Politik

Letzte Soldaten auf dem Heimflug Bundeswehr hat Afghanistan verlassen

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Ende einer schwierigen Mission: Die Bundeswehr zieht ab und Afghanistan droht das Chaos.

(Foto: dpa)

Bis zur letzten Sekunde ist der Termin eine geheime Verschlusssache, doch jetzt ist es vollbracht: Der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan ist beendet. Die letzten deutschen Soldaten sind an Bord einer Militärmaschine auf dem Weg zurück in die Heimat. Doch ein Friede für das Land ist nicht in Sicht.

Der Einsatz der Bundeswehr am Hindukusch ist Geschichte: Nach fast 20 Jahren hat Deutschland die Militärmission in Afghanistan beendet. Die letzten verbliebenen Soldaten wurden von der Luftwaffe aus dem Feldlager in Masar-i-Scharif ausgeflogen, wie die Bundeswehr mitteilte. An Bord der vier Flugzeuge waren demnach auch die zur Absicherung des Lagers in den Norden Afghanistans verlegten Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK). Die Soldaten wurden nach einem Flug über Georgien am Mittwoch in Deutschland erwartet.

"Nach fast 20 Jahren Einsatz haben heute Nacht die letzten Soldatinnen und Soldaten unserer Bundeswehr Afghanistan verlassen", teilte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer mit. "Ein historisches Kapitel geht zu Ende, ein intensiver Einsatz, der die Bundeswehr gefordert und geprägt hat, bei dem sich die Bundeswehr im Kampf bewährt hat. Ein Einsatz, bei dem Angehörige unserer Streitkräfte an Leib und Seele verletzt wurden, bei dem Menschen ihr Leben verloren haben, bei dem wir Gefallene zu beklagen hatten", so die CDU-Politikerin.

Sorge vor einem Angriff bis zuletzt

Bei dem Einsatz kamen nach Angaben der Bundeswehr 59 Soldaten ums Leben, 35 davon durch "Fremdeinwirkung". Die letzten Soldaten wurden mit vier Militärmaschinen aus dem Feldlager Camp Marmal in Masar-i-Scharif ausgeflogen. Dabei handelte es sich um zwei deutsche Transportflugzeuge vom Typ A400 M und zwei US-Flugzeuge vom Typ C17. Die letzte Maschine, eine A400M der Luftwaffe, verließ den afghanischen Luftraum um 21.24 Uhr. An Bord war der deutsche Kommandeur Ansgar Meyer.

Die Bundeswehr hatte den Abzug zuletzt deutlich vorantreiben müssen, nachdem die US-Regierung unter Präsident Joe Biden den Abzug beschleunigt hatte. Die USA als größter Truppensteller hatten sich zunächst auf einen Abzug bis zum 11. September festgelegt, dem 20. Jahrestag der Terroranschläge des islamistischen Netzwerks Al-Kaida in den USA. Aus den USA wurde auf einen Abzug bis zum 4. Juli - dem US-Nationalfeiertag - gedrängt. In Afghanistan hat sich die Sicherheitslage mit Beginn des Abzugs der internationalen Truppen zugespitzt. Seit 1. Mai haben die militant-islamistischen Taliban etwa 90 der rund 400 Bezirke des Landes neu erobert. Unklar blieb bis zuletzt, ob es zu einem Angriff auf das Feldlager kommen würde. Die Bundeswehr hatte Verstärkung in das Lager gebracht.

Rückkehrer müssen in Quarantäne

Das Verteidigungsministerium hatte zuletzt mitgeteilt, dass die Rückverlegung deutscher Soldaten der NATO-Mission "Resolute Support" aus Afghanistan "planmäßig" laufe. Das Kontingent liege noch bei 570 Soldatinnen und Soldaten. Das Camp Marmal in Masar-i-Scharif - die Basis der deutschen Soldaten in Nordafghanistan - werde nach Einsatzende an die Afghanen zurückgegeben. Derzeit werden Männer und Frauen aus dem Einsatz über die georgische Hauptstadt Tiflis zurück in die Heimat gebracht.

Auch die NATO-Partner holen ihre Soldaten momentan zurück in die Heimat. Vor wenigen Tagen warnten die Vereinten Nationen vor einem weiteren Vormarsch der Taliban in dem Land. Nach der Eroberung Dutzender Regionen in den vergangenen Wochen schienen diese sich darauf vorzubereiten, Provinzhauptstädte in Afghanistan einzunehmen, sobald die NATO-Truppen vollständig abgezogen sind.

Die zurückkehrenden Bundeswehrsoldaten erwartet in Deutschland derweil eine zweiwöchige Pflichtquarantäne. Die Bundeswehr habe sich zu dieser Maßnahme entschlossen, um die Einschleppung der hoch ansteckenden Delta-Variante zu verhindern, berichtete der "Spiegel" am Montag. Die aus Indien stammende Variante des Coronavirus verbreitet sich derzeit stark im nahe gelegenen Afghanistan. Im Juni hatte sich demnach ein deutscher Soldat in Afghanistan mit der Delta-Variante infiziert.

20 Jahre später: Misserfolge verstehen

Für die Bundeswehr bedeutete der Einsatz in Afghanistan ein neues Kapitel. Es war nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und zur militärischen Unterstützung der USA aufgeschlagen worden. Der Bundestag hatte am 22. Dezember 2001 das erste Afghanistan-Mandat verabschiedet. Im Januar 2002 trafen die ersten Kräfte in der Hauptstadt Kabul ein. "Am 14. Januar 2002 beteiligten sich erstmals deutsche Soldaten an einer Patrouille in der kriegszerstörten Stadt", erklärte die Bundeswehr rückblickend.

Deutschland war im Norden Afghanistans Führungsnation und in dieser Rolle bis zuletzt bei der Nato-Ausbildungsmission "Resolute Support" engagiert. Die Opposition und auch die Wehrbeauftragte Eva Högl haben wiederholt eine Evaluierung des Einsatzes gefordert, um erreichte Fortschritte und Misserfolge besser zu verstehen und Schlussfolgerungen für künftige und laufende Einsätze zu ziehen.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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