Politik

Code N82 Der Christ, der von Erdogan rausgeworfen wurde

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Hans-Jürgen Louven wurde 2019 aus der Türkei vertrieben - seiner Wahlheimat, seinem Sehnsuchtsort

(Foto: Issio Ehrich)

Mehr als zwanzig Jahre lang hat Hans-Jürgen Louven in der Türkei gelebt. Dann wurde er des Landes verwiesen. Angeblich gefährden er und eine Reihe anderer Christen die Sicherheit der Nation. Die Bundesregierung schweigt.

Der Weg zum Abendmahl windet sich von der österreichischen Stadt Feldkirch zwischen Nadelwäldern und Kalkmassiven einen Hang hinauf. Die harte Erde ist von Wurzeln durchzogen und von Steinen durchsetzt.

Rund 30 Mitglieder der Freien Evangelikalen Gemeinde Feldkirch stapfen den Pfad empor. Sie lesen sich dabei aus der Bibel vor. "Das Reich, dessen König ich bin, ist nicht von dieser Welt..." Am Ende des Wegs ist zwischen den Tannen eine mittelalterliche Burg zu erkennen, darüber schwarze Wolken. Jeden Moment könnte es regnen.

Es ist Anfang April, Karfreitag, Hans-Jürgen Louven, die Arme hinterm Rücken verschränkt, den Kopf beim Laufen nach vorn geneigt, sticht mit seinen 1,89 Metern aus der Gruppe hervor. "Wenn nicht alles so schief gelaufen wäre, wäre ich dieses Ostern vielleicht ans Meer gefahren", sagt er. "An einen der schönsten Strände der Türkei." Louven sehnt sich nicht nach Urlaub, er sehnt sich nach einem Lebensgefühl. Österreich ist für ihn Exil.

Louven wurde 2019 aus der Türkei vertrieben - seiner Wahlheimat, seinem Sehnsuchtsort. Er wurde von seiner türkischen Gemeinde getrennt, von seinen türkischen Freunden und Nachbarn.

Kaum bemerkt von der Öffentlichkeit ist in der Türkei eine Abschiebewelle im Gang, die religiös motiviert zu sein scheint. Nach Angaben der türkischen Vereinigung protestantischer Kirchen wurden in den vergangenen zwei Jahren 65 Christen aus verschiedensten Ländern aus der Türkei ausgewiesen.

Der Wind bläst feuchtkalt über die Hänge. Louven und seine Exil-Gemeinde finden hinter den Mauern der Burg Schutz. Plastikbecher gehen herum, Traubensaft und Brotecken. Louven senkt den Kopf, schließt die Augen und hört den Versen zu. "Dieser Becher ist der neue Bund, besiegelt mit meinem Blut, das für euch vergossen wird..."

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Hans-Jürgen Louven und seine Frau am Karfreitag beim Abendmahl.

(Foto: Issio Ehrich)

Kaum ist das Abendmahl beendet, spricht Enttäuschung aus Louvens Worten: "Dass wir von der türkischen Regierung auf diese krasse Weise behandelt wurden, ist 'ne harte Nummer", sagt er. "Die Bundesregierung müsste das laut und deutlich zur Sprache bringen." Das tut sie aber nicht. Louven ist deutscher Staatsbürger, trotzdem weigert sich das Auswärtige Amt, sich zu äußern. Auch die türkische Botschaft in Wien reagierte nicht auf eine Interview-Anfrage. Eine Geschichte über zerstörte Existenzen und Diplomatie.

"Wir sind vielleicht nicht wichtig genug"

Die deutsch-türkischen Beziehungen sind politisch stark aufgeladen: das ewige Ringen um den EU-Beitritt, umstrittene Wahlkampfauftritte des türkischen Präsidenten in Deutschland, das umstrittene Flüchtlingsabkommen. Kräftig auf den Tisch zu hauen, war in all diesen Fragen nie der Kurs der Bundesregierung. In der Diplomatie heißt es oft, dass Gespräche im stillen Vertrauen zielführender seien. Aber nach zwei Jahren noch immer Schweigen? Louven glaubt, dass Berlin mit der Religionsfreiheit nicht noch ein diplomatisches Minenfeld betreten will. "Wir sind da vielleicht nicht wichtig genug."

