Politik
Von Boetticher auf dem Weg zur Sondersitzung der CDU-Spitze in Kiel.
Von Boetticher auf dem Weg zur Sondersitzung der CDU-Spitze in Kiel.(Foto: dpa)
Sonntag, 14. August 2011

"Liebesbeziehung" zu einer 16-Jährigen: Boetticher tritt zurück

Neun Monate vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein hat die CDU ein Problem: Sie hat keinen Spitzenkandidaten mehr. Wegen einer inzwischen beendeten Affäre mit einer damals 16-Jährigen tritt von Boetticher zurück. Auch das Amt als Landesparteichef gibt er auf. Zuvor hatte es massiven Druck aus der Partei gegeben.

Neun Monate vor der Landtagswahl in Schleswig- Holstein tritt CDU-Spitzenkandidat Christian von Boetticher zurück. Das erklärte der 40-Jährige nach einer CDU-Vorstandssitzung in Kiel. Er legt auch sein Amt als Landesvorsitzender der Nord-CDU nieder. Von Boetticher zieht damit auf massiven Druck aus der Partei die Konsequenz aus einem inzwischen beendeten Liebesverhältnis: Der seinerzeit unverheiratete Politiker hatte Anfang 2010 eine Beziehung zu einer damals 16-Jährigen.

"Es geht um eine frühere Liebesbeziehung mit einer damals 16-Jährigen", hatte ein persönlicher Berater des 40-jährigen von Boetticher vor der CDU-Sitzung gesagt. "Es liegen keine Rechtsverstöße vor", betonte er. Es könne allenfalls um moralische oder politische Beurteilungen gehen. Im Frühjahr 2010 - also weit vor seiner Kür zum Spitzenkandidaten - habe von Boetticher die Beziehung beendet.

"Das geht einfach nicht"

Der 40-Jährige verkündete nach der Sitzung seinen Rücktritt.
Der 40-Jährige verkündete nach der Sitzung seinen Rücktritt.(Foto: REUTERS)

Der geschäftsführende Landesvorstand der Nord-CDU nahm die Entscheidung in einer Erklärung "mit Respekt zur Kenntnis". Von Boetticher habe "deutlich gemacht, dass er die moralische Komponente falsch eingeschätzt hat". Dafür habe er sich öffentlich entschuldigt und die Konsequenzen gezogen, hieß es. Diese Konsequenzen dienten "seinerseits vor allem dem Schutz seiner Privatsphäre". Über die weiteren Schritte wollte der erweiterte Landesvorstand in seiner nächsten Sitzung am kommenden Dienstag entscheiden.

In der CDU hatte es zuvor bereits Unmut über die Enthüllung gegeben. "Das geht einfach nicht. Das kann man der Partei und der Bevölkerung insgesamt nicht zumuten", sagte ein einflussreicher Christdemokrat. FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki hatte ebenfalls eine schnelle Entscheidung beim Koalitionspartner gefordert. "Die CDU muss den Vorfall intern klären und schnell eine Lösung finden", sagte er dem "Hamburger Abendblatt". Dann werde auch die FDP reagieren. Zu den Spekulationen über eine frühere Beziehung von Boettichers zu einer Minderjährigen wollte Kubicki nicht Stellung nehmen - was er in seinem Privatleben mache, gehe die FDP nichts an.

"Mehr als eine nur rechtliche Dimension"

"Bild am Sonntag" berichtete unter Berufung auf eigene Informationen, von Boetticher werde auf der Sondersitzung seine Bereitschaft erklären, die Spitzenkandidatur zur Landtagswahl am 6. Mai nächsten Jahres zur Verfügung zu stellen. Vertraute des CDU-Politikers hätten angegeben, ihm sei vollkommen klar, dass die damalige Beziehung Erpressungs- und Bedrohungspotenzial gegen ihn und seine Partei berge. Von Boetticher wolle in der Vorstandssitzung geltend machen, dass er aus Liebe gehandelt und nicht gegen Recht und Gesetz verstoßen habe.

In der Nord-CDU löste das Verhältnis zu der viel Jüngeren dennoch erhebliche Unruhe und Unverständnis aus. Laut "Bild am Sonntag" soll der Kontakt über Facebook zustande gekommen sein. Eine Bestätigung dafür war weder aus der CDU zu bekommen noch von Boettichers Berater.

Auch Ministerpräsident Carstensen hatte von von Boetticher erwartet, dass er "die richtigen Schlüsse daraus zieht".
Auch Ministerpräsident Carstensen hatte von von Boetticher erwartet, dass er "die richtigen Schlüsse daraus zieht".(Foto: dpa)

Ministerpräsident Peter Harry Carstensen sagte der Zeitung "Schleswig-Holstein am Sonntag", er habe im Juli von "Gerüchten" über eine frühere Beziehung seines Nachfolger auf dem Parteivorsitz gehört und das Gespräch mit ihm gesucht. "Ich gehe davon aus, dass er die richtigen Schlüsse daraus zieht", zitierte ihn die Zeitung. Der Vorgang habe "mehr als eine nur rechtliche Dimension".

Skepsis über Erfolgsaussichten

Für die gemeinsam mit der FDP in Kiel regierende Nord-CDU ist die Entwicklung ein Dreivierteljahr vor der Wahl ein harter Schlag. Zwar gab es parteiintern immer wieder auch Kritik an von Boettichers Führungsstil, aber mit seiner Kür zum Spitzenkandidaten Anfang Mai mit 87 Prozent schien für ihn alles klar zu sein. Der 64-jährige Carstensen hatte auf eine weitere Bewerbung verzichtet, und der Neue sollte am 4. November in Lübeck als Spitzenkandidat offiziell bestätigt werden.

Einflussreiche Christdemokraten sahen in von Boetticher aber nie den aussichtsreichsten CDU-Kandidaten für die Landtagswahl. Vor dem Votum für ihn war vor allem Wirtschaftsminister Jost de Jager im Gespräch als möglicher Alternativkandidat, aber auch Landtagspräsident Torsten Geerdts.

Unabhängig vom Ausgang der Personalie von Boetticher hat die Nord-CDU nun ein schweres Führungsproblem. Eine Umfrage im Mai sah die Partei noch knapp vor der SPD, die mit dem Kieler Oberbürgermeister Torsten Albig als Spitzenkandidaten die Wahl ansteuert. Albig setzt auf ein Bündnis mit den Grünen, wofür die Chancen nach derzeitigem Stand gut stehen.

Aus dem Skandal um seinen Konkurrenten will Albig keinen politischen Vorteil ziehen. "Mir steht es nicht zu, das Privatleben von Herrn Boetticher zu beurteilen", sagte er dem "Handelsblatt". "Uns als SPD geht es darum, die nächste Landtagswahl zu gewinnen. Wir gewinnen, wenn wir uns gut aufstellen."

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Quelle: n-tv.de