Politik

Keine Hinweise auf Mittäter Behörden bereiten Terroranklage vor

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Die Menschen in und um Boston atmen auf - und feiern die Ergreifung des mutmaßlichen Attentäters.

(Foto: Reuters)

Dschochar Zarnajew, der mutmaßliche Bombenleger von Boston, ist gefasst. Jetzt geht es um die Aufarbeitung des Anschlags und um die Ermittlung der Hintergründe. Das US-Justizministerium bereitet laut US-Medien eine Anklage wegen Terrorismus vor. Die Polizei gibt derweil erste Erkenntnisse preis. Und die Mutter der Brüder nimmt sie in Schutz. Die Polizei hat derzeit keine Hinweise auf Mittäter.

Nach der Festnahme des mutmaßlichen zweiten Bombenlegers von Boston hat die strafrechtliche Aufarbeitung des Anschlags begonnen. US-Medienberichten zufolge bereitete das US-Justizministerium gegen den bei seiner Flucht schwer verletzten Dschochar Zarnajew eine Anklage wegen Terrorismus vor. Außerdem könnte der junge Mann vom Bundesstaat Massachusetts wegen Mordes angeklagt werden.

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9000 Polizisten waren in den letzten Tagen im Einsatz.

(Foto: AP)

Die Anklageerhebung könnte eingeleitet werden, noch bevor Zarnajew aus dem Krankenhaus entlassen wird. Den Angaben zufolge befinden sich Staatsanwälte in der Klinik im Bostoner Vorort Cambridge, in dem der Verdächtige behandelt wird. Über den aktuellen Gesundheitszustand des schwer verletzten 19-Jährigen wurde zunächst nichts mitgeteilt.

Dschochar Zarnajew soll am Montag gemeinsam mit seinem 26-jährigen Bruder Tamerlan einen Doppel-Anschlag auf den Bostoner Marathon verübt haben. Dabei wurden drei Menschen getötet und etwa 180 weitere verletzt. Mehrere Opfer verloren durch die Explosionen Arme und Beine. Auf ihrer Flucht sollen die aus einer tschetschenischen Familie stammenden Brüder, die in Dagestan aufwuchsen, einen Polizisten erschossen und einen weiteren Beamten schwer verletzt haben. Tamerlan Zarnajew starb am Freitag nach einem Schusswechsel mit der Polizei.

Die republikanische Senatoren John McCain und Lindsay Graham forderten, Dschochar Zarnajew als "feindlichen Kämpfer" einzustufen. Damit hätte der Verdächtige den gleichen Status wie die Terrorverdächtigen, die in dem umstrittenen US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba inhaftiert sind.

"Er stand auf und hob sein Hemd hoch"

In einem beispiellosen Großeinsatz hatte die Polizei in der Nacht auf Samstag den zweiten mutmaßlichen Boston-Attentäter gefasst. Der 19-jährige Dschochar Zarnajew ging den Sicherheitskräften im Bostoner Vorort Watertown nach einer Schießerei schwer verletzt ins Netz. Einwohner Watertowns und Bostons, wo wegen der Jagd auf den Teenager praktisch Ausnahmezustand herrschte, reagierten auf die Verhaftung mit spontanen Freudenfeiern.

Er soll letztlich aufgegeben haben. "Schließlich tat er, was wir ihm befohlen hatten, stand auf und hob sein Hemd hoch", sagte der Polizeichef von Watertown, Edward Deveau. Die Polizei wollte so sehen, ob der Verdächtige Sprengstoff bei sich trug. In einem Interview des TV-Senders CNN sprach Deveau von "20 Minuten Verhandlungen" mit dem schwer Verletzten. Er räumte allerdings ein, dass Zarnajew dabei "nicht viel gesagt" habe. Er habe aber noch um sich geschossen.

Deveau äußerte sich überzeugt, dass die beiden Brüder Zarnajew allein gehandelt haben. "Nach dem, was wir wissen, waren sie allein." Zugleich berichtete er, der Festgenommene habe zuvor bei der Verfolgungsjagd seinen älteren Bruder mit dem Auto überfahren, als dieser noch lebte.

Nach der Festnahme lobte Obama "Professionalität und Mut" der Ermittler und pries die Einwohner von Boston, die mit "Entschlossenheit" auf die "bösartige Attacke" reagiert hätten. Es sei klar, dass noch viele Fragen offen seien. "Warum greifen junge Männer, die hier aufgewachsen sind und Teil unserer Gemeinschaft waren, zu solcher Gewalt? Wie haben sie ihre Angriffe geplant und durchgeführt? Bekamen sie Hilfe?" Der Präsident versprach, die Hintergründe "vollständig" aufzuklären.

Bereits 2011 im Visier des FBI

Die Ermittler konzentrierten sich zunächst auf die Suche nach einem Motiv für die Tat. Dabei verdichteten sich die Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Die Bundespolizei FBI räumte bereits am Freitag ein, den älteren Bruder Tamerlan Zarnajew bereits 2011 im Visier gehabt zu haben. Damals habe eine nicht näher genannte ausländische Regierung darum gebeten, den jungen Mann wegen mutmaßlicher radikalislamischer Ansichten zu überprüfen. Bei der Befragung von Zarnajew hätten die Ermittler aber keinen Verdacht geschöpft.

Nachbarn, Mitschüler und Lehrer der beiden Brüder erklärten, sie hätten keine Anzeichen einer Radikalisierung ausgemacht. Tamerlan habe von Olympischem Gold im Boxen geträumt und scheine in den vergangenen Jahren zu einem gläubigen Muslim geworden zu sein.

Die Mutter der mutmaßlichen Bombenattentäter hatte am Freitag in einem Telefoninterview mit dem Nachrichtensender CNN gesagt, dass Tamerlan "für drei, fünf Jahre" vom FBI beobachtet worden sei. "Sie haben ihn auf Schritt und Tritt verfolgt", sagte Zubeidat Zarnajewa, die darauf beharrte, dass ihre Söhne die Tat nicht hätten begehen können. Die Mutter sagte auch, dass ihr älterer Sohn vor fünf Jahren in "religiöse Politik" verwickelt worden sei. In ihrem Haus habe aber "niemand" über Terrorismus geredet.

In US-Medien wurde darüber spekuliert, dass sich Tamerlan Zarnajew während eines mehrmonatigen Aufenthalts in Russland im vergangenen Jahr radikalisiert und seinen jüngeren Bruder beeinflusst haben könnte. Die Familie war offenbar in den 90er Jahren vor den Kriegen in Tschetschenien zwischen russischen Truppen und islamistischen Unabhängigkeitskämpfern aus der Kaukasus-Republik geflüchtet. Nach einem Aufenthalt in Zentralasien kamen sie vor etwa zehn Jahren in die USA. Dschoschar wurde Medienberichten zufolge im vergangenen Jahr US-Staatsbürger, Tamerlan hatte eine Aufenthaltsgenehmigung.

Die Polizei hatte nach eigenen Angaben zunächst keine Hinweise auf Mittäter. "Alles was ich weiß ist, dass diese Kerle alleine gehandelt haben", sagte der Polizeichef von Watertown, Edward Deveau. US-Medien hatten zuvor gemeldet, dass das FBI am Freitagabend drei Verdächtige im Zusammenhang mit dem Anschlag verhört habe. Die Polizei habe ihre Wohnung in der Nähe der Universität durchsucht, an der Dschochar Zarnajew als Student eingeschrieben war.

Quelle: ntv.de, rts/AFP

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