Verglichen mit Zehntausenden Türken, die vom Regime Recep Tayyip Erdogans als Putschisten festgenommen wurden, oder mit den Abgeordneten der linken Oppositionspartei HDP, die in die Illegalität getrieben werden, mag das Schicksal von ein paar Dutzend Christen tatsächlich nicht so bedeutsam wirken. Doch für die betroffenen Menschen, geht es um viel.

Nicht weit von der Burg entfernt, sitzt Louven in seiner neuen Wohnung. Er ist jetzt das, was man in der Türkei "Hanım Köylü" nennt: ein Mann, der im Dorf seiner Frau wohnt. Die ist Österreicherin. Zwischen Küche und Esszimmer hat Louven in dem modernen Neubau eine türkische Ecke eingerichtet. Dicke Kissen liegen auf feingemusterten Teppichen. Daneben stehen ein glänzendes Teeservice und Mokka-Pötte. Louven packt ein Fotoalbum aus. Mehr als zwanzig Jahre Leben in der Türkei - zusammengepresst auf einen Stoß Papier. "Ich habe das Land und die Leute geliebt", sagt Louven. Er zeigt auf ein Bild der denkmalgeschützten Altstadt von Mugla. "Die Straßen sind da so schmal, dass keine Autos fahren", sagt er. Louven spricht von "Herrn Hassan", der beim Restaurieren seines Grundstücks geholfen habe, er erinnert sich an den Walnussbaum in seinem Innenhof. "Ein einzigartiger Ort." Louven hat sich in der Türkei eine Existenz aufgebaut. Mehr noch: Er hat sich eine kleine Welt geschaffen, die im Einklang mit seinem Glauben steht.

Louven kam 1961 in Uerdingen am Niederrhein zur Welt. Abitur, Sportwissenschaft an der Uni Köln, Biologie auf Lehramt. Er traf auf eine Gruppe von Studenten, die einmal die Woche über "Lebensfragen" sprachen. Louven entdeckte, was er heute eine "lebendige Beziehung zu einem lebendigen Gott" nennt. Er entschied sich, sein Leben Jesus zu widmen. Dann spürte er schnell, dass er dieses "Geschenk" weitergeben möchte. Louven begann eine theologische Ausbildung. Zum Abschluss reiste er erstmals in die Türkei. Organisiert wurde der Trip von einer christlichen Missionsgesellschaft.

Angekommen in der Provinz Mugla war Louven überwältigt. Ein großer Teil der neutestamentlichen Geschichte spielt in der Türkei. Louven erkundete die Ruinen von Ephesos, Hierapolis und Laodizea, und er dachte dabei an die Bibel: "Sie haben alle Versammlungsstätten Gottes im Land verbrannt", wie es in den Psalmen heißt. "Kein Prophet ist mehr da, und keiner bei uns ist da, der weiß, bis wann." Noch als junger Mann kam Louven immer wieder in die Türkei. Bald stand für ihn fest, dass er nicht nur seinen Glauben, sondern auch seine Art, das Land zu erkunden, teilen wollte. Louven entschied, selbst Reisen für Christen in die Türkei zu organisieren. Mitte der 1990er-Jahre zog er mit seiner Frau nach Mugla.

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Fotos aus der alten Heimat.

(Foto: Issio Ehrich)

Vielleicht ist auch das ein Grund, warum die Bundesregierung sich nicht öffentlichkeitswirksam für die Verstoßenen einsetzt: Viele der Ausgewiesenen sind Missionare. Wenn im Kalkül diplomatischer Wagnisse das Solidarisierungspotenzial der Gesellschaft mit den Betroffenen eine Rolle spielt, ist es in diesem Fall womöglich kein Argument, anders als bei bekannten Journalisten oder mutigen Menschenrechtsaktivsten. Beim Stichwort "evangelikal" ist die Skepsis wohl besonders groß. Louven klagt über "Gender-Mainstreaming", er vergleicht die Zahl täglicher Corona-Toter mit der Zahl abgetriebener Kinder und er weiß, dass er damit in Deutschland aneckt. Mit dem Kern seines Problems allerdings hat das nichts zu tun. Louven hat viel in der Türkei investiert. Er kaufte einen alten Ford Transit, um seine Besucher zu heiligen Stätten zu bringen. Er baute zwei Gästehäuser auf. Er renovierte eine 3000 Quadratmeter große Farm mit Volleyballfeld und Grillplatz. Alles im Rahmen der türkischen Gesetze. Jetzt kämpft er um sein Recht - mit einem Staat, der kein Rechtstaat mehr ist.

