Politik
Minister Thomas de Maizière und Kommandeur Markus Kneip am Denkmal für die getöteten Soldaten in Masar-i-Scharif.
Minister Thomas de Maizière und Kommandeur Markus Kneip am Denkmal für die getöteten Soldaten in Masar-i-Scharif.(Foto: REUTERS)
Samstag, 26. März 2011

Truppen-Besuch in Afghanistan: De Maizière spricht von Krieg

Drei Wochen nach Amtsantritt ist Verteidigungsminister de Maizière zu seinem ersten Truppenbesuch in Afghanistan. Den Soldaten spricht er Mut zu, stellt sie aber auch auf weitere Verluste ein. Er spricht von Krieg und einer "sehr entscheidenden" Phase des Einsatzes.

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat den Einsatz der Bundeswehrsoldaten in Afghanistan als einen "Einsatz wie im Krieg" bezeichnet. "Hier ist vieles von dem, was Sie tun, ein Einsatz wie im Krieg - nicht für alle, nicht zu jeder Zeit für alle, in unterschiedlicher Weise, aber doch sichtbar und greifbar", sagte de Maizière in einer Ansprache vor Bundeswehrsoldaten in Masar-i-Scharif. Dort befindet sich das von der Bundeswehr geführte Regionalkommando Nord der NATO-Afghanistantruppe ISAF. Damit verwendete de Maizière wie sein Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) den Begriff "Krieg" für den Afghanistan-Einsatz.

Der Minister, der den deutschen Soldaten seinen Respekt und seine Anerkennung zollte, sieht den Afghanistan-Konflikt in einer entscheidenden Phase. Nach dem Winter werde sich nun zeigen, ob und wie die Taliban auf die Erfolge der internationalen Schutztruppe reagieren: "Die nächsten Wochen und Monate werden sehr entscheidend sein."

De Maizière und Bundeswehrsoldaten im ISAF-Hauptquartier in Kabul.
De Maizière und Bundeswehrsoldaten im ISAF-Hauptquartier in Kabul.(Foto: dapd)

De Maizière besucht drei Wochen nach seinem Amtsantritt erstmals als Verteidigungsminister Afghanistan. Er hatte Anfang März den Posten des Verteidigungsministers von Guttenberg übernommen, nachdem dieser wegen der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit zurückgetreten war. De Maizière hatte bis dahin das Amt des Bundesinnenministers inne. In dieser Funktion war er bereits vor einem Jahr nach Afghanistan gereist, um sich dort über die maßgeblich von Deutschen organisierte Polizeiausbildung zu informieren.

Gespräche mit Karsai und Petraeus

De Maizière und Petraeus.
De Maizière und Petraeus.(Foto: dapd)

Zunächst traf de Maizière in der Hauptstadt Kabul den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai und den ISAF-Kommandeur, US-General David Petraeus. Anschließend flog er am Nachmittag ins ISAF-Hauptquartier für Nordafghanistan nach Masar-i-Scharif.

Awacs-Einsatz in wenigen Tagen

Erst am Freitag hatte der Bundestag eine Ausweitung des Bundeswehreinsatzes beschlossen. Bis zu 300 Soldaten zusätzlich sollen für Awacs-Aufklärungsflüge zur Verfügung gestellt werden. De Maizière verteidigte die Entscheidung, die auch zur Entlastung der Verbündeten im Libyen-Krieg beitragen soll.

Die deutschen Besatzungen sollen nun so schnell wie möglich nach Afghanistan geschickt werden. "Das ist eine Frage von Tagen, nicht von Wochen", sagte de Maizière. In der Anfangsphase sollen 70 bis 100 Soldaten entsandt werden. Derzeit sind bereits 5000 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan stationiert.

"Ein Weg, der Verluste kostet"

Auf dem Flug von Berlin nach Termez in Usbekistan spricht de Maiziere mit den mitreisenden Journalisten. Termez ist das Drehkreuz für den Truppentransport von Deutschland nach Afghanistan.
Auf dem Flug von Berlin nach Termez in Usbekistan spricht de Maiziere mit den mitreisenden Journalisten. Termez ist das Drehkreuz für den Truppentransport von Deutschland nach Afghanistan.(Foto: dapd)

Der Minister stellte die Soldaten auch auf weitere Verluste ein. Es sei klar, dass "das Freikämpfen von Gebieten (...) ein Weg ist, der Verluste kostet", sagte er. "Das ist ein hoher Zoll, der zu bezahlen ist, aber er ist mit diesem Einsatz verbunden." Seit Beginn des Einsatzes 2001 sind 46 deutsche Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen.

Zuletzt wurden im Februar drei Soldaten bei einem Amoklauf eines afghanischen Soldaten in einem Außenposten getötet. "Dieser tragische Zwischenfall ist ein Einzelfall", sagte de Maizière dazu und verteidigte das bisherige Ausbildungskonzept. Das sogenannte Partnering, bei dem deutsche und afghanische Einsatzkräfte auch in vorderster Front zusammen kämpfen, sei der "Schlüssel zum Erfolg" bei der Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen.

US-General Petraeus würdigte die Erfolge der Bundeswehr in Nordafghanistan in den vergangenen Monaten. Er verwies vor allem auf die Operationen gegen die Taliban in den Unruheprovinzen Kundus und Baghlan. Bei allen Schwierigkeiten habe es dort "beeindruckende Fortschritte" gegeben.

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Quelle: n-tv.de