Politik

Bauen für Trump Für Firmen ist die Mauer ein heikles Projekt

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Ende Februar strichen Aktivisten den Grenzzaun zwischen Ciudad Juarez und New Mexico aus Protest gegen Trumps Pläne weiß an.

(Foto: AP)

Hunderte Unternehmen zeigen Interesse, sich am Bau der Grenzmauer zwischen den USA und Mexiko zu beteiligen. Damit in Verbindung gebracht werden will jedoch kaum eine Firma.

Die Mauer kommt, da ist sich Donald Trump sicher. Doch wer sie bauen soll und wie viel das Ganze am Ende kosten wird, ist noch ungewiss. Für den US-Präsidenten ist ein Mangel an konkreten Fakten jedoch kein Hindernis, und so hat sein Heimatschutzministerium bereits letzten Monat eine Vorausschreibung für den Entwurf und den Bau einer Grenzmauer zwischen den USA und Mexiko veröffentlicht.

Laut US-Medienberichten haben bereits hunderte Firmen ihr Interesse an dem Projekt geäußert. CNN berichtete sogar von 300 Firmen, die genauere Informationen über die bevorstehende Projekt-Ausschreibung erhalten wollten. Die offizielle Ausschreibung für das Grenzprojekt ist für diese Woche angesetzt. Erste Aufträge sollen bereits Mitte April vergeben werden.

Der Grund für das große Interesse der Firmen dürfte vor allem an den geschätzten Baukosten von mehr als 20 Milliarden Dollar liegen, die für die über 3000 Kilometer lange Grenzbefestigung anfallen könnten. Bei solchen Summen wollen natürlich viele Unternehmen zumindest einen kleinen Auftrag ergattern, sagt die Politologin Irasema Coronado n-tv.de.

"Es gibt viele Firmen, die Dinge herstellen, von denen Steuerzahler nicht begeistert sind. Das ist die Realität in den Vereinigten Staaten. Es ist das Recht jedes Unternehmens, um Regierungsaufträge mitzubieten", so Coronado, die an der Universität von Texas in El Paso neben Politik auch Umweltwissenschaften und Ingenieurwesen lehrt.

"Das wäre Selbstmord"

Unter den Firmen, die Interesse an dem Projekt verlauten ließen, befinden sich Berichten zufolge kleine und große amerikanische und internationale Bauunternehmen, Architektenbüros und Künstler. Auch mexikanische Unternehmen sind aufgelistet.

Das größte Problem für die Firmen ist allerdings nicht das in manchen Abschnitten schwer zugängliche Grenzgebiet, sondern die potentielle Schädigung des öffentlichen Rufs. "Wir haben kein Interesse an der Grenzmauer", sagte ein Mitarbeiter eines internationalen Bauunternehmens der Nachrichtenseite CityLab, die auf urbane Themen spezialisiert ist. "Wie die meisten Bauunternehmer wissen, wäre das Selbstmord." Nach widersprüchlichen Meldungen stellte auch das deutsche Unternehmen Hochtief Anfang März klar, dass der Konzern sich an dem Vorhaben nicht beteiligen werde.

Die Stadt New York kündigte bereits an, sie werde Unternehmen, die an Trumps Mauer mitarbeiten, keine städtischen Aufträge mehr geben. "Unternehmen haben eine Wahl: Helft dabei, die Mauer zu bauen - ein Monument für Rassismus und Fanatismus - oder habt geschäftliche Beziehungen mit New York. Beides werden wir nicht erlauben", sagte Letitia James von der New Yorker Stadtverwaltung bei einer Pressekonferenz.

Noch will kein Unternehmen bieten

Die US-amerikanische Architekturfirma Leo A. Daly ist eines der Unternehmen, die bei der Vorausschreibung für das Grenzprojekt auftauchten. Die Firma hat schon mit vielen Regierungen in den USA und international zusammengearbeitet. In einer Stellungnahme gegenüber n-tv.de stellte die Firma jedoch klar, dass sie nicht um den Auftrag mitbieten werde.

"Es ist die übliche Vorgehensweise unserer Firma, bei jeder Vorausschreibung eines Regierungsprojekts, das in unser Fachgebiet passt, mit Interesse zu antworten", so die Firma. "Damit wollen wir jedoch nicht kommunizieren, dass wir beabsichtigen, für das jeweilige Projekt zu bieten. Es war einfach eine Bitte um mehr Informationen."

Wie viele Unternehmen es so machen wie Leo A. Daly, ist nicht bekannt. Allerdings hat bis jetzt noch kein einziges öffentlich bestätigt, für den Auftrag bieten zu wollen.

Der Bau einer Mauer, um der illegalen Einwanderung aus Mexiko und anderen lateinamerikanischen Ländern Einhalt zu gebieten, war eines von Trumps wichtigsten Wahlversprechen. Auch wenn er dadurch das Thema wieder in aller Munde brachte: Die Errichtung einer permanenten Grenzanlage zwischen den USA und Mexiko begann bereits 1990.

Der Grenzregion in den USA droht ein Abschwung

Die US-Regierung errichtete damals eine mehr als 100 Kilometer lange Grenzmauer in Kalifornien. Das Bauwerk erstreckte sich von San Diego bis zum Pazifik. Über die vergangenen 27 Jahre trug jede US-Regierung ihren Teil dazu bei, die Grenzanlage zu verlängern. "Im Moment existieren ungefähr 750 Meilen (1200 Kilometer) der verstärkten Grenze", sagt Irasema Coronado. "Es ist also keine neue Idee."

Der Professorin zufolge hätte der Bau einer Mauer über die gesamte Grenzlänge nicht nur einen negativen Effekt auf die politischen Beziehungen zwischen den beiden Nationen, sondern auch auf die lokale Wirtschaft in den Grenzgebieten. Die im US-Bundesstaat Arizona gelegene Grenzstadt Nogales hat dies bereits erlebt. Als dort in den 1990ern die Grenzbefestigung verstärkt wurde und Mexikaner nicht mehr ohne weiteres nach Nogales reisen konnten, spürten dies vor allem die Händler auf der US-amerikanischen Seite, erzählt Coronado.

"Die Geschäftsleute spürten die wirtschaftlichen Auswirkungen, als plötzlich weniger Menschen ihre Geschäfte besuchten und sie deshalb weniger Ware verkauften", beschreibt Coronado die Situation in Nogales. "Dadurch nahm auch die Stadt weniger Steuergelder ein. Der Umsatzsteuerrückgang hatte wiederum Auswirkungen auf die städtischen Leistungen, welche die Bürger in Anspruch nehmen können."

Auf der mexikanischen Seite erkannten die lokalen Geschäftsleute, dass sie nun keine Konkurrenz mehr aus den USA hatten, und erhöhten die Preise. "Die lokale Wirtschaft gewinnt oder verliert mit der Mauer, je nachdem auf welcher Seite man steht", sagt Coronado.

"Ich sehe keine Vorteile in einer Mauer", sagt die Wissenschaftlerin. "Es ist viel besser, sich auf diplomatischem, wirtschaftlichem und kulturellem Weg auszutauschen und zu kooperieren, als eine Barriere zu errichten, denn dein Nachbar verschwindet dadurch nicht einfach."

Quelle: ntv.de

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