Politik

Perfekter Mord? Barschel-Tod bleibt rätselhaft

Beweise für die zahlreichen Mordtheorien im Fall Uwe Barschel gibt es auch 20 Jahre nach seinem Tod nicht. Bei nüchterner Betrachtungsweise brächen alle diese Geschichten "in sich zusammen und verlieren jede Substanz", erklärte der schleswig-holsteinische Generalstaatsanwalt Erhard Rex bei der Vorstellung der Ermittlungsunterlagen. Allerdings gibt es auch keinen Beweis für einen Selbstmord des ehemaligen Ministerpräsidenten des Landes. "Der Fall bleibt rätselhaft", so Rex.

Waffenhändler-Theorie absurd

Insbesondere die vorherrschende "Waffenhändler-Spur" erklärte der Staatsanwalt für nichtig. Rex schlussfolgerte aus der Beweislage, die gesamte These, wonach der CDU-Politiker in Waffengeschäfte verstrickt und in diesem Zusammenhang ermordet worden sei, habe sich in nichts aufgelöst.

Der einstige Chefermittler in dem Fall, der Leitende Lübecker Oberstaatsanwalt Heinrich Wille, bekräftigt in der Dokumentation dagegen seine Ansicht, Barschel sei getötet worden.

"Sein Tod ist bis heute rätselhaft und die Spuren am Ort des Geschehens, die Spuren in und an seinem Körper sowie die psychologische Situation, in der er sich befand, lassen einen eindeutigen Schluss in Richtung Mord oder Selbstmord nicht zu", führt Rex aus. "Wenn ein Mord begangen worden ist, so muss es sich danach um einen absolut professionell ausgeführten Mord handeln, der nicht als Mord erkennbar sein sollte, und bei dem der oder die Täter alles darauf abgestellt hätten, den Mord als Selbstmord erscheinen zu lassen. Sie hätten dazu ein Expertenwissen haben müssen und einen Grad an krimineller Tötungsprofessionalität, der in der Geschichte der Kriminalistik seinesgleichen sucht."

Tod in der Badewanne

Ein Reporter hatte den Toten am 11. Oktober 1987 in der Badewanne von Barschels Zimmer im Genfer Hotel "Beau Rivage" gefunden. Das Foto mit der bekleideten Leiche ging um die Welt.

Vorausgegangen war ein großer Skandal in Schleswig-Holstein, in dessen Verlauf Barschel zurücktreten musste. Hintergrund waren Schmutzaktionen, die der Referent Reiner Pfeiffer aus der Staatskanzlei im Landtagswahlkampf gegen den SPD-Spitzenkandidaten Björn Engholm geführt hatte. Barschel stand damals in der Öffentlichkeit als Mitwisser oder gar Urheber da. Seine Glaubwürdigkeit war völlig zerrüttet. Erst 1995 sprach ein neuer Ausschuss Barschel eine geringere Schuld zu, ohne ihn freizusprechen.

Der 43-Jährige war an einem Cocktail aus acht Medikamenten gestorben, von denen vier tödlich waren. Die Schweizer Ermittler entschieden schnell auf Selbstmord; Barschels Familie war stets von Mord überzeugt. Ein schlüssiges Motiv und einen Täter konnte aber niemand liefern.

Quelle: n-tv.de

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