Politik

Unerlaubt in den Krieg gezogen? Bundeswehr vermisst einen Fallschirmjäger

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Auf eigene Faust aus dem Krankenstand in den Krieg? Fallschirmjäger verstehen sich eigentlich als eingeschworene Gemeinschaft (Archivbild).

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Fall ist brisant: Bei der Bundeswehr soll sich ein voll ausgebildeter Elitesoldat mit Teilen seiner Ausrüstung auf eigene Faust in Richtung Ukraine abgesetzt haben. Offiziell will sich niemand dazu äußern. Seine Dienstwaffen sind angeblich unter Verschluss.

Ein fahnenflüchtiger Fallschirmjäger der Bundeswehr hat sich einem Zeitungsbericht zufolge womöglich den prorussischen Separatisten in der Ostukraine angeschlossen. Es gebe Hinweise, dass der Soldat dort bereits an Gefechten teilgenommen habe, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Donnerstagsausgabe unter Berufung auf nicht näher benannte Quellen.

Diesen Angaben zufolge war der Hauptgefreite, der zu den Fallschirmjägern im niedersächsischen Seedorf gehört, kürzlich zunächst für zwei Wochen krankgeschrieben. Danach sei er "nicht zum Dienst erschienen", heißt es laut "SZ" in einer vertraulichen Dienstmeldung. "Mit ihm fehlt seine Gefechtsausrüstung."

Privat in den Krieg?

Erste Ermittlungen hätten ergeben, dass sich der ausgebildete Soldat "wahrscheinlich in die Ukraine abgesetzt" habe, um dort die pro-russischen Separatisten zu unterstützen. Nach "Aussage eines Zeugen", der mit dem Soldaten über den Kurznachrichtendienst "WhatsApp" Verbindung gehabt haben will, "befand sich der Soldat bereits in Gefechten in der Ukraine". Belege gibt es dafür offenbar nicht.

Bei dem fahnenflüchtigen Mann soll es sich um einen deutschen Staatsbürger handeln. Angaben aus Militärkreisen zufolge wurde er 1991 in der zerfallenden Sowjetunion geboren. Welche Motive den etwa 23-jährigen Soldaten tatsächlich zu einer "unerlaubten Entfernung von der Truppe" bewogen haben könnten, blieb zunächst unklar. Denkbar wäre es zum Beispiel auch, dass sich der Flüchtige in eine ganz andere Richtung abgesetzt hat. Kontaktversuche seien bislang erfolglos geblieben, heißt es.

Die Ausrüstung mitgenommen

Der gesuchte Mann habe sich vor zwei Jahren als Zeitsoldat bei der Bundeswehr für vier Jahre verpflichtet, schreibt die SZ weiter. In Militärkreisen wird versichert, dass er keine Schusswaffe der Bundeswehr mitgenommen habe. Bei seiner Gefechtsausrüstung dürfte es sich demnach um Uniformteile und persönliche Ausrüstungsgegenstände wie etwa Helm, Stiefel oder Rucksack handeln.

In der Ostukraine kämpfen Separatisten gegen ukrainische Soldaten. Mutmaßlich werden die prorussischen Kräfte von Russland unterstützt. Eine kürzlich zwischen den Konfliktparteien vereinbarte Waffenruhe wird immer wieder gebrochen.

Offiziell wollte sich die Bundeswehr auf Anfrage der Zeitung nicht zu dem möglichen Fahnenflucht-Fall äußern. Ein Sprecher der Streitkräfte verwies auf laufenden Ermittlungen. Der junge Mann dürfte bei den Feldjägern - und mittlerweile wohl auch international - zur Fahndung ausgeschrieben sein. Auf Fahnenflucht stehen in Deutschland laut Wehrstrafgesetz bis zu fünf Jahre Haft. Schon der Versuch ist strafbar.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa