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Alltag: Frauen in Saudi-Arabien müssen mit dem Taxi fahren, wollen sie ohne ihre Männer unterwegs sein.
Alltag: Frauen in Saudi-Arabien müssen mit dem Taxi fahren, wollen sie ohne ihre Männer unterwegs sein.(Foto: AP)
Freitag, 17. Juni 2011

Fahrverbot in Saudi-Arabien: Frauen proben den Aufstand

Dutzende Frauen beteiligen sich am "Tag des Autofahrens" in Saudi-Arabien und setzen sich trotz eines Verbots hinters Steuer. Das Fahrverbot wird mit "Traditionen des Königreichs" begründet, erst jüngst musste eine Frau deshalb ins Gefängnis. Eine Gruppe von Männern droht den aufständischen Frauen bereits Prügel für ihr Verhalten an.

In mehreren Städten von Saudi-Arabien haben sich Frauen ans Steuer gesetzt, um gegen das Frauenfahrverbot zu protestieren. Augenzeugen berichteten, in der östlichen Stadt Dammam etwa seien mehrere Frauen in Begleitung von Verwandten die Uferstraße entlanggefahren.

Auch in der Hauptstadt Riad und auf der Schnellstraße zwischen Dschidda und Riad waren nach Angaben von Aktivisten mehrere Autofahrerinnen unterwegs. Diese seien weder von der Polizei noch von den Islampolizisten der Behörde zur Förderung der Tugend und zur Verhinderung des Lasters belästigt worden.

"Tag des Autofahrens"

Frauenrechtlerinnen in Saudi-Arabien hatten den 17. Juni zum "Tag des Autofahrens" erklärt. Sie hatten Frauen aufgerufen, sich trotz des geltenden Frauenfahrverbotes ans Steuer eines Autos zu setzen und durch die Innenstadt von Riad zu fahren. Die Bewegung Women2Drive will die Kampagne so lange fortsetzen, bis ein königliches Dekret den Frauen ausdrücklich erlaubt, sich selbst ans Steuer zu setzen.

Die Organisatorinnen der Proteste betonen, dass es in Saudi-Arabien kein Gesetz gibt, das Frauen das Fahren verbietet, sondern lediglich eine als Fahrverbot interpretierte Fatwa - ein religiöses Rechtsgutachten. Dieses macht das Fortkommen für Frauen zu einem schwierigen Unterfangen: Entweder müssen sie sich von den Männern aus ihrer Familie fahren lassen oder Chauffeure engagieren - und das, obwohl viele Frauen schon längst im Ausland ihren Führerschein gemacht haben.

Aktivistin enttäuscht

"Ich bin mit meiner Frau heute zum Markt gefahren und sie saß am Steuer", sagte Tawfik al-Saif aus Dammam. Eine Frau aus Riad, die ihren Namen mit Maha angab, erklärte: "Ich bin ohne Probleme durch Riad gekurvt." Die Aktivistin Wadschiha al-Howaidir sagte jedoch mit einer gewissen Enttäuschung: "Ich hätte gedacht, dass mehr Frauen dem Aufruf folgen würden."

Die saudische Hauptstadt Riad.
Die saudische Hauptstadt Riad.(Foto: REUTERS)

Rund um die König-Abdulasis-Straße in Riad sahen Augenzeugen am Morgen Dutzende langbärtiger Islam-Polizisten, die offensichtlich gekommen waren, um Frauen am Autofahren zu hindern. Am frühen Morgen hatte eine saudische Frau bereits ein Video im Internet veröffentlicht, das sie bei einer Autofahrt zeigt. Die Frau, deren Gesicht nicht zu erkennen ist, erklärt, sie habe die Aufnahme vor Sonnenaufgang in Riad gemacht.

Zahlreiche Islamgelehrte hatten sich in den vergangenen Wochen gegen eine Aufhebung des Verbots ausgesprochen, das mit den "Traditionen des Königreichs" begründet wird. Eine berufstätige Mutter aus der saudischen Ostprovinz hatte im Mai mehrere Tage in einem Frauengefängnis verbracht, nachdem sie mit dem Auto gefahren war.

Männer drohen mit Gewalt

Schon im November 1990 versuchte eine Gruppe, öffentlich gegen das Fahrverbot zu protestieren: 47 Frauen fuhren in 15 Autos durch Riad, bis sie festgenommen wurden. Sie wurden hart bestraft und öffentlich als Huren beschimpft, die Beamtinnen unter ihnen verloren ihren Job.

Eine Gegenbewegung hat bereits mobil gemacht: Eine Gruppe saudischer Männer hatte erklärt, sie wollten das Fahrverbot notfalls mit Gewalt durchsetzen. Sie wollten die widerspenstigen Frauen mit den schwarzen Riemen (Igal) schlagen, mit denen arabische Männer ihre traditionelle Kopfbedeckung befestigen. Im Internet gründeten Frauen daraufhin eine Gruppe, die versprach: "Jeden, der mit seinem Igal eine Frau schlägt, den hauen wir mit unseren Schuhen."

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte die saudische Führung am Donnerstag aufgefordert, das Fahrverbot für Frauen aufzuheben. Der Vizedirektor der Organisation für den Nahen Osten und Nordafrika, Philip Luther, erklärte, dies sei nur eines von vielen Beispielen für die Diskriminierung von Frauen in dem arabischen Land.

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Quelle: n-tv.de

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