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Strahlendes Erbe: Erst langsam wird das Ausmaß des Atommülls in der Asse sichtbar.
Strahlendes Erbe: Erst langsam wird das Ausmaß des Atommülls in der Asse sichtbar.(Foto: dpa)
Freitag, 10. September 2010

Zehn Mal mehr mittelradioaktiver Müll: Asse ist deutlich stärker verseucht

Im Atommülllager Asse ist die Verseuchung größer als angenommen. Statt nur 1300 gibt es dort über 14.000 Fässer mit mittelradioaktiven Abfall, der im ganzen Berwerk verteilt ist. Damit wird die dringend notwendige Bergung des Atommülls teurer und gefährlicher als gedacht. Dem Bund drohen Milliarden-Kosten.

Im maroden Atommülllager Asse lagern zehn Mal mehr Fässer mit mittelradioaktivem Abfall als bislang angenommen. Das geht aus einem Inventarbericht hervor, den das Bundesforschungsministerium veröffentlichte. Demnach sind knapp 14.800 Abfallbehälter, die ursprünglich als leichtradioaktive Stoffe deklariert wurden, mit mittelaktiv strahlendem Material gefüllt. Bisher war man von knapp 1300 solchen Fässern ausgegangen. Aus dem Bericht geht außerdem hervor, dass die Behälter in mehreren Lagerkammern auf verschiedenen Ebenen des Bergwerks verteilt liegen, was zuvor ebenfalls nicht bekannt war.

Damit steigt auch das Risiko bei der geplanten Räumung des alten Salzbergwerks. Unter Tage liegen dort insgesamt rund 126.000 Fässer mit schwach und mittelradioaktivem Abfall. Am Donnerstag hatte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) mit ersten Vorarbeiten für die geplante Räumung der Grube begonnen. Das Bergwerk ist stark einsturzgefährdet, von außen dringt Wasser ein.

Frühere Angaben falsch

Das BfS erklärte nun: "Der Bericht dokumentiert die Diskrepanz zwischen den Angaben der damaligen Abfallanlieferer und den wirklichen Inhalten der Fässer." Die Dokumentation helfe, bei Bergung der Fässer die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen für Beschäftigte und Bevölkerung zu treffen. Möglicherweise werde der Schutz der Mitarbeiter bei den Arbeiten unter Tage jetzt noch schwieriger, sagte eine Sprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums.

Über 120.000 Fässer müssen aus den Stollen geholt werden.
Über 120.000 Fässer müssen aus den Stollen geholt werden.(Foto: dpa)

"Mit jedem Stück mehr Wissen zeigt sich, dass die bisherigen Angaben über das radioaktive Inventar in der Asse falsch waren", erklärte die atompolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Sylvia Kotting-Uhl. Der Bericht mache deutlich, dass das Atommülllager so schnell wie möglich geräumt werden müsse.

Die SPD im niedersächsischen Landtag kritisierte, damals sei unverantwortlich mit den Hinterlassenschaften der Atomindustrie umgegangen worden. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Ulrich Kelber, wetterte: "Bei der Atomenergie stirbt die Wahrheit zuerst."

Plutoniummenge steigt

Das Bundesforschungsministerium hat den Bericht des Helmholtz Zentrums an Fachpolitiker übersandt. Die Erhebung bestätige unter anderem, dass bei einigen abgelieferten Fässern Grenzwerte bei der Strahlendosis an der Fass-Außenseite überschritten worden seien, teilte das Ministerium mit. Dokumentiert wurde auch, dass die in der Asse vorhandene Plutoniummenge 28,1 Kilogramm beträgt. In der Vergangenheit war teils ein geringerer Wert angegeben worden.

Das ehemalige Salzbergwerk Asse II bei Wolfenbüttel wurde seit 1965 zwar offiziell als Forschungseinrichtung des Bundes betrieben. In dem Schacht wurden aber über Jahrzehnte auch radioaktive Abfälle der Industrie in großen Mengen abgelegt, da ein Endlager nicht zur Verfügung stand. Das inzwischen einsturzgefährdete Lager soll möglichst komplett geräumt werden und der Müll wieder an die Oberfläche gebracht werden. Dafür sind Kosten von zwei Milliarden Euro eingeplant, Experten-Schätzungen reichen aber bis zu sechs Milliarden Euro.

Das Finanzministerium hatte jüngst klargestellt, dass der Bund die Sanierung des maroden Atommülllagers Asse bezahlen wird - auch wenn die Gesamtkosten für die Sanierung der Schachtanlage derzeit noch nicht abzuschätzen seien.

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Quelle: n-tv.de