Politik

Treffen mit US-RegierungDänemark und Grönland ziehen in Washington "rote Linien"

14.01.2026, 20:13 Uhr
imageVon Roland Peters, New York
Video poster

Nach dem Krisengespräch zwischen den USA, Dänemark und Grönland gibt es keine Lösung im Konflikt um die Arktisinsel. Zwischen den Parteien bestehe eine "fundamentale Meinungsverschiedenheit", sagt der dänische Außenminister Rasmussen nach dem Treffen mit US-Außenminister Rubio und US-Vizepräsident Vance in Washington.

Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen tat nach dem kolportierten Schicksalstreffen über die Zukunft Grönlands mit US-Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio alles, um konstruktiv zu klingen. Dänemark und die NATO könne mehr für die Sicherheit des Landes und der Arktis tun. "Die USA können immer danach fragen, ihre Präsenz in Grönland zu erhöhen."

In Washington machten Rasmussen und die grönländische Außenministerin Vivan Motzfeldt den US-Amerikanern in direktem Austausch klar, dass Grönland ein Teil des dänischen Königreichs ist und bleiben soll. Es gebe eine "fundamentale Meinungsverschiedenheit" zu der Frage, sagte Rasmussen. Dänemark habe "rote Linien" zur Souveränität gezeichnet, sich aber gemeinsam mit Grönland offen für verstärkte Sicherheitsmaßnahmen mit den USA gezeigt.

US-Präsident Donald Trump hatte im Vorfeld des Treffens in Washington geschrieben - das erste persönliche zum Thema nach mehr als einem Jahr öffentlicher Forderungen -, zu einer Annektierung Grönlands durch die USA gebe es "keine Alternative". Nur so könne die Sicherheit gegenüber Russland und China gewährleistet werden. Ganz nach dem alten Motto: Gehe mit einer Maximalforderung in Gespräche, um dich zu deinem Ziel herunterhandeln lassen zu können, hatte Trump keine Option ausgeschlossen, um seine Hände an Grönland legen zu können - ein Kauf, eine Annexion, gar militärische Gewalt liegen auf dem Tisch.

Im geopolitischen Adrenalinrausch

Der US-Präsident verhält sich außenpolitisch immer wieder wie ein Sportler im Siegeradrenalinrausch: Nach einem Erfolg tönt er, was er sonst noch alles erreichen kann und will. Kaum war Venezuelas Präsident Nicolás Maduro erfolgreich entführt, drohte Donald Trump einer ganzen Reihe weiterer Länder, darunter auch Grönland. Er wollte es in seiner ersten Amtszeit übernehmen, kurz nach Antritt zur zweiten, und er will es weiterhin: Das Land nach imperialistischer Art annektieren. "Die Nato wird viel mächtiger und effektiver, wenn Grönland in den Händen der Vereinigten Staaten liegt", hatte Trump am Morgen des Treffens behauptet. "Wenn wir es nicht bekommen, wird es Russland oder China sein!", tönte er.

Entsprechend präsentierten sich die US-Vertreter offenbar. Rasmussen sagte danach, bei den Gesprächen habe es unterschiedliche Positionen gegeben, sie seien aber konstruktiv verlaufen. Die Forderungen der USA seien "total inakzeptabel" gewesen. Die Sorgen der USA zur Sicherheit Grönlands würde Dänemark jedoch "zu einem gewissen Maß teilen". Dazu sei eine hochrangige Arbeitsgruppe mit den Vereinigten Staaten vereinbart worden, die in den kommenden Wochen erstmals zusammenkommen soll. "Er ist nicht gelöst", sagte Rasmussen zu dem diplomatischen Konflikt mit Washington. Motzfeldt und er hätten es nicht geschafft, die Position des US-Präsidenten zu ändern.

Für erhöhte Militärpräsenz der USA auf Grönland gebe es bereits "die perfekte Rahmenstruktur", so Rasmussen. Damit bezog er sich auf ein Abkommen zwischen Dänemark und den USA aus dem Jahr 1951, was den Vereinigten Staaten weitreichende Freiheit auf dem Territorium Grönlands gibt. Demnach können die USA ihre Militärpräsenz auf dem riesigen Territorium jederzeit ausbauen, falls sie wollen. Sie müssen nur fragen, was als Formsache gilt. Während des Kalten Krieges hätten die USA "zu einem Zeitpunkt 17 verschiedene Einrichtungen und Militärbasen" gehabt, so Rasmussen, nun sei es noch eine. Sie hatten 10.000 Soldaten stationiert, jetzt noch 200. "Das ist nicht unsere Entscheidung. Das ist eine US-Entscheidung."

Lieber besitzen als Regeln folgen

Trump ist ein sogenannter Souveränist, hat die Wissenschaftlerin Jennifer Mittelstadt von der Universität Rutgers analysiert. Heißt: Internationale Verträge, die möglicherweise sogar mit Verpflichtungen gegenüber anderen Ländern einhergehen und seinen Handlungsspielraum eingrenzen, sind ihm tendenziell zuwider. Trump hat sich offenbar in den Kopf gesetzt, das Land besitzen zu wollen. Es sei wichtig für den "Golden Dome", den von seiner Regierung geplanten Raketenabwehrschirm der USA gegen mögliche Bedrohungen aus China und anderswo. Doch weder möchte Grönland gekauft werden - im vergangenen Jahr sprachen sich in einer Umfrage 85 Prozent gegen einen Übertritt zu den Vereinigten Staaten aus -, noch hätte Dänemark überhaupt das Recht, es zu verkaufen, sagte Olesen.

Im strategischen Geschiebe der globalen Großmächte mag Trumps Ruf nach mehr Sicherheit sinnvoll sein, aber dafür bräuchten die Vereinigten Staaten es nach Ansicht von Experten nicht zu annektieren. "Die USA haben in Grönland so viel Spielraum, dass sie so ziemlich alles tun können, was sie wollen", sagte Mikkel Runge Olesen, Forscher am Dänischen Institut für Internationale Studien in Kopenhagen, zur "New York Times". Olesen sieht demnach kaum vertragliche Hindernisse: "Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass die USA nicht so ziemlich alles bekommen könnten, was sie wollen." Nur nicht die Insel Grönland selbst, wie es aussieht.

Quelle: ntv.de