Politik

Mohammed-Schmähvideo Friedrich will Vorführung stoppen

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Der Hass richtet sich vor allem gegen die USA.

(Foto: AP)

Die Gewaltausbrüche in der islamischen Welt nach dem Hassvideo bereiten den USA große Sorgen. Präsident Obama hält die Entwicklung in Nahost laut einem Bericht für unberechenbar. Der Sturm auf die deutsche Botschaft im Sudan hatte aber womöglich andere Ursachen - und da ist Innenminister Friedrich gefragt.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat angekündigt, "mit allen rechtlich zulässigen Mitteln" gegen die geplante Vorführung des islamfeindlichen Films "Die Unschuld der Muslime" in Deutschland vorzugehen. Gegenüber dem "Spiegel" kritisierte Friedrich die Veröffentlichung eines Werbetrailers für den Film auf der Website der rechten Gruppierung "Pro Deutschland". Derartige Organisationen wollten die Islamisten in Deutschland provozieren und gössen damit "grob fahrlässig Öl ins Feuer", sagte der Innenminister.

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Innenminister Friedrich will einschreiten.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Pro Deutschland"-Chef Manfred Rouhs beharrte hingegen darauf, er wolle den umstrittenen Film in voller Länge in Berlin in voller Länge zeigen. Dabei gehe es der Gruppierung "um die Kunst- und Meinungsfreiheit".

Der Angriff auf die deutsche Botschaft im Sudan möglicherweise eh schon eine Vergeltungsaktion für das Zeigen von Mohammed-Karikaturen. Bereits Anfang September hätten radikale Prediger in Khartum auf die Demonstration der rechtspopulistischen Splitterpartei hingewiesen, berichtet das Magazin, allerdings ohne eine konkrete Quelle zu nennen. Mitte August hatte Pro Deutschland in Berlin vor drei muslimischen Gotteshäusern Mohammed-Karikaturen in die Höhe gehalten und Schilder mit durchgestrichenen Moscheen gezeigt.

Seit Dienstag gibt es in zahlreichen muslimischen Ländern gewalttätige Proteste gegen den islamfeindlichen Film. Bei einem Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi starben der US-Botschafter und drei Mitarbeiter sowie mehrere libysche Sicherheitsleute. Am Freitag wurden bei Protesten in Ägypten, Tunesien, dem Libanon und dem Sudan sowie weiteren Ländern mehrere Menschen getötet. Auch die deutsche Botschaft in der sudanesischen Hauptstadt Khartum wurde angegriffen und angezündet.

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Der Papst besuchte den Libanon.

(Foto: AP)

US-Präsident Barack Obama rechnet laut einem Zeitungsbericht vorerst nicht mit einer Beruhigung der Lage im Nahen Osten. Das Weiße Haus gehe davon aus, dass die gewaltsamen Proteste, bei denen vier US-Diplomaten getötet wurden, zu einer "anhaltenden Krise mit unvorhersehbaren diplomatischen und politischen Konsequenzen" führen könnten. In Folge der gewaltsamen Angriffe auf ihre diplomatischen Vertretungen ziehen die USA einen Teil ihrer Diplomaten aus Tunesien und dem Sudan ab. Alle Familienangehörigen und das nicht dringend benötigte Personal würden aufgefordert, die Länder zu verlassen, teilte das Außenministerium in Washington am Samstag mit. Zugleich sprach das Ministerium eine Reisewarnung für Tunesien und den Sudan aus.

Proteste in Paris

Nach einer unangemeldeten Demonstration in der Nähe der US-Botschaft in Paris nahm die französische Polizei unterdessen rund hundert Menschen fest. Nach Polizeiangaben veranstalteten dutzende Männer, Frauen und Kinder, die offenbar "salafistischen Kreisen nahestehen", in der Umgebung der US-Botschaft eine nicht angemeldete Demonstration und lieferten sich Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften. Dabei seien mehrere Polizisten leicht verletzt worden.

Auch andernorts flammten neue Proteste auf. In Sydney setzte die Polizei Tränengas gegen hunderte demonstrierende Muslime ein, die zum US-Konsulat ziehen wollten. Es habe Verletzte gegeben, berichtete der Fernsehsender ABC. Teilnehmer trugen schwarze Dschihad-Fahnen sowie Transparente mit der Aufschrift: "Enthauptet all jene, die den Propheten beleidigen."

In den arabischen Ländern kehrte dagegen wieder Ruhe ein. Ägyptische Sicherheitskräfte räumten den zentralen Kairoer Tahrir-Platz und die Straßen zur nahe liegenden US-Botschaft. In Ägypten hatten die inzwischen weltweiten Proteste am Dienstag mit einem Sturm auf die US-Vertretung begonnen.

Papst wünscht Frieden

Papst Benedikt XVI. machte sich für den Aufbau einer Friedenskultur im Nahen Osten stark. Der Papst forderte bei seinem Besuch im Libanon ein "neues Modell der Brüderlichkeit" und die Ächtung jedweder Gewalt. Abends sagte er vor jungen Gläubigen, Christen und Muslime könnten gemeinsam eine freie und menschliche Zukunft aufbauen.

Wer Frieden wolle, der müsse auch das Leben verteidigen, erklärte Benedikt vor Vertretern von Politik, Gesellschaft, Diplomatie und Kultur in Baabda. Diese Logik stehe nicht nur gegen Krieg und Terrorismus, sondern gegen jeden Anschlag auf menschliches Leben. Gewalt, ob körperlich oder verbal, sei immer ein Angriff auf die menschliche Würde und müsse verbannt werden, sagte der Papst.

Quelle: ntv.de, jmü/dpa/AFP