In der Türkei sind fast alle Bürger Muslime, doch das Land ist eigentlich eine laizistische Nation. Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk sah die Zukunft im Westen, deshalb ließ er die Trennung von Staat und Religion in der Verfassung verankern. Seit 1991 sind ausdrücklich auch religiöse Missionstätigkeiten erlaubt.

Louven zückt ein Schreiben des Bürgermeisteramts von Mugla aus dem Jahr 2000. "Wie ja auch in der türkischen Verfassung durch die Trennung von Staat und Religion gewährleistet ist, versichern wir Ihnen, dass sowohl die Beschäftigten Ihrer Gesellschaft als auch Ihre Gäste sich gemäß ihres Glaubens frei verhalten und bewegen können", steht darin. "Ich bin überzeugt, wenn sich Menschen unterschiedlicher Kultur- und Glaubensüberzeugungen gut verstehen, leistet das einen wichtigen Beitrag zum Weltfrieden und zur Völkerverständigung", so der Bürgermeister. Ein ähnliches Schreiben hat Louven von der Provinzregierung bekommen. Louven, der fließend Türkisch spricht, glaubt, dass auch die Bürger ihn herzlich aufgenommen hätten. "Wir haben Touristen in die Türkei gebracht, die sich wirklich für Land und Leute interessieren", sagt er. Seine Gäste seien positiv aufgefallen, weil sie nicht schon mittags alkoholisiert am Strand gelegen hätten oder in den Augen der Einheimischen halbnackt herumgerannt seien.

Als Louven im Sommer 2019 das Migrationsamt in Mugla aufsuchte, um routinemäßig seine Aufenthaltserlaubnis zu verlängern, ahnte er nicht, dass seine Tage gezählt waren. Eine Mitarbeiterin sagte ihm, dass eine Anordnung aus Ankara eingegangen sei: Er müsse die Türkei binnen zehn Tagen verlassen. "Ich habe meinen Freundeskreis kontaktiert", sagt Louven, "auch für Gebete."

Viele der anderen Evangelikalen bekamen nicht mal ein Ultimatum. Einige berichten, auf dem Weg in den Urlaub am Flughafen informiert worden zu sein, dass sie nicht wieder einreisen dürfen. Andere wurden ohne Vorwarnung nach einem Auslandsaufenthalt nicht mehr ins Land gelassen. Sie hatten keine Chance, Vorkehrungen zu treffen - für Freunde und Familien, Autos und Immobilien. Die Behörden schoben auch Evangelikale mit türkischen Lebensgefährtinnen ab. Für diese waren die Ereignisse besonders tragisch. Plötzlich mussten sich türkische Staatsbürgerinnen entscheiden, ob sie ihre Heimat aufgeben oder ihre Ehe. Erklärungen lieferten die türkischen Behörden den Betroffenen nie: In den Dokumenten waren für die Ausweisung stets "andere Gründe" angekreuzt.

Der Fall Brunson

Louven blickt von seinem Balkon auf die schneebedeckten Alpen. Auch zwei Jahre nach seiner Ausweisung, weiß er nicht genau, warum er gehen musste. "Die Beamten am Flughafen haben mir einen Code auf mein Ticket geschrieben", erinnert er sich. "N82." Hinter dem Code verbirgt sich nach Einschätzung mehrerer Betroffener eine Einstufung als "nationales Sicherheitsrisiko". Louven ist überzeugt, dass die türkischen Behörden nicht offen über ihre Gründe sprechen könnten, weil sie im Widerspruch zur laizistischen Verfassung der Türkei stünden. Er glaubt, dass er als "Risiko" eingestuft wurde, weil er ein evangelikaler Christ ist.

