Politik

Menschen mit Behinderung Deutsche fordern mehr Einsatz bei Inklusion

Ein Mann sitzt mit seinem Elektro-Rollstuhl an einem Bahnhof am Gleis. Foto: Marijan Murat/dpa/Symbolbild

81 Prozent der Deutschen sehen Verbesserungsbedarf im Umgang mit Menschen mit Behinderung.

(Foto: Marijan Murat/dpa/Symbolbild)

Laut einer Umfrage sollte die Politik weitaus mehr als bisher für Menschen mit Behinderungen tun. Eine Mehrzahl der Deutschen sieht großen Nachholbedarf bei der Inklusion. Sie erkennen dabei mehr Nachteile im Alltag als in der Arbeitswelt.

Die Politik tut nach Auffassung der Bundesbürger nicht genug für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen. 81 Prozent der Deutschen sagen in einer Umfrage, Bund, Länder und Kommunen könnten mehr tun, um das Arbeitsleben und den Alltag der Betroffenen zu erleichtern. Lediglich zwölf Prozent finden, die Politik tue derzeit genug, wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Medizinproduktunternehmens Coloplast ergab.

Am dramatischsten schätzen Menschen die Lage ein, die höchstens über einen Hauptschulabschluss verfügen. Nur acht Prozent von ihnen bewerten die politischen Bemühungen zum Thema Inklusion als ausreichend. Geringfügig besser fällt das Fazit von Menschen mit Mittlerer Reife (zwölf Prozent) und Abitur beziehungsweise Fachhochschulreife (zehn Prozent) aus.

Nur Akademiker bewerten die Lage optimistischer. So kommen immerhin 23 Prozent von ihnen zu einem positiven Urteil. Die Einschätzung beruht bei 45 Prozent der Befragten auf Erfahrungen im persönlichen Umfeld, etwa weil jemand aus der Familie oder dem Kollegenkreis von einer chronischen Erkrankung oder Behinderung betroffen ist.

"In der Wirtschaft findet ein Umdenken statt"

"Inklusion ist ein Menschenrecht", sagte Henning Reichardt, Geschäftsführer bei Coloplast. "Dennoch werden Menschen mit Handicap in Deutschland noch zu oft ausgegrenzt." So sei zum Beispiel ihre Arbeitslosenquote 2018 fast doppelt so hoch wie der Durchschnitt gewesen. Es sei auch Aufgabe der Politik, Hürden für Betroffene in Beruf und Alltag abzubauen.

Der Umfrage zufolge wird allerdings die Inklusion im beruflichen Umfeld deutlich besser eingeschätzt. 64 Prozent der Berufstätigen, die Erfahrungen mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen gemacht haben, schätzen die Einbindung am Arbeitsplatz inzwischen als "gut" oder sogar "sehr gut" ein. Das sei ein Anstieg um 13 Prozentpunkte im Vergleich zum Jahr 2015. "In der Wirtschaft findet gerade ein Umdenken statt", sagte Reichardt. "Aufgrund des Fachkräftemangels können es sich Unternehmen immer weniger leisten, auf Menschen mit Handicap zu verzichten."

Für die Befragung "Inklusion in Beruf und Alltag" wurden 1000 Bundesbürger ab 18 Jahren im Mai und Juni 2019 befragt. Das Forsa-Institut nahm die repräsentative Befragung im Auftrag des Unternehmens Coloplast vor.

Quelle: ntv.de, dbe/AFP