Politik

Teheran setzt auf Zeit Atomgespräche erneut gescheitert

Die Atomgespräche mit dem Iran gehen ergebnislos zu Ende. Die EU-Außenbeauftragte Ashton äußert sich enttäuscht über den Verlauf der zweitägigen Beratungen. Die Vorbedingungen Teherans seien inakzeptabel gewesen. Derzeit sind keine neuen Gespräche mit dem Iran geplant.

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Blick in die Verhandlungsrunde in Istanbul.

(Foto: REUTERS)

Die internationalen Verhandlungen über das umstrittene iranische Atomprogramm sind erneut gescheitert. Nach zweitägigen ergebnislosen Gesprächen in Istanbul erklärte EU-Außenministerin Catherine Ashton, dass kein neuer Termin für ein Treffen des Iran mit der sogenannten 5+1-Gruppe vereinbart worden sei. Irans Chefunterhändler Said Dschalili habe auf dem Recht seines Landes beharrt, Uran anzureichern.

"Ich bin enttäuscht", sagte Ashton vor Journalisten, nachdem Vertreter der fünf UN-Vetomächte USA, China, Russland, Großbritannien, Frankreich sowie Deutschlands den Iran nicht zum Einlenken bewegen konnten. "Wir sind mit konkreten Vorschlägen und Maßnahmen angereist, um Vertrauen herzustellen." Der Iran habe sich aber nicht auf "detaillierte und konstruktive" Gespräche eingelassen, sagte Ashton, die die 5+1-Delegation anführte. Dschalili sagte dagegen, die internationale Gemeinschaft müsse das Recht des Iran zur Urananreicherung anerkennen. Erst dann sei Teheran zu Verhandlungen bereit.

"Tür bleibt offen"

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Ashton sprach von inakzeptablen Bedingungen Teherans.

(Foto: REUTERS)

Aus westlichen Diplomatenkreisen verlautete, dass in Istanbul trotz Drängens der 5+1-Gruppe kein bilaterales Treffen zwischen den USA und dem Iran zustande gekommen sei. Weitere Diskussionen mit der Regierung in Teheran seien vorerst nicht geplant, die Tür zum Dialog stehe aber offen, sagte Ashton. "Unsere Vorschläge bleiben auf dem Tisch." Die Gruppe habe unter anderem ein neues Angebot zur Anreicherung von iranischem Uran im Ausland vorgelegt.

Die Urananreicherung steht im Zentrum des Atomstreits, denn angereichertes Uran kann zivil, aber auch zum Bau von Atombomben genutzt werden. Teheran hatte bereits Ende 2009 einen Vorschlag abgelehnt, wonach es einen Großteil seines Vorrats an schwach angereichertem Uran in Russland deponieren sollte, um im Gegenzug von Russland und Frankreich Brennstäbe für einen iranischen Forschungsreaktor zu erhalten. Anschließend waren die Atomgespräche auf Eis gelegt worden, der UN-Sicherheitsrat einigte sich im vergangenen Sommer auf eine neue Sanktionsrunde gegen Teheran. Einen von Brasilien und der Türkei ausgehandelten Kompromiss zur Urananreicherung im Ausland wies der Westen als ungenügend zurück.

US-Wissenschaftler warnten unterdessen davor, dass der Iran innerhalb der kommenden zwölf Monate genügend hochangereichertes Uran für den Bau einer Atombombe produzieren könnte. In einer am Freitag veröffentlichten Studie der Vereinigung amerikanischer Wissenschaftler (FAS) heißt es, dass die Effizienz iranischer Zentrifugen ungeachtet ihres zahlenmäßigen Rückgangs im vergangenen Jahr zugenommen habe. Der Iran benötige nur noch "fünf bis zwölf Monate" zur Herstellung einer ausreichenden Menge hochangereicherten Urans für eine Bombe.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP

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