Seit das Bürgermeisteramt Muglu den Missionar Louven ermutigt hat, in den Glaubenstourismus in der Türkei zu investieren, ist viel passiert: 2002 übernahm die religiös-konservative Partei Erdogans die Regierung. Kämpfe um Kopftücher an Universitäten entbrannten, Steuern auf Alkohol stiegen, der sunnitische Islam erlebte eine Renaissance im öffentlichen Leben. Doch der Schluss, dass Erdogan im Namen des Islam gegen religiöse Minderheiten in der Türkei vorgeht, wird der Komplexität der Lage nicht gerecht.

Trotz des verfassungsrechtlich verbrieften Laizismus hatten es religiöse Minderheiten lange vor der Renaissance des Islam im öffentlichen Leben schwer in der Türkei. Missionare hatten in nationalistischen Kreisen der Bevölkerung einen besonders schlechten Ruf. Das hat mit der Geschichte der Türkei zu tun. Im Osmanischen Reich wurden Missionare oft als destabilisierende Kräfte wahrgenommen: Sie verbreiteten Schriften, die im Widerspruch zum geltenden Recht standen. Zugleich waren ihre religiösen Ambitionen und die politischen Interessen ihrer Herkunftsländer oft nicht klar voneinander zu trennen. Als das Reich während des Ersten Weltkriegs zerfiel, verfestigte sich der Eindruck, dass die wachsende Zahl christlicher Missionare ein Angriff auf die Einheit der Nation darstellt. Auch in der frühen Republik unter Atatürk, dem Urheber der laizistischen Reformen, nahm sich der türkische Staat das alleinige Recht, das religiöse Leben im Land zu kontrollieren.

Als der EU-Beitrittsprozess noch Aussicht auf Erfolg hatte, war es Erdogan, der sein Land in Fragen der Religionsfreiheit auf Kurs brachte. Kirchen wurden wiedereröffnet, Juden und orthodoxe Christen konnten sich vom Islamunterricht befreien lassen, immer wieder demonstrierte Erdogans Regierung durch symbolträchtige Auftritte mit Vertretern anderer Religionsgemeinschaften, dass diese dazugehören. Die Lage religiöser Minderheiten war weiterhin prekär, aber es ging voran. Erdogan ist kein religiöser Eiferer, er ist ein opportunistischer Politiker.

Spätestens nach den Gezi-Protesten 2013 und dem Putschversuch 2016 gab Erdogan es allerdings auf, sich ernsthaft um die EU-Mitgliedschaft zu bemühen. Der Machterhalt rückte mehr denn je in den Vordergrund. Erdogan nutzte jede Gelegenheit, sich zu profilieren. Mit Andrew Brunson bot sich ihm eine besondere. Die türkischen Ermittlungsbehörden warfen dem evangelikalen Pastor und amerikanischen Staatsbürger vor, mit dem Gülen-Netzwerk und militanten Kurden paktiert zu haben. Erdogan bot dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump ein Tauschgeschäft an: Brunsons Freiheit für die Auslieferung von Fethullah Gülen, den in Amerika lebenden angeblichen Drahtzieher des Putschversuchs. Doch Trump antwortete mit Sanktionen. Die schwache Lira brach weiter ein. Erdogan musste Brunson entlassen. Eine Schmach. Und vielleicht auch ein Grund für Rache.

Louven glaubt, dass es einen Zusammenhang gibt. "Brunson ist ein Evangelikaler, die, die danach ausgewiesen worden sind, sind auch Evangelikale", sagt er. "2019 gab es eine Konferenz von verschiedenen christlichen Gemeinden. Da muss jemand vom Staat gekommen sein, um sich unsere Namen geben zu lassen."

