Politik

Hintergrund Die Geschichte des legendären Bernsteinzimmers

Wie weltweit wohl kaum ein zweites Kunstwerk gilt das Bernsteinzimmer der russischen Zaren als Symbol für die wechselhaften Beziehungen zweier Völker. Stand es zunächst für einen Freundschaftspakt, so markiert das bis heute mysteriöse Verschwinden des Bernsteinzimmers in den Kriegswirren 1945 einen Tiefpunkt der deutsch-russischen Geschichte.

Im Jahre 1716 schenkte Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. dem russischen Zaren Peter I. die kostbare Wandtäfelung aus Baltischem Bernstein. Anlass hierfür war ein Freundschaftsbündnis zwischen Preußen und Rußland. Das Kabinett war vermutlich bereits 1701 nach Plänen des Berliner Hofbaumeisters Andreas Schlüter geschaffen worden.

Erst Zarin Elisabeth, die Tochter Peters, fand wirklichen Gefallen an dem Geschenk. Sie ließ es zunächst in das Winterpalais von St. Petersburg, im Jahr 1755 schließlich in ihren neu erbauten Sommerpalast von Zarskoje Selo einbauen. Hier, in dem viel größeren Saal, erhielt das Bernsteinzimmer zusätzliche Wandspiegel, Edelsteineinlagen und vier Florentiner Mosaiken. Damit entstand das als "Achte Weltwunder" bekannte Kunstwerk, ergänzt durch edle Möbel und allerlei Bernstein-Nippsachen. Es war fast 200 Jahre lang das "Schmuckstück" im Katharinenschloss bei St. Petersburg.

Russische Experten brachten 1941 die Ausstattung des Bernsteinzimmers in Sicherheit. Die eigentliche Wandtäfelung allerdings konnten sie nicht vor den heran nahenden deutschen Truppen in Sicherheit bringen. Eine Wehrmachts-Sondereinheit demontierte das Bernsteinzimmer und brachte es in die ostpreußische Hauptstadt Königsberg. Aus Furcht vor der anrückenden Sowjetarmee wurde es hier 1945 erneut abgebaut und in 27 Kisten verpackt nach Westen geschickt.

Damit verliert sich die dokumentierte Spur des Bernsteinzimmers, das zunächst im Schloss von Königsberg für verbrannt gehalten wurde. Historiker, dubiose Experten, Glücksritter und selbst die Geheimdienste in West und Ost interessierten sich für Hunderte von Thesen über den Verbleib des Bernsteinzimmers, das auf einen Wert von mehr als 100 Mio. Euro geschätzt wird.

Neue Hoffnungen auf die Wiederentdeckung machten 1991 Andeutungen des russischen Präsidenten Boris Jelzin bei einem Staatsbesuch in Deutschland. Auch der Überraschungsfund einer Kommode sowie eines der Mosaiken auf dem "grauen Kunstmarkt" brachten 1997 den geheimnisumwitterten Schatz erneut in die Schlagzeilen.

Quelle: ntv.de

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