Politik

Noch kein Ende von Guttenbergs Sorgen Ein blaues Auge für den Baron

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Die Affäre ist für Guttenberg noch längst nicht ausgestanden.

(Foto: dpa)

Im Eiltempo ernennt die Uni Bayreuth Verteidigungsminister Guttenberg den Doktortitel ab. Das geht so schnell, weil Guttenberg schließlich selbst darum gebeten habe. Auf die Klärung der entscheidenden Frage nach einer bewussten Täuschung verzichtet die Uni. Zumindest vorerst.

Um das eine blaue Auge hat er selbst gebettelt, dafür haben sie sein zweites Auge verschont: Im Eiltempo erkannte die Universität Bayreuth Karl-Theodor zu Guttenberg den Doktortitel ab. Weil er selbst darum gebeten hatte, verzichtete die Uni aber darauf, sich die Dissertation ihres bekanntesten Ex-Studenten noch einmal genauer anzusehen. Die für neue Rücktrittsforderungen womöglich entscheidende Frage, ob Guttenberg bewusst getäuscht hat, bleibt damit unbeantwortet - der Sturm der Opposition wehte am Mittwoch aber auch so schon stark genug gegen die oberfränkische Wettertanne, als die sich Guttenberg selbst bezeichnet hatte.

Der CSU-Politiker rang lange mit sich, ehe er sich im Bundestag den Vorwürfen stellte, er habe seine Doktorarbeit in weiten Teilen abgeschrieben, ohne die Zitate kenntlich gemacht zu haben. Noch am Dienstag hatte Guttenberg vor, nur seine Staatssekretäre in den Bundestag zu schicken. Schon in der vergangenen Woche, als die Vorwürfe aufkamen, versuchte er zu taktieren. Angesichts dieses ungeschickten Vorgehens rieben sich inzwischen selbst einige Unionsvertreter verwundert die Augen.

Guttenberg in Erklärungsnot

Am Mittwoch versuchte Guttenberg im Parlament nun sein Verhalten zu erklären. Er bleibe nach wie vor bei der Auffassung, dass der Vorwurf "abstrus" sei, seine Arbeit sei ein Plagiat. Dies setze einen bewussten Täuschungsversuch voraus, was bei ihm aber nicht der Fall sei. Er habe geglaubt, sowohl seinem Mandat als Bundestagsabgeordneter, seinen Aufgaben als junger Familienvater sowie der wissenschaftlichen Arbeit gerecht werden zu können. "Ich war sicher so hochmütig zu glauben, dass mir die Quadratur des Kreises gelingt", sagte Guttenberg.

Ob dieses Eingeständnis des Ministers, der sich gern als schneidiger Entscheider darstellt, fürs politische Überleben ausreicht, bleibt fraglich. Er frage sich, wie Guttenberg nach den Plagiatsvorwürfen noch eine Respektsperson für Zehntausende deutsche Soldaten sein wolle, sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann im Bundestag - und nannte Guttenberg einen "akademischen Hochstapler und Lügner".

Auch Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin ging nicht zimperlich zur Sache: "Frau Bundeskanzlerin, die Bundeswehr darf nicht mehr von einem Felix Krull kommandiert werden, entlassen Sie Verteidigungsminister zu Guttenberg", sagte er in Anspielung auf die Hauptfigur des Thomas-Mann-Romans "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull".

Keine einfache Sache für die Uni

Schwere Vorwürfe sind dies und es wäre, falls die im Internet veröffentlichten Angaben über den Umfang der Täuschung bei der Doktorarbeit zutreffen, ein Leichtes für die Bayreuther Uni gewesen, dem zusätzliches Futter zu geben. Doch statt sich länglich mit der Dissertation auseinander zu setzen, nahm die Promotionskommission mit Guttenbergs Bitte um die Aberkennung des Doktortitels vorlieb.

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Die Entscheidung in Bayreuth hat etwas von Spagat an sich: Uni-Präsident Bormann (Mitte rechts) versucht zu erläutern.

(Foto: dapd)

Nach dem Brief Guttenbergs habe sich die Universität nicht mit dem Vorwurf der bewussten Täuschung auseinandersetzen müssen, sagte Uni-Präsident Rüdiger Bormann. Wenn sich Einmütigkeit anbiete, werde der einfachere Weg gegangen, sagte Bormann und schob etwas gewunden noch einen entlastenden Satz nach: "Es ist sicherlich falsch zu sagen, dass das ganze Werk ein Plagiat ist" - die falsch zitierten Stellen seien aber ein Plagiat.

Es kann aber noch dicke kommen ...

Doch so wie ihm die Opposition weiter nachstellen wird, ist Guttenberg auch in Bayreuth noch nicht alle Sorgen los: Die Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft wird die Arbeit weiter und ausführlicher prüfen. Sollte sie am Ende zu dem Schluss eines bewussten Täuschungsmanövers kommen, müsste sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wieder neue Gedanken über ihr beliebtestes Kabinettsmitglied machen - am Mittwoch erschien eine ARD-Umfrage, die Guttenberg trotz der Vorwürfe wachsende Zustimmung bestätigte.

Quelle: n-tv.de, Anke Landmesser und Ralf Isermann, AFP

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