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Einsatz in Brandenburg GSG 9 fasst NSU-Unterstützer

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In diesem Haus im Landkreis Potsdam-Mittelmark wurde Andre E. festgenommen.

(Foto: dapd)

Die Ermittlungen im Umfeld der Zwickauer Terrorzelle führen zu einem weiteren Ergebnis. In Brandenburg wird ein Mann festgenommen, der die Gruppe aktiv unterstützt hat. Andre E. soll auch das menschenverachtende Bekennervideo der Gruppe hergestellt haben. Zeitgleich werden mehrere Wohnungen durchsucht, auch die eines Thüringer Ex-NPD-Vorstands.

Die Bundesanwaltschaft hat einen weiteren mutmaßlichen Unterstützer der rechtsextremen Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)" festgenommen. Bei dem Beschuldigten handelt es sich um den 32-jährigen Andre E., wie die Behörde mitteilte.

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Sondereinheit der Bundespolizei: Die GSG 9 kommt eigentlich nur in "besonders gefährlichen Lagen" zum Einsatz (Archivbild).

(Foto: REUTERS)

E. wurde am Morgen im Landkreis Potsdam-Mittelmark durch Beamte der GSG 9 festgenommen. Dort war er offenbar bei seinem Bruder zu Besuch. Maik E. gilt als bekennender Rechtsextremist. Er war dem Verfassungsschutz zufolge Stützpunktleiter der Jungen Nationaldemokraten in Potsdam. Sie sind die offizielle Jugendorganisation der rechtsextremen NPD. Nach den Erkenntnissen der Ermittler verfügt E. über gute Beziehungen zur Rechtsszene in anderen Bundesländern, etwa in Sachsen-Anhalt. Unter anderem soll Maik E. im 2006 verbotenen "Schutzbund Deutschland" aktiv gewesen sein. "Der ist uns sehr gut bekannt", hieß es aus Sicherheitskreisen.

Seit der Festnahme von Andre E. werden in Brandenburg sowie in Dresden, Jena und Zwickau insgesamt vier Wohnungen durch Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) und örtliche Polizeikräfte durchsucht. Unter den durchsuchten Wohnungen ist auch die von Andre E. in Zwickau.

Ein Sprecher der Thüringer NPD sagte, dass unter anderen Fahnder des BKA rund vier Stunden lang bei einem früheren Thüringer NPD-Vorstandsmitglied gewesen seien und Material beschlagnahmt hätten. Eine Stellungnahme werde der Mann nicht abgeben, sagte er. Der Jenaer war in den vergangenen Tagen in unbestätigten Medienberichten als wichtiger Helfer des untergetauchten Trios genannt worden.

Konkrete Vorwürfe

Der Mann wird beschuldigt, in zwei Fällen die terroristische Vereinigung unterstützt zu haben, teilt die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Zudem besteht gegen ihn der dringende Verdacht der Volksverhetzung und der Beihilfe zur Billigung von Straftaten.

Andre E. soll seit 2003 in engem Kontakt mit den Mitgliedern der NSU gestanden haben. Er ist dringend verdächtig, 2007 den Propagandafilm hergestellt zu haben, mit dem sich die Zwickauer Terrorzelle zu den von ihnen begangenen Morden bekannt hat. Der Film enthält zudem Sequenzen aus der öffentlichen Berichterstattung über die beiden Sprengstoffanschläge in Köln, die auf eine Urheberschaft des NSU schließen lassen. Im Mai 2009 soll Andre E. Uwe Bönhardt und Beate Zschäpe außerdem seine und die Bahncard seiner Frau für Reisen zur Verfügung gestellt haben.

G. beteuert seine Unschuld

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Andre E. soll der Macher des Bekennervideos sein.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der am Sonntag vor einer Woche festgenommene Holger G. bestreitet unterdessen weiter jede aktive Beteiligung an rechtsextremen Gewalttaten. Von den Bankrauben und Morden, die der Zwickauer Zelle angelastet werden, habe der 37-Jährige nichts gewusst, sagte sein Anwalt Stefan Hachmeister in Hannover.

Bei seiner Vernehmung habe Holger G. lediglich eingeräumt, dem Trio vor Jahren seinen Führerschein sowie kürzlich seinen Reisepass überlassen zu haben. "Er hätte nie gedacht, dass damit diese Straftaten begangen werden." Die Ermittlungsbehörden gehen zudem davon aus, dass er mehrfach Wohnmobile für die Gruppe angemietet hat. Der Anwalt rechnet in Kürze mit einem Haftprüfungstermin.

Laut  Hachmeister ist der 37-Jährige mit dem Trio in den neunziger Jahren in seiner Heimat in Jena befreundet und in der dortigen Neonazi-Szene aktiv gewesen. Der Kontakt zu der Gruppe sei nach ihrem Untertauchen abgebrochen, bis diese sich Jahre später wieder bei ihm meldete und ein regelmäßiger Kontakt entstand.

Quelle: n-tv.de, sba/AFP/dpa

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