Politik

Schwamm über "Lolita"-Affäre Boetticher kommt zurück

Der frühere schleswig-holsteinische CDU-Chef Boetticher kehrt wieder in die Politik zurück. Die Fraktion will Boetticher nach seiner Erholungszeit wieder in die Mitte nehmen, heißt es in Kiel. Der 40-Jährige war über eine Liebesbeziehung mit einer Teenagerin gestürzt. Er hatte stets ihre außergewöhnliche intellektuelle Reife hervorgehoben.

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Boetticher war von der Unterstützung seiner Partei nicht immer überzeugt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Einen Monat nach seinem Rückzug von allen Spitzenämtern wegen einer Beziehung zu einer Minderjährigen nimmt der CDU-Politiker seine Arbeit im Kieler Landtag wieder auf. "Er wird am Dienstag an der Fraktionssitzung teilnehmen", sagte Fraktionssprecher Dirk Hundertmark. Die CDU braucht Boetticher im Landtag auch, weil ihre Koalition mit der FDP nur eine Stimme mehr hat als die Opposition. Am Mittwoch will das schwarz-gelbe Bündnis sein umstrittenes Gesetz zur Liberalisierung des Glücksspielmarktes beschließen.

Boetticher hatte am Wochenende mit dem neuen Fraktionschef Johannes Callsen über die weiteren Abläufe gesprochen. "Es ist mein festes Ziel, dass wir Christian von Boetticher nach seiner Erholungszeit den Wiedereinstieg in seine Arbeit so leicht wie möglich machen", erklärte Callsen. "Die Fraktion wird ihn in ihre Mitte nehmen."

Der 40-jährige Boetticher war Mitte August wegen seiner früheren Beziehung zu einer als Fraktions- und Landesvorsitzender der CDU in Schleswig-Holstein sowie als Spitzenkandidat zur Landtagswahl 2012 zurückgetreten. Als "Lolita"-Affäre sorgte die Liaison bundesweit für großes Aufsehen. Er hatte der Teenagerin stets eine "außergewöhnliche intellektuelle Reife" bescheinigt und sie daher anfänglich für 20 gehalten.

Zur Landtagswahl im Mai nächsten Jahres will die Kieler CDU nun mit Wirtschaftsminister Jost de Jager als Spitzenkandidat antreten. Die endgültige formale Entscheidung darüber fällt mit der Aufstellung der Landesliste am 4. November in Lübeck. Zuvor soll de Jager am 24. September in Kiel zum Landesvorsitzenden der Partei gewählt werden.

Deutsche gespalten

Der Rücktritt des konservativen Politikers wird von einer klaren Mehrheit in Deutschland begrüßt. 62 Prozent halten diese Konsequenz laut einer repräsentativen Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" für richtig; 26 Prozent finden sie falsch. Bei der Frage, ob die Beziehung moralisch verwerflich gewesen sei, ist die Meinung geteilt: 45 Prozent der Deutschen sagen Ja, 45 Prozent Nein.

Quelle: ntv.de, dpa