Politik

Hunderttausende Afrikaner hungern Care sammelt für Dürreopfer

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Dem zweijährigen Aden Saalad wird in Kenia von den "Ärzten ohne Grenzen" geholfen.

(Foto: AP)

Eine unvorstellbare Dürre am Horn von Afrika führt zur weltweit schlimmsten humanitären Katastrophe. 500 Millionen Dollar sind schätzungsweise für eine "erste Linderung" notwendig. Kanzlerin Merkel, derzeit in Afrika, bringt eine Million Euro mit.

Für eine erste Linderung der Hungerkatastrophe in Somalia sind nach Einschätzung des UN-Welternährungsprogramms rund 500 Millionen US-Dollar bis Ende des Jahres nötig. Der Sprecher des Programms in Deutschland, Ralf Südhoff, beklagte im Deutschlandradio Kultur, selbst das Welternährungsprogramm habe für seine Projekte oft nur für kurze Zeit finanzielle Sicherheit.

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Ein ausgezehrter Junge, der mit seiner Familie vor der Dürre im Süden Somalias geflohen ist, hat Mogadischu erreicht.

(Foto: dpa)

Der Chef des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR), Antonio Guterres, hatte am Montag die Internationale Gemeinschaft zu Spenden für das weltgrößte Flüchtlingscamp Dadaab in Kenia an der Grenze zu Somalia aufgerufen und von der schlimmsten humanitären Katastrophe der Welt gesprochen. Insgesamt sind zehn Millionen Menschen, darunter zwei Millionen Kinder, von der Hungersnot am Horn von Afrika bedroht.

Merkel bringt eine Million Euro mit

Unter dem Eindruck der katastrophalen Dürre und Hungersnot spendet Deutschland eine Million Euro für Dadaab. Das teilte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einem Treffen mit Kenias Staatspräsident Mwai Kibaki in Nairobi mit. Dadaab war einst für 90.000 Menschen gebaut worden. Inzwischen leben dort rund 380.000 Flüchtlinge. Die meisten kommen aus Somalia. Jede Woche strömen weitere 10.000 Menschen dorthin. Die meisten haben in ihrer vom Bürgerkrieg zerrütteten Heimat ihr gesamtes Vieh verloren.

Auch wenn die Organisation den internationalen Vertretern die Notlagen detailliert beschrieben habe, kämen die Hilfen nicht automatisch, sagte Südhoff weiter. "Das heißt, wir müssen trotzdem dann danach mit dem Hut von Regierung zu Regierung laufen." Auch Geld für präventive Hilfe sei nur sehr schwer zu bekommen. Öffentliche und private Spender würden dann nur sehr ungern aktiv.

Es komme erschwerend hinzu, dass eine schleichende Katastrophe wie jetzt am Horn von Afrika nicht solche Bilder liefere wie ein Erdbeben in Haiti oder eine Flut in Pakistan, sagte Südhoff. Nach Einschätzung des Sprechers wurde über die Folgen des Hungers in Somalia bislang weniger berichtet als über die jüngsten Erdbeben.

UNO fordert mehr Camps von Kenia

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In Iffou 2, einer noch nicht von Kenia genehmigten Erweiterung des Lagers Dadaab.

(Foto: AP)

Die Vereinten Nationen haben die kenianische Regierung dringend dazu aufgerufen, ein weiteres Flüchtlingscamp für die Dürre-Opfer zu eröffnen. Guterres sagte, er habe diesbezüglich "konstruktive" Gespräche mit dem kenianischen Minister für Provinzverwaltung und Innere Sicherheit, George Saitoti, geführt. Guterres hatte sich in den vergangenen Tagen selbst ein Bild von der Lage in den Camps in Kenia und Äthiopien gemacht.

Nairobi hat es bisher abgelehnt, ein weiteres Lager in der Nähe des völlig überfüllten Dadaab-Camps im Norden Kenias zu eröffnen. Die Regierung fürchtet, dass sich die Hunderttausenden Flüchtlinge dauerhaft in Kenia niederlassen könnten.

Care ruft zu Spenden auf

Die Hilfsorganisation Care bittet inzwischen weltweit um Spenden. Care plant nach eigenen Angaben, insgesamt 1,8 Millionen Menschen in Äthiopien, Somalia und Kenia mit Nahrung, Wasser und Hilfsgütern zu unterstützen.

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Afrika leidet unter der "schlimmsten humanitären Katastrophe" der Welt, so UNHCR-Chef Guterres.

(Foto: AP)

Der Hauptgeschäftsführer von Care Deutschland-Luxemburg, Anton Markmiller, sagte laut Mitteilung: "Nach mehreren Jahren mit schweren Dürrephasen sterben die Nutztiere weg, so dass den Menschen die Lebensgrundlage entzogen wird." In Deutschland wirbt Care zusammen mit "Aktion Deutschland Hilft" um Spenden (Spendenkonto: 102030, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 37020500).

Markmiller betonte, es sei wichtig, auch die Ursachen der Dürre nicht aus dem Auge zu verlieren. "Das Horn von Afrika ist chronisch von Nahrungsmittelknappheit bedroht, und die Gründe sind vielfältig: Tief verwurzelte Armut, Klimawandel, Konflikt und soziale Ungerechtigkeit." All diese Probleme müssten angegangen werden.

Quelle: ntv.de, dpa