Im Bericht des Religionsfreiheitsbeauftragten der deutschen Bundesregierung, Markus Grübel, kommt der Fall Brunson vor. Im gleichen Absatz ist von "abstrusen Verschwörungstheorien" gegen Protestanten und von entzogenen Aufenthaltstiteln die Rede. Wie das Auswärtige Amt will aber auch der CDU-Politiker kein Interview geben.

"Hans soll bleiben"

Kurz nachdem Louven von seinem Ultimatum erfuhr, starteten türkische Freunde die Online-Petition "Hans Kalsın": Hans soll bleiben. Fast 1500 Personen beteiligten sich. Doch in Ankara wurde die Petition ignoriert. Louven nahm sich zum ersten Mal in seinem Leben einen Anwalt. Nicht nur seinetwegen, auch wegen der Menschen in der Türkei. Die Behörden in Mugla und viele Bürger stünden doch für eine völlig andere Türkei, sagt er. Sie litten auch unter dieser Politik. Doch auch der Anwalt scheiterte bei dem Versuch, Louvens Rückkehr in die Türkei zu sichern. Nach Niederlagen auf allen Instanzen liegt sein Fall nun beim Verfassungsgericht in Ankara. Grund zur Hoffnung gibt es wenig. Anfang des Jahres wurde dort bereits über einen der betroffenen Christen entschieden. Seine Klage wurde abgelehnt.

Beobachter des Verfahrens sagen, dass der Staat mit Dokumenten argumentiere, die als geheim eingestuft würden. Da die Anwälte der Betroffenen in diese Papiere keine Einsicht bekämen, sei es unmöglich, sich erfolgreich gegen die Vorwürfe zu verteidigen. Mehrere Betroffene erwägen nun eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Dessen Urteile ignorierte die Türkei zuletzt allerdings - selbst in aufsehenerregenden Fällen wie der Inhaftierung des Philanthropen Osman Kavala.

In Louvens Exil gibt es Politiker, die sich auch öffentlichkeitswirksam für ihn einsetzen. "Österreich tut sich manchmal leichter als Deutschland, die Dinge klar anzusprechen", sagt Gudrun Kugler, Menschenrechtssprecherin der ÖVP-Fraktion im österreichischen Nationalrat. Wien steht an der Spitze einer Bewegung in der EU, die eine formelle Einstellung der EU-Beitrittsverhandlungen fordert. "Wir müssen mit einem großen Land wie der Türkei, das vor den Grenzen Europas liegt, zusammenarbeiten", sagt sie. "Das heißt aber nicht, dass wir stillschweigen dürfen über Dinge, die nicht in Ordnung sind." Ihr sei wichtig, dass Österreich sich nicht von der Türkei erpressen lässt - zum Beispiel durch das Flüchtlingsabkommen. Kugler hat wegen der verstoßenen Christen der türkischen Botschaft in Wien einen Brief geschrieben, in dem sie "die völlig unerwartete sowie unbegründete Ausweisung von Herrn Louven" anprangert. Doch auch die Reaktion darauf gibt Louven keinen Grund zur Hoffnung. Auf ihren Protestbrief hat Kugler nicht mal eine Antwort aus Ankara bekommen. Fehlt es Österreich am Ende an geopolitischem Gewicht?

Louven sitzt mit seiner Frau im "Mahir Gözleme", einem türkischen Bistro in seinem österreichischen Exil. Deutschland hätte das nötige Gewicht, davon ist er überzeugt. "Aber ich kann nicht erkennen, dass da jemand für uns einsteht." Louven bestellt eine doppelte Portion Çiğ Köfte, scharfe Frikadellen aus Rindfleisch. "Die sind exzellent", sagt er. "Aber hier ist es trotzdem einfach nicht dasselbe wie in der Türkei."

Louven wollte in Mugla in Rente gehen. Er hatte bereits ein Altenheim entdeckt. Sogar einen Grabstein hat er sich meißeln lassen. "Wer mein Wort hört, und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben", steht darauf. Der Stein liegt auf Louvens Farm. "Der bleibt schön da", sagt er. "Der kann auch ein Stein des Anstoßes sein." Doch über Louvens Farm in Mugla werden wohl weder Vertreter der türkischen noch der deutschen Regierung spazieren.

Quelle: ntv.de

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