Politik
Die ersten Hilfslieferungen haben die Grenze nach Libyen bereits passiert.
Die ersten Hilfslieferungen haben die Grenze nach Libyen bereits passiert.(Foto: dpa)
Dienstag, 19. April 2011

UN schicken Hilfe nach West-Libyen: Gaddafis Soldaten tragen Zivil

Die NATO klagt über die schmutzige Kriegsführung der Gaddafi-Truppen. Die Soldaten würden sich als Zivilisten verkleidet in der Nähe von Krankenhäusern verstecken, von Moscheedächern schießen und Frauen und Kinder als Schutzschilde missbrauchen. Derweil bemühen sich die UN, Hilfe auch über Land zur notleidenden Bevölkerung zu bringen.

Für die unter dem Bürgerkrieg leidenden Menschen im Westen Libyens ist Hilfe in Aussicht. Mit Billigung der libyschen Regierung hat sich das Welternährungsprogramm (WFP) mit dem libyschen Roten Halbmond auf ein entsprechendes Abkommen zur Zusammenarbeit geeinigt. Die Hilfsmittel sollen auf dem Landweg über die libysch-tunesische Grenze in Tripolis und anderen westlibyschen Städten verteilt werden. Die seit Wochen von den Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi belagerte Rebellenstadt Misrata ist allerdings nicht darunter. Zunächst sollen UN-Organisationen Zugang nach Misrata erhalten, um die humanitäre Lage einzuschätzen und Hilfslieferungen auf den Weg zu bringen. Bislang kann die eingeschlossene Stadt nur über See erreicht werden.

Die Vereinten Nationen haben die Europäische Union auch noch nicht um die militärische Absicherung von humanitären Hilfsleistungen für Misrata gebeten. "Wir haben keine solche Anforderung bekommen. Aber die Planung wird fortgesetzt, damit wir, falls es eine solche Anforderung gibt, die Operation schnell in Gang setzen können", sagte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton in Brüssel. Die Militäraktion der EU, an der auch Deutschland teilzunehmen bereit ist, kann nur beginnen, sofern das UN-Büro für humanitäre Hilfe (Ocha) darum bittet.

Zehntausende werden versorgt

Ernüchterung: Die Rebellen hatten sich mehr Hilfe erhofft von der NATO.
Ernüchterung: Die Rebellen hatten sich mehr Hilfe erhofft von der NATO.(Foto: AP)

Ein erster Konvoi aus acht Lastwagen mit 200 Tonnen Weizen und über neun Tonnen energiereicher Kekse überquerte bereits die tunesische Grenze in Richtung Westlibyen. Damit können fast 50.000 Menschen einen Monat lang ernährt werden, hieß es. Vor allem Frauen, Kinder und ältere Menschen litten extreme Not, wird die WFP-Geschäftsführerin Josette Sheeran zitiert. Insgesamt konnte das WFP nach eigenen Angaben bisher mehr als 187.000 Menschen, vorwiegend in Ostlibyen versorgen.

In den vergangenen zehn Tagen sind etwa 10.000 Libyer nach Tunesien geflohen. Darunter waren meist Familien aus der Stadt Nalut. Seit einem Monat liegen sie unter der Belagerung der Regierungstruppen.

Derweil erhebt die NATO schwere Vorwürfe gegen die Gaddafi-Truppen. Die Soldaten würden sich als Zivilisten verkleidet in der Nähe von Krankenhäusern verstecken, von Moscheedächern schießen und Frauen und Kinder als Schutzschilde missbrauchen, sagte der Kommandeur des Libyen-Einsatzes, General Charles Bouchard, dem kanadischen Fernsehsender CBC. Die Gaddafi-Truppen würden ihre schweren Waffen in den von ihnen gehaltenen Bezirken Misratas in der Nähe von Krankenhäusern, Schulen und Moscheen aufstellen, berichtete Bouchard. Die NATO-Kampfpiloten, die nach einem UN-Sicherheitsratsbeschluss vom März die libysche Zivilbevölkerung schützen sollen, könnten dagegen nichts ausrichten.

Tausende sitzen in Misrata fest

Rebellen werden wie hier in Bengasi an Waffen ausgebildet.
Rebellen werden wie hier in Bengasi an Waffen ausgebildet.(Foto: AP)

Nach libyschen Oppositionsangaben vom Dienstag wurden in den letzten zwei Tagen bei den Angriffen auf Misrata Dutzende Menschen getötet. Im Hafen der Stadt sitzen immer noch mehr als 3000 afrikanische Gastarbeiter fest, die darauf warten, mit Schiffen internationaler Hilfsorganisationen in Sicherheit gebracht zu werden.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP), der sich zu einem Besuch in Kairo aufhält, versprach Hilfe für die drittgrößte libysche Stadt. "Wir werden die Menschen, die dort leiden, nicht alleine lassen." Deutschland wolle "seinen Beitrag dazu leisten, dass Hilfsgüter nach Misrata kommen, aber auch dass Menschen aus Misrata evakuiert werden können". Details der deutschen Hilfe nannte Westerwelle aber nicht.

Seit Beginn des Aufstandes gegen das Gaddafi-Regime wurden nach Angaben der Rebellen bereits zehntausende Menschen getötet oder verletzt. "Präsident Dschalil hat uns von 10.000 Toten berichtet und bis zu 55.000 Verletzten", sagte der italienische Außenminister Franco Frattini nach einem Treffen mit dem Vorsitzenden des libyschen Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, in Rom.

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Quelle: n-tv.de