieser Waffen. Zusätzlich zu den eigenen Beobachtungen steht die US-Regierung laut Vietor auch in Kontakt mit den syrischen Nachbarstaaten und berät sich mit der internationalen Gemeinschaft.

Ban schickt seine besten Männer

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Ein Flüchtlingslager der UN an der syrisch-jordanischen Grenze.

(Foto: REUTERS)

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon will zwei seiner höchsten Militärexperten nach Syrien schicken. Er werde seinen Untergeneralsekretär für Friedensmissionen, Herve Ladsous, in die Krisenregion entsenden, sagte Ban bei einem Besuch in Kroatien. Gleichzeitig solle General Babacar Gaye "vorerst in dieser kritischen Phase" die Beobachtermission Unsmis leiten. Der Senegalese ist einer der ranghöchsten Militärs innerhalb der Vereinten Nationen. Die UN-Mission Unsmis war am Freitag in letzter Minute um weitere 30 Tage verlängert worden. Ihr bisheriger Führer, der norwegische General Robert Mood, stand aber nicht noch einmal zur Verfügung.

Die syrische Muslimbruderschaft erklärte indes den Friedensplan von UN-Sondervermittler Kofi Annan für gescheitert. Der Annan-Plan habe das Sterben von Zivilisten nicht verhindern können und dem Assad-Regime nur Zeit verschafft, sagte Gaysa Ulabi, einer der führenden Köpfe, der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu in Istanbul. Die islamistische syrische Exil-Organisation hatte sich dort zu einer dreitägigen Konferenz getroffen.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR schätzt, dass seit Beginn der Aufstände vor 16 Monaten rund eine Million Syrer aus Angst um ihr Leben ihre Heimatstädte verlassen haben. Syrien hat 21 Millionen Einwohner.

Türkei schließt Grenzübergang

Die Türkei schloss nach Plünderungen den Grenzübergang Çilvegözu an der Grenze zu Syrien. Angehörige der oppositionellen Freien Syrischen Armee hätten 30 aus der Türkei kommende Lastwagen ausgeraubt und beschädigt, sagte der Gouverneur von Hatay, Celalettin Lekesiz, zur Begründung. Neun Lastwagen seien zudem in Brand gesteckt worden. Andere wurden den türkischen Fahrern zurückgegeben. Sie waren zum Teil bereits seit Tagen unterwegs, um Lebensmittel und Medikamente nach Syrien zu bringen. Wann die Grenze wieder geöffnet wird, sei noch unklar, sagte Lekesiz.

Quelle: n-tv.de, rts/dpa/AFP

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