Politik

"Erfrischend konkret" FTD empfiehlt die Grünen

Wenige Tage vor der Europa-Wahl hat die "Financial Times Deutschland" eine Wahlempfehlung zugunsten der Grünen abgegeben.

Wenige Tage vor der Europa-Wahl hat die "Financial Times Deutschland" eine Wahlempfehlung zugunsten der Grünen abgegeben. Diese Partei sei bei der Europawahl "überraschend und erfrischend konkret", heißt es unter der Überschrift "Warum nicht grün?" in einem in der Donnerstagsausgabe des Blattes veröffentlichten Kommentar.

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Reinhard Bütikofer ist der Spitzenkandidat der Grünen für das Europaparlament.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Grünen hätten "nicht nur das längste, sondern auch das ausgefeilteste Programm. Sie geben sich bei Europas zentralen Zukunftsthemen als marktfreundlicher Innovationsmotor." So plädiere die Partei zum Beispiel dafür, "bei grenzübergreifend tätigen Banken das nationale Aufsichtswesen durch eine echte europäische Finanzaufsicht zu ersetzen".

Lob für den "Grünen New Deal"

Ausdrücklich lobt die FTD den "Grünen New Deal", der vorsehe, "dass über ehrgeizige Klimaschutzvorgaben ein Konjunkturprogramm für ökologische Zukunftstechnologien aufgelegt wird". Das Blatt räumt ein, dass sich im Wahlprogramm der Grünen auch Forderungen fänden, "die naiv oder fragwürdig anmuten". Als Beispiel nennt sie die Forderung nach einem Atomausstieg in Europa. "Käme es dazu, wäre Frankreich praktisch komplett ohne Stromversorgung." Auch die pazifistische Grundhaltung in der Sicherheitspolitik halte der politischen Realität nicht stand, meint die FTD. "Das Beruhigende: Mit diesen Positionen kommen die Grünen in Europa ohnehin nicht weit."

Die Grünen seien "die einzige Partei, die wirklich Ideen für Europa mitbringt - und sie könnten die Rolle des Antreibers übernehmen". Zudem wirke eine stärkere Präsenz der Grünen im EU-Parlament "der Verfilzung entgegen, die das Machtkartell von Bürgerlichen und Sozialdemokraten über die Jahre geschaffen hat".

"Banal sind wie die Slogans auf den Plakaten"

Scharfe Kritik übt die Zeitung an Union und SPD. "Bedauerlich ist, dass die Programme der Volksparteien CDU und SPD in Teilen so banal sind wie die Werbeslogans auf ihren Kampagnenplakaten. Wer etwa seine Wahlentscheidung davon abhängig macht, wie die Parteien eine Reform der Finanzaufsicht in der EU angehen wollen, braucht sich bei Sozial- und Christdemokraten nicht zu erkundigen. Er wird dort mit Worthülsen und Allgemeinplätzen eingelullt." Auch die FDP kommt nicht gut weg: "Spitzenkandidatin Silvana Koch-Mehrin hat es mit ihren publikumswirksamen Auftritten zwar zu einiger Bekanntheit gebracht. Viel Substanz vermittelt sie aber nicht."

Die FTD hatte erstmals zur Bundestagswahl 2002 eine Wahlempfehlung abgegeben - und zwar zugunsten der Union mit dem damaligen Kanzlerkandidaten, CSU-Chef Edmund Stoiber. Es war die erste Empfehlung dieser Art von einer deutschen Zeitung.

Quelle: n-